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803 Chandos. Roman vou Ouida. 804
Umgang mit weiblichen Weſen eigen war, während ſeine Augen mit inniger Beredtſamkeit auf ihr ruhten.
Es war ihm mit dem Geſagten voller Ernſt.
Seine Liebe ward ſtets ſchnell erregt, allein bisher war ſeine Phantaſie mehr als ſein Herz bei derſelben bethätigt geweſen und er ging den Weg eines Eroberers zu dem Ge⸗ genſtand jener Liebe, ohne daß ihn, am Ziel angekommen, eine härtere Strafe als ein leichter Wortſtreit traf. Daß er auf dieſem königlichen Weg nicht auch zu der Lilienkönigin gelangen konnte, entkräftete ihren Zauber und erhöhte ihn wie⸗ derum, indem er ſich ſanft und doch unnachgiebig gezügelt fühlte. Sie wies ſeine Bewunderung zwar zurück, aber doch nicht ſo weit, daß ſie ſeine Aufmerkſamkeit nicht an ſich feſ⸗ ſelte, ſo lange ſie in ſeinen Räumen weilte.
La Vivarol hob ihre goldenen Flügel und tanzte, als trügen dieſelben ſie wirklich vogelgleich durch die Luft; ſie entfaltete ihre glänzendſte Koketterie und lächelte ihm mit ihrem beſtrickenden Ausdruck entgegen und doch beobachtete ſie jeden Blick, den er der Andern gab und doch zählte ſie die kleinſten Zeichen der leiſeſten Treuloſigkeit.
Wenn eine Viardort, eine Hofkokette, eine Ariſtokratin ſich einer ſolchen Schwäche ſchuldig machen konnte, ſo hatte ſie Chandos geliebt— hatte den Glanz ſeiner Augen, die Muſik ſeiner Stimme, ihn ſelber geliebt— nur weil ſoviel Andere umſonſt nach ihm ſeufzten.
Eine Weltdame wird nie die Unklugheit begehen, ſich verletzt zu zeigen. Die Gräfin verrieth ſich keinen Au⸗ genblick. Im Gegentheil!— ſie rühmte ihre Nebenbuhlerin in der leichten, anmuthigen Weiſe, wie ſie etwa einen Velas⸗ quey gerühmt haben würde. Nichtsdeſtoweniger entging ihr kein Blick, den Chandos Lady Valencia ſchenkte, kein Tanz, zu dem er ſie führte, kein Augenblick, den er an ihrer Seite verbrachte. Auf Rivalinnen wie Flora de l'Orme war ſie im Geheimen eiferſüchtig geweſen, ahn daß ſie ſich dieſe Wahrheit jemals eingeſtand, doch eine Nebenbuhlerin in eigener Sphäre konnte ſie nicht dulden. Und heute Nacht wurde ſie unverkennbar vernachläſſigt. So weit ſeine Pflicht als Wirth Chandos nicht anderweitig in Anſpruch nahm, widmete er ſeine Aufmerkſamkeit und Bewunderung faſt aus⸗ ſchließlich der Lilienkönigin. Der Glanz jener antiken byzan⸗ tiniſchen Juwelen war das Licht, dem er nachzog. Sie war ihm nicht länger die Schönheit der Saiſon, ſie war das ver⸗ körperte Bild ſeiner goldenſten, liebſten Träume.
„Wenn Madame noch zwanzig Jahre lebt, wird ſie Ihnen dieſe Nacht nicht vergeſſen, Lhandos,“ flüſterte Tre⸗ venna im Vorbeigehen, als ſein Wirth die Treppe wieder hinaufſtieg, nachdem er Lady Valencia nach ihrem Wagen begleitet hatte— eine Höflichkeit, welche er ſonſt nur Per⸗ ſonen königlichen Geblüts erzeigte. Eine gedrängte Schaar glän⸗ zend maskirter Herren war der Lilienkönigin auf dem Puße gefolgt.
„Meiner Seel'! Was habe ich gethan?“
„Was? O höchſt unſchuldsvoller Lovelace, welch' eine erhabene Unwiſſenheit! Sie haben eine ſehr theure Frau zur Eiferſucht gereizt und wer ſolches thut, dürfte ſich ebenſo gut auf eine Tonne Schießpulver ſetzen; ja Letzteres wäre ſogar weniger feuergefährlich!“
„Unſinn! Heutigen Tages iſt Niemand eiferſüchtig; wir alle ſind dafür zu kraftlos und zu gut erzogen. Wie hübſch Lady Bellacyſſe heute Nacht ausſieht: der Witt⸗ werſtand muß das allerbeſte Mittel zur Erhaltung der Schön⸗ eit ſein.“
„Alle verwittweten Frauen gedeihen. Sie nehmen ihre
Gatten wie die Luftballons ihren Ballaſt— um ſteigen zu können, doch ſiehe da! im Augenblick, wo ſie die ſchwere Laſt über Bord werfen, ſchweben Ballon und Frauen mit Leich⸗ tigkeit in die Höhe.“ Chandos lachte und begab ſich in die Menge ſeiner mas⸗ kirten Gäſte, um die goldenen Flügel ſeiner Gebieterin zu ſuchen und Frieden mit ihr zu ſchließen, ſoweit er dies thun konnte, ohne ſie nur noch ſchwerer zu beleidigen, indem er ihr zeigte, daß er argwöhne, jener Friede ſei überhaupt gebrochen.
