Jahrgang 
4 (1867)
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796 ſſetzt, und ei

ſie die Tochter ſagte Chan⸗ der in ſeiner 13og.Armer eeſe Art Rache Straßenräu⸗ imen.

8! Heute zu ene Wagen in ſe iſt Rococco. Kukuk, ſollte m bettelarmen eſem Fall ent⸗

ſhtendem Ton, Car wünſch 8 Vorurtheil für welche 8 hat.

en Stich nur unas Augen iner Secunde wieder.

Lord Cosmo. rein Taſchen⸗ gen das Ver⸗ thaben, liegt c ein Burſche für jene zarte

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Dinge Jhnen

797 Chandos.

Roman von Ouida.

798

thut mir leid, daß man mich preiſt. Die Recenſenten rühmen ſchlechte Bücher, wie die Frauen ihre beſchränkten Gefähr⸗ innen zu erheben pflegen. Jim Nebin ſän Sie indeſſen mit oder ohne Ihren Bei⸗ fall ſo verſchwenderiſch mit Milch und Honig überſchüttet, daß die Hyperkritik in den Fall kommen wird, von jetzt an bis zum Schluß der Saiſon jede neue Novelle zu zerſtückeln und in Eſſig einzumachen, um ihre Schwäche zu ſühnen. Ich bin überzeugt, daß er darauf rechnet, in Richmond bei Ihnen zu ſpeiſen... 6

Wirklich! Nun, ſo mag er ſich verrechnen! Ich erkaufe weder einen Boswell mit einer bonillabaisse, noch ſpiele ich den Mäcen, indem ich jemandem ein matelote auftiſche. Lob durch eine Paſtete erreichen! welch' ein närriſcher Zuſtand der Literatur!

Keinesweges närriſch. Alles iſt käuflich und verkäuf⸗ lich, vom Staube eines ausgeglühten Kohlenhaufens an bis ur Gunſt des Himmels. Letztere Kleinigkeit hat, wie audere Dinge, ihren Preis, ſei dieſer irgend ein Silbergeräth für den Pfarrer, oder eine neue Kirche für St. Paulus. Bah! jedermann iſt beſtechlich! Der einzige Mißgriff, den man begehen kann, beſteht nur darin, daß man die Mittel der Beſtechung nicht nach dem Sinn der zu erkaufenden Perſön⸗ lichkeit wählt. 1. 1

Sie haben in dieſer Beziehung gelitten?

Trevenna, der unerſchütterliche Trevenna lachte, als Grenvil ihm in ſeinem glatteſten, matteſten Ton mit dieſer Frage einen Stich à la Talleyrand verſetzte. Der Garde⸗ officier war ein Todtfeind des Abenteurers.

Warum nicht, Lord Cosmo? Mir gerade recht, wenn man mich von allen Seiten her beſtäche. Ich würde mich als einen Mann zeigen, der ſeine Stellung zu behaupten verſteht. Wenn die Leute Ihnen Geſchenke in die Taſche gleiten laſſen, iſt es gut um Sie beſtellt. Ich kann mir kei⸗ nen ſchlagenderen Beweis Ihres Erfolges denken, als einen Schwarm Menſchen, der ſich bemüht, Sie d beſtechen. Doch wie ich überzeugt bin, neigt das ariſtokratiſche Vorurtheil ſich auf die Seite des Schuldenmachens, anſtatt auf die des Gelderwerbs.

Durch dieſe Anſpielung ſchleuderte er den Stein auf ſei⸗ nen Gegner zurück, denn Cos Grenvil beſaß nichts als Schul⸗ den; die Tauſende, mit denen er ſeine Wettverluſte bei den Frühlingsrennen bezahlte, der Toilettenkaſten für fünfzig Guineen, welchen er dem hübſchen Roſenmädchen kaufte, das er von Paris mit herüberbrachte, ſie waren geborgt.

Laßt den Burſchen in Ruhe, Cos, rief Chandos lachend, um dem Sturm vorzubeugen, der die Heiterkeit ſeiner Früh⸗ ſtücksgeſellſchaft zu erſchüttern drohte.Trevenna ſchlägt uns mit ſeiner Zunge ſammt und ſonders aus dem Felde, wenn wir den Verſuch wagen, es mit ihm aufzunehmen. Er ſollte eigentlich Kanzler der Schatzkammer oder ein Quackſalber ſein. Ich weiß nur noch nicht, für welchen von beiden er ſich am beſten eignet.

Im Grunde ſind ſie dieſelben! rief Trevenna.Der einzige Unterſchied liegt nur in ihren Lebensſtellungen. Der eine ſpricht von den Gerichtsbänken herunter, der andere von

der erſten beſten Bank; der Eine beſitzt eine Salbe für unheilbare Krankheiten, der Andere hat ein Mittel, uni die Nationalſchuld zu tilgen. Sie treiben beide

ein und daſſelbe Geſchäft und es glückt ihnen, ſobald das ſpathlahme Pferd mit ſcheinbar geſundem Schritt ausgreift und das Volk die Steuern aufbringt.Seht, was ihr durch uns erſpart habt! ſchreien Quackſalber und Kanzler, und ſtreichen ihre Schillinge ein, indem ſie ihre haushälteriſchen Fähigkeiten anpreiſen. Ah! wenn ich eine Dorfſchaft hinter's Licht führen könnte, zweifelte ich nicht, daß ich die Fähigkeit beſäße, ein Budget abzufaſſen....

