Jahrgang 
4 (1867)
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Chandos.

Roman von Ouida.

Verdammter Hund! Du haſt nicht nöthig, eiferſüchtig zu ſein; ich liebe Deinen Herrn nicht.

Nichtsdeſtoweniger klingelte er, um für ſeinen Gebrauch einige der beſten Rothweinſorten des Gebieters Beau Sire's bringen zu laſſen, und genoß in der Stille ſein Gabelfrüh⸗ ſtück, beſtehend aus verſchiedenen Meiſterwerken M. Dubosc's, des Küchenchefs von Parklane. Er reichte Beau Sire bonne bouche, ein Leibgericht des Hundes, allein dieſer wies ihm die Zähne und weigerte ſich mit ſtolzem Hohn es anzurühren.

Du haſt ein beſſeres Unterſcheidungsvermögen als Dein Herr, Lavater unter den Jagdhunden. Kennſt ſeine Feinde; er kennt ſie nicht! ſagte Trevenna lachend, während er ſein Frühſtück mit einer um ſo höheren Würdigung der Talente Dubosc's und der Vollkommenheiten des öligen Rheinweins beendigte, als er zuvor über einer Hammelrippe den Asceten gemacht hatte.

Sind Sie ſicher den Preis zu erringen, Ernſt? fragte der Herzog von Caſtlemaine, als er im Gedränge des Emp⸗ fangsſaals Chandos begegnete. Der Herzog, obſchon ein Greis, war ein ſo vornehm⸗ſtattlicher Herr, wie ihn Europa nur aufzuweiſen hatte; ein wackerer Kriegsmann mit einer Löwenmähne, ſeidenartigem, ſilberweißem Haar und blauen, leuchtenden Augen. Er trug die Feldmarſchallsuniform, den Hoſenbandorden und unzählige Sterne und Ehrenzeichen auf der Bruſt über den Narben von Vittoria und vieler Reiter⸗ gefechte in Spanien.

Sicher? Freilich! In keinem Geſtüt iſt ein Thier, das neben Galahad auch nur des Anſehens werth wäre, erwie⸗ derte Chandos, der zu dem Herzog in einem aufrichtigen, herzlich⸗liebevollen Verhältniß ſtand. Sie glichen einander in vielen Beziehungen.

Nein; es müßte ſehr geheim gehalten worden ſein, wenn es vorhanden wäre. Nebenbei geſagt, bot heute ein echter Lump, aber ein vozüglicher Pferdekenner, hohe Preiſe für einen Braunen, Diadem. Ich kenne den Burſchen. Bei dem bö⸗ ſen Handel mit derweißen Herzogin kam er in Ungelegen⸗ heiten. Am Morgen des Rennens von St. Leger brachte man ſie ſteif wie einen Pfahl auf einem Karren hinaus und er ſtand allgemein im Verdacht ſie vergiftet zu haben, wollte aber nichts von der Sache wiſſen. r bot jenen Braunen zu den ungleichſten Wetten aus.

Diadem? wiederholte Chandos, deſſen Augen über das vielfarbige Meer von Federn, Juwelen, wallenden Schleppen, militairiſchen Orden und Epaulettes ſchweiften, um die Lilien⸗ königin zu ſuchen.Diadem? Sie meinen ein Pferd aus der Provinz, das ein Mann aus Yorkſhire einführte? Mein lieber Herzog, wie ich höre, iſt es das elendſte aller Thiere. Trevenna ſagte mir, daß es anfähig ſei bei einemTroſttra⸗ ben zu gewinnen.

Möglich! Sie ſelber taſſen ſich wohl nie im Corner ſehen? 6

Sehr ſelten. Mir liegt daran die Ehre der Geſtüte von Clarencieux aufrecht zu erhalten, aber von allen verab⸗ ſcheuungswürdigen Dingen iſt mir das Rothwälſch des Stalls am meiſten zuwider. Wie Sie wiſſen, beſorgt Trevenna all' jene Angelegenheiten für mich.

Ja, 39 weiß es. Geſcheiter, ſehr geſcheiter Burſche, allein ich habe ihn niemals leiden können. Nichts als ein Abenteurer.

Schämen Sie ſich, Herzog! Sie ſollten jenes Wort, nicht gebrauchen, ſagte er lachend.Es iſt die letzte Aushülfe, deren mittelmäßige Menſchen ſich bedienen, wenn ſie nichts Schlimmeres gegen ausgezeichnete zu ſagen wiſſen.

Bewahren Sie Ihren Glauben an die Leute, bewahren Sie ihn, mein lieber Chandos; es wird Ihnen viel Nutzen bringen! murmelte der Her ſie durch das Gedränge getrennt wurden. 3

Von den Gardeofficieren, e zu ihrem Verdruß mit ihren Truppen draußen aufgeſtellt waren und nur flüchtige Blicke auf die vorüberfahrenden Schönheiten werfen konnten, bis auf die Miniſter im Thronſaal, die gewöhnlich durch proſaiſche Dinge, als Mißtrauensvoten und Fragen über Mi⸗ litairverſtärkung zu ſehr in Anſpruch genommen wurden, als daß ſie auf ſolche Eitelkeiten viel Gewicht hätten legen ſol⸗ len, beherrſchte eine gemeinſame Stimmung die Verſamm⸗

lung; geſpannte Erwartung auf das Erſcheinen der Lilien⸗ önigin.

Ddie Schönheiten des Jahres gingen nach einander an Chandos vorüber, ohne daß ihn eine derſelben beſonders gefeſſelt hätte. Er war jahrelang durch alles, was es an Glanz, an beſtrickenden Reizen und Lieblichkeit in der Frauenwelt gab,

ſo reich geſättigt worden, daß er ſich, wie man ihm nachſagte,

ſchwer befriedigt ſah, während ſein Herz immer noch neuen Eindrücken offen ſtand. Mit einer Ungeduld, die faſt eine ungeſtüme war, erwartete er die Vorſtellung der Lilien⸗ königin.

Endlich ſtreifte das zarte weiße Gewand in ſeiner Nähe den Boden. Aus der leuchtenden Farbenmaſſe von Gold, Brillanten, Saphiren, Rubinen, Bernſtein, Scharlach, Azur⸗ blau und Purpur wie ſie einem Titian und Rubens ge⸗ fallen hätte, hervortretend, eine Camee auf einem rei⸗ chen, warmen Hintergrund tauchten zum zweiten Mal die ſchönen griechiſchen Formen ihres Geſichtes vor ihm auf. Der Weg zum Throne führte ſie ganz nahe bei ihm vor⸗ über.

Sie ſelber iſt geſchaffen um den Thron einer Kaiſerin zu beſteigen, dachte er, während ſeine Blicke ihren anmuthi⸗ gen, königlichen Bewegungen folgten. Zum zweiten Mal be⸗ gegneten ihre Augen einander und ein roſiger Schimmer über⸗ flog ihre Stirne, ein Schimmer, den ſie verbarg, indem ſie das ſtolze, junge Haupt vor ihrem Monarchen beugte, doch nicht ſo ſchnell, daß er Chandos entging.

Leidenſchaftslos! Die Menſchen thun ihr Unrecht; ſie haben nicht verſtanden ihr Herz zu bewegen, dachte er und ſolgte ihr immer noch mit den Blicken, bis ſie das Thron⸗ zimmer verlaſſen hatte. Während der ganzen übrigen Dauer der glänzenden, ermüdenden Feierlichkeit weilte ſeine Erinne⸗ rung bei den tiefen Gazellenaugen und den ſtillen, ſanften Lippen und er grübelte über der verlockenden und leichten Aufgabe, in erſteren die Gluth der Liebe anzufachen und um die Liebkoſungen der letzteren zu werben. Ihr Bild verfolgte ihn im Königspallaſt und zum erſten Mal in ſeinem Leben ſuchte er eine ſolche Erinnerung zu ver⸗ ſcheuchen.

Thorheit! dachte er, als er ſich in die Polſter ſeines Wagens warf, um zu Flora de l'Orme zu fahren.Laßt mich Schönheit ſuchen, die ich durch nichts 556 eeres als einen Smaragdſchmuck oder ein Puppenhaus von Villa gewinnen kann. Die ihrige würde zu theuer erkauft ſein. Héloiſe hatte Recht.

Glänzend! Die Sache gleicht einem Feſt à la régence! Wie das Geld geht! Die Koſten einer ſolchen Nacht

wären hinreichend, um mir einen Sitz im Hauſe der Gemeinen zu erkaufen! dachte Trevenna, als er an demſelben Abend die Treppe des Hauſes in Parklane

hinauf ging. Die Blüthe der franzöſiſchen und engliſchen Ariſtokratie verſammelte ſich heute zu einem Feſt nach Art des florentiniſchen Carnevals bei Chandos. Trevenna zögerte einen Augenblick am Eingang der Empfangsſäle, ein Platz, der ihm einen Blick auf die wachſende Menge der An⸗ kommenden und durch die lange Zimmerreihe geſtattete, die ſich in einen Wintergarten mit dunkeln Palmengruppen, Maſ⸗ ſen tropiſcher Blumen und lichtbeglänzter Springbrunnen verlor. Maskirt und mit einem einfachen, dunkelvioletten Sammetdomino angethan, blickte er in das Farbengewoge, deſſen Friſche durch den Glanz von hundert Armleuchtern und tauſend anderen Lichtflammen nur noch gehoben ward, bis er Chandos entdeckte, der mit den berühmten Clarencieux Dia⸗ manten, geſchmückt und in der Tracht Eduard des Vierten, ſeine Gäſte in einem der innern Geſellſchaftsſäle willkom⸗ men hieß.

Ah, weiße Roſe! ſagte Trevenna zu ſich ſelbſt,wie die Frauen Dich lieben! Wie die Welt Dich liebt und wie leicht Dn Deine Krone trägſt! Selbſt Eduards Haar hatte keinen ſo goldenen Glanz, noch ſtanden ihm reizendere Frauen zu Gebot als Dir. Man ſagt, in das sangre azul Deiner edelmänniſchen Adern ſei etwas von dem Blute der Plan⸗ tagenets gemiſcht; nun ja! die Plantagenets waren alle glän⸗ zende und verdammte Männer.

Während dieſe hiſtoriſchen Erinnerungen ihm durch den

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