Jahrgang 
4 (1867)
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Chandos.

Roman von Ouida.

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da und blickte auf das es ihr Aufſchlüſſe über den Schreiber geben könne, die andere mitleidslos ein Pflanze ſtreifte und auf den Boden fallen ließ.

Er iſt alſo ſehr verwöhnt? Kann er keinen Widerſpruch ertragen? fragte ſie endlich.

Meine Theuerſte, er iſt niemals in die Verſuchung ge⸗ kommen, erwiederte ihre Schweſter mit einigem Muthwillen. Ertragen! natürlich würde er, der gebildetſte Mann Euro⸗ pa's, Widerſpruch ertragen, allein die Frau, welche ihn da⸗ mit langweilte, dürfte ihn auf immer von ſich entfernen. Er iſt ſo ſehr daran gewöhnt, als maßgebend betrachtet zu wer⸗ den, daß er ein Entgegentreten nicht kennt. Frage Dich ſel⸗ ber, ob er, deſſen IdealLucretia iſt, leicht unterjocht wer⸗ den könne. Er iſt der ſchönſte, der glänzendſte, der groß⸗ müthigſte Menſch auf Erden und macht hohe Anſprüche. Doch es iſt Zeit zu gehen. auf die Eitelkeit oder auch auf den Stolz ihrer Schweſter abgeſandt hatte, rauſchte Lady Cheſterton aus dem Gewächs⸗ haus, gefolgt von der Lilienkönigin, welche den Brief mit einem zögernden Blick aus der Hand legte.

Welch ſchönes Geſicht! dachte ſie, geſtrige Nocht und den Blick desjenigen, der ihr ſeinem ruhm⸗ vollen Rufe nach ſchon längſt bekannt war, in's Gedächtniß zurückrief.Lord Clarencieur Marquis von Clarencieux ein ſtolzer Titel.

während

Sie gehen zur Vorſtellung an den Hof? fragte Tre⸗ venna bei ſeinem Eintritt in eins der Zimmer in Parklane, wo er ſein zweites Frühſtück zu genießen gedachte. Chandos nahm gerade ſein erſtes ein. Das Gemach, in dem er ſich befand, war leicht verdunkelt und mit Roſenwaſſer gekühlt. Seine Dienerinnen waren ein georgiſches und ein cirkaſſiſches Mädchen, die er im Orient gekauft hatte. Die Welt war über dieſe holden Sclavinnen in einige ſittliche Entrüſtung gerathen, allein Chandos gewann ſeine Freunde ſehr bald für ſeine eigene Anſchauungen in dieſer Sache.Weshalb ſich von Männern bedienen laſſen, wenn Frauen zu erlangen ſind; Frauen mit leichtem Schritt, ſanfter Stimme und einem Aeu⸗ ßern, um das Auge zu erfreuen? Die Chocolade aus Jakob's oder Adolph's Händen zu empfangen iſt alles, nur kein Ver⸗ gnügen, ſie aber aus denen einer Leihlah oder Zelma hinzu⸗ nehmen iſt ein Genuß. Und die reizenden Morgenlände⸗ rinnen waren lebendige Beweiſe dieſer Worte. Eben um⸗ ſchwehten ſie ihn in orientaliſcher Tracht mit Kaffee, Liqueurs, Früchten und Confect auf ſilbernen Platten und dienten ihm mit freudigem Gehorſam.

Karten am hohen Mittag, Chandos? rief Trevenna, indem er gleichgültig gegen die Reize der türkiſchen Dienerin⸗ nen und das Vorhandeſein der vornehmen Herren, welche ihn mit kalten Blicken betrachteten, in's Zimmer ſchlenderte. Pfui doch! Das einzige geſetzlich erlaubte Spiel vor Tiſche iſt das privilegirte Schwindeln an der Börſe.

Der Handel iſt wichtiger, als das Vergnügen, wie mir ſcheint, erwiederte Chandos lachend.Durch erſteren richtet man ganze Schaaren von Menſchen zu Grunde, durch letzte⸗ res nur ſich ſelbſt, daher verſteht ſich's von ſelbſt, daß die Welt jenen zuerſt ſein Recht geſtattet. Wie geht es Ihnen? Ich gehe an den Hof, um die Lilienkönigin zu ſehen. Ihret⸗ wegen will ich das Gedränge und die Langeweile von St. James ertragen. Wollen Sie nicht etwas genießen, Tre⸗ venna?