Und ich bin überzeugt, daß Sie beides verſtehen, ſagte Chandos.Ihr alle geht? Natürlich! Empfang bei Hofe! Ich hatte es vergeſſen und wir werden ſpät anlangen. Au revoir alſo, bis wir uns im erſtickenden Gedränge begegnen. Nichts als un⸗ ſere liebliche wie heißt ſie nur? Lilienkönigin, könnte mich bewegen, an den heißeſten, dumpfigſten, ſchläfrigſten und nüchternſten aller Höfe zu gehen.

Begleiten Sie mich? fragte er Trevenna, und blieb einen Augenblick vor ihm ſtehen.

Ich? Nein! Mr. John Trevenna iſt kein feiner Name für eine Hofliſte. Er würde ſich neben der ariſtokratiſchen Größe des Chandos von Clarencieux fehr bürgerlich und dürftig ausnehmen.

Er ſprach dieſe Worte faſt in mürriſchem Tone, und die natürliche, unumwölkte Heiterkeit ſeines Weſens verließ ihn auf einen Augenblick.

Ueberraſcht legte Chandos die Hand auf ſeine Schulter und ſah ihn an.

Unſinn! was wollen Sie von Ihrem Namen? Er iſt ein guter, und ich möchte wetten, daß Sie ihn eines Tages zu einem bekannten machen werden. Weshalb wollen Sie heute nicht bei Hofe erſcheinen? Ich habe Sie dort ſchon vor einigen Jahren vorgeſtellt.

Ja, Sie thaten es, mon prince, lachte Trevenna, deſ⸗ ſen üble Stimmung nicht länger als zwei Minuten dauern konnte.Sie zogen mich aus dem Gefängniß und führten mich an den Hof welcher Gegenſatz! Nein, ich werde nicht mit Ihnen gehen! Ich fühle mich dort ſtets entſetzlich unbe⸗ haglich ein Kellner in ſeidenen Strümpfen und ſtraff ſitzenden Kleidern und liebe es nicht, in der Morgenzeitung im Schweif einer Namenliſte zu figuriren. Es iſt nicht ſchmeichelhaft für Sie, den Nachtrab herzuſtellen, der an die Spinnen der Kinder in dem Thierzuge der Arche Noäh erinnert.

Chandos lachte.

Wie es Ihnen gefällt! Unterhalten Sie ſich inzwiſchen mit meinen hübſchen Morgenländerinnen, obſchon Sie nie zu wiſſen ſcheinen, ob ein Weib ſchön oder häßlich iſt.

Mir lag niemals viel an den Frauen.

Chandos zog ſeine Augenbrauen mit einem Ausdruck un⸗ beſchreiblichen Mitleids und Erſtaunens empor.

Wie iſt es nur möglich, daß ein Mann für die Würze des Lebens unempfindlich ſein kann! Leben Sie auf eine oder zwei Stunden wohl. Ich werde ſehr ſpät bei Hofe an⸗ langen.

3e Arwder Burſche! Er beſitzt Verſtand genug für einen erſten Miniſter und iſt nichts, als ein mittelloſer Pflaſtertre⸗ ter, dachte Chandos, als er ſein Ankleidezimmer betrat um ſich den Händen ſeiner Kammerdiener zu überliefern.Ein Mann von beſſerer Laune hat wohl niemals geathmet, aber es bringt ihn zuweilen dennoch auf, daß er keine heihens Stellung bekleidet. Ihn mit Geld verſorgen, ihn zu Mittag einladen, iſt nicht genug; wenn ich es redlich mit ihm meine, muß ich ihm in der Welt vorwärts helfen. Ich werde ver⸗ ſuchen, ihn in das Haus der Abgeordneten zu bringen. Seine Art zu ſprechen würde dort angebracht ſein: ſcharf und tref⸗ fend ohne bildneriſchen Schmuck. Er iſt zu gut unterrichtet, als daß er den Geſchmack der Parlamentsglieder beleidigen ſollte und ein zu ſchlauer Taktiker, um ſie durch ſein Genie zu beunruhigen.

Mit einer demüthigenden Gleichgültigkeit gegen die Reize der Circaſſierinnen, welche Chandos ihm überantwortet hatte, ſtand Trevenna am Fenſter und betrachtete die Abfahrt des zierlichen, ſchönen Wagens.

Geh' nach dem Pallaſt, mein glänzender Höfling! ſagte er zu ſich ſelbſt, während er ſeine Zähne ſtarke, feine, weiße Bulldoggenzähne zuſammenbiß.Männer, welche ſelbſt Dir an Schönheit und Herrlichkeit nichts nach⸗ gaben, gingen Dutzendweiſe in Spitzen und Diamanten nach Verſailles um ihr Leben hinter den Eiſengittern von La force oder auf dem rothen Thron der Gutlllotine zu beſchließen. Meine zierlichen Herren, meine geputzten Ariſtokraten und vergoldeten Schmetterlinge! Rira bien qui rira le dernier! Glaubt Ihr etwa, ich würde jetzt zu Eurer Unterhaltung dienen, wenn ich nicht die Abſicht hätte aus Euch allen nach und nach meinen Nutzen iehen? Wir ſind noch nicht am Schluß des Schauſpiels. Ich bin Euer Narr mit ſtets bereitem Witz und e ühlem Blut, aber es iſt mög⸗ lich, daß ich Euch trotz meiner Schellenkappe überliſte. 1.a vengeance est boiteuse; elle vient à pas lents, mais elle vient! Welch ein Troſt!

Als er ſich von dem Fenſter wandte, heftete Beau Sire, der Jagdhund ſeine braunen Augen auf ihn und ließ ein burze⸗ zorniges Knurren hören. Trevenna ſah ihn an und achte.