Trevenna ſah ihm nach und betrachtete das Funkeln der Diamanten auf ſeinem Kleide, ſowie die ungeſuchte Anmuth
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ſeiner Bewegungen. Dann ließ er ſeine Blicke durch die Fluth von Lichtglanz und die Wildniß der Blumengruppen über die Marmorſtufen mit ihrem breiten Scharlachteppich ſchweifen und in der Tiefe der Halle haften⸗ wo in dem vollen Glanze zweier rieſiger Kandelaber die Statue des großen Staatsminiſters Philipp Chandos ſtand.
Sein Blick wanderte von der lebenden, diamantenſtrah⸗ lenden Geſtalt auf das Marmorbild, aus deſſen Haltung und Geſichtszügen die kalte, ſtolze Ruhe der Machtvollkom⸗ menheit ſprach. Er lächelte leicht vor ſich hin.
„Beaux seigneurs! beaux seigneurs!“ ſagte er leiſe „es gibt vielleicht ein Spiel, das Ihr nicht gewinnen werdet. Ah, mein erhabener Chandos! Da ſtehſt Du in Deinem marmornen Stolz, als könnteſt Du immer noch über uns alle herrſchen und doch kann der Hammer eines Steinmetzen Dich in Stücke zerſchlagen. Sie transit gloria mundi! Ernſt, Dein Liebling, iſt ein herrlicher Mann: Dein Wunſch hat ſich erfüllt, aber wir werden vielleicht in Kurzem das alte Liedchen über ihm ſingen. Und wird die Welt ſich dann noch um ihn kümmern?“
aich dieſer Frage, welche er in ſtummem Selbſtgeſpräch an das Marmorbild gerichtet hatte, ging Trevenna die Treppe hinunter und ſuchte ſeinen Wagen, als die zeitige Dämmerung des Frühlingsmorgens eben anbrach. Er tanzte nie und hatte ſich heute nur damit beluſtigt, die Menſchen unter dem Wechſel ſeines Domino's zu quälen und ihrer viele in tödt⸗ lichem Zweifel über Denjenigen zu laſſen, der um ihre ver⸗ borgenſten Lieblingsſünden wußte, während Andere in der lähmenden Marter der Ungewißheit ſchwebten, ob ihre, mit Angſt geheimgehaltenen Familiengeſchichten in nächſter Woche nicht zur allgemeinen Kurzweil im Charivari oder Punch ab⸗ gedruckt erſcheinen würden.
Als er einige Augenblicke unter dem Portal auf ſein Cab wartete, warf er einen Blick zurück in das Haus. Die Muſik drang aus dem fernen Ballſaal zu ihm herüber und noch einmal ſchweif⸗ ten ſeine Augen über die Treppe und Halle, welche mit ihrem Reichthum an Bronze, Marmor, Malachit, Jaspis, mit ihren Gold⸗ und Silberkandelabern, Blüthenbüſcheln und breit⸗ blättrigen tropiſchen Pflanzen, zwiſchen denen hin und wieder der Sharlach ſpitzenbeſetzter Livreen auftauchte, einer von Paul Veroneſes„Scenen im Vorzimmer eines Palaſtes“ hhen wihefnd die weiße Statue mit königlich⸗gebieteriſcher Geberde, ſtolz, wie das Leben, deſſen ſtummes, athemloſes Symbol ſie war, im Hintergrunde emporragte. Auf's Neue feſſelte ſie Trevennas Blicke.
„Fluch Dir!“ murmelte er, indem das Lächeln aus ſeinem Geſicht und die Heiterkeit aus ſeinen Augen ſchwand. „Fluch dem Lebenden und Fluch dem Todten. Wie Shylock will ich mit einem Pfunde Fleiſch aus der Nähe des Herzens — des Herzens Deines herrlichen Sohnes bezahlt ſein und es ſteht nicht in Deiner Macht, die Rolle der Portia zu ſpielen und mir Einhalt zu thun, denn Du biſt todt, mon mi⸗ nistre!“
Nach dieſen Abſchiedsworten verließ er das Haus, darin man ihn jederzeit willkommen hieß, zu deſſen Tiſch er ſtets geladen war, um die Treppe hinabzuſteigen und in den grauen Morgen hinauszufahren———
„Du haſt Dich während dieſes erſten Feſtes varreeffic ehalten, meine Liebe,“ ſagte Lady Cheſterton und hüllte ſi deheme. in ihre Eiderdaunen, während ihr Wagen bei dem erſten Dämmerlicht durch die ſtillen Straßen rollte.„Es iſt nicht zu verkennen, daß er Dich bewundert...
AÄn das Polſter zurückgelehnt, blieb die Lilienkönigin ſtumm. Ein leichtes Roth füuhte das durchſichtige Weiß ihrer Wangen und die geſenkten Wimpern verſchleierten ihre träu⸗ meriſchen, ſinnenden Augen, in deren klarer Tiefe ſo manches Gedicht ſchlummerte. Sie war in eine ſanfte, glückliche Träu⸗ merei verſenkt, doch lag in dem Lächeln, das auf ihren Lippen ögerte, ein Schatten von Ernſt neben ſtolzem Triumph. Lidta ſprach ſie.
„Es waren die Diamanten von Clarencieux, welche er trug, nicht wahr? Ich glaube, daß es in ganz Europa keine ſchöneren gibt.“
Dievitl Als ſe Corridore Stunden! lſche Wog edämpft, Nuſik mi in Stand, Töne zogen „Lulli gehen, do ſchrit und Urſprung bildete en Gasflamn hatte, und dem Sam Diamanter alterthüml artigen G ttreuungen einer da echielt ſei der Sonn die Muſit geſchnitzte beſonders Ende des ſervorglä Zufluchtsſ Der Abendmah ſcchsundz heit eines bis zur voll, Au⸗ dem ganz ſterung. nicht auff Weine, ve füllten. Paſta ſie de Weiſ Kind, und über, wie