Iſt mir alles zu leicht und kommt zu ſpät. Ich bin ein John Bull, ſagte Trevenng, indem er ſich nichtsdeſto⸗ weniger mit einem Glaſe Curggab einem Stück Straßbur⸗ ger Paſtete verſorgte.Hab on die neueſten Nach⸗ richten über Lady Carallynn 1

Nein. Iſt ſie mit dem Sie haben es genau getröffen. ſie von Lillingſtone austentführt. Erſt jetzt iſt die Sache ent⸗ deckt worden. Carallynne verfolgt ſie und hat geſchworen, den armen Bo zu erſchießen. Ich behaupte, daß er's thut: bon sang ne peut mentir, er verletzt eher das Geſetz, als daß er ſein Wort bricht.

Schlimm für Bo, murmelte Cosmo Grenvil, einer

odon davongegangen? Geſtern Abend hat er

indem ſie ſich die

Heer purpurner Blüthen von der

Und nachdem ſie dieſen Pfeil

Papier in ihrer einen Hand, als ob

der Gardeofficiere.Sie hat ihm arg zugeſetzt, und ein Menſch kann doch nicht inmer nein ſagen. Ihre Mutter trägt die Schuld, indem ſie die Tochter

an einen Mann verheirathete, den dieſe haßte, ſagte Chan⸗

dos, während er eine der reizenden Flechten der in ſeiner Nähe ſtehenden Circaſſierin durch ſeine Hand zog.Armer Car! er iſt durch und durch à l'antique! Dieſe Art Rache iſt mit dem Haarpuder, den Schönpfläſterchen, Straßenräu⸗ bern und Hahnenkämpfen aus der Mode gekommen.

Edler Vorzug des materiellen Zeitalters! Peni⸗ zu Tage können wir verletzte Ehre und zerbrochene Wagen in Geld umſetzen, ſagte Trevenna.Carallynne iſt Rococco. Freiheit in Allem! ſage ich. Warum, zum Kukuk, ſollte ich Lärm ſchlagen, wenn mein Weib mit einem bettelarmen Huſaren davongeht? Ich dächte, daß ich in dieſem Fall ent⸗ ſchieden im Vortheil wäre.

Noblesse oblige, ſagte Grenvil in ſchmachtendem Ton, indem er ſeine langen Wimpern müde aufſchlug.Car wünſcht nicht, ſeinen Namen befleckt zu ſehen; veraltetes Vorurtheil, großer Unſinn natürlich! eine Schwäche, für welche Mr. Trevenna ſelbſtverſtändlich kein Verſtändniß hat.

Die ſanfte Weiſe des Sprechers machte den Stich nur noch empfindlicher. Der helle Glanz in Trevenna's Augen wich einem leidenſchaftlichen Funkeln, allein in einer Secunde gewann er ſeine frühere Faſſung und gute Laune wieder.

Mr. Trevenna hat kein Verſtändniß dafür, Lord Cosmo.

Daß ein Mann durch den Umſtand, Ihnen über ein Taſchen⸗

tuch hinweg eine Unze Blei in den Leib zu jagen das Ver⸗ gnügen ſühnt, Ihrer Frau den Hof gemacht zu haben, liegt außerhalb meines Faſſungsvermögens. Wäre ich ein Burſche von kriegeriſchen Neigungen, ſo würde ich Sie für jene zarte Bemerkung herausfordern.

Ich ſchlage mich nur mit meines Gleichen, erwiederte der ſchöne Gardeofficier, indem er ſich abwandte, um einer Georgierin in türkiſcher Sprache Schmeicheleien zu ſagen.

Wo finden Sie Ihresgleichen an Unverſchämtheit? fragte Trevenna ruhig.

Gut gedient, Cos! lachte Chandos, um etwaigen ſchar⸗ fen Worten vorzubeugen.Alſo Lady Car iſt endlich davon⸗ gegangen! Trevenna, ich erkläre Sie in Betreff des Sam⸗ melns übler Geſchichtchen für den tüchtigſten Chiffonier der Welt. Sie müſſen zuweilen auf ſehr unſaubere Lumpen ſtoßen. Es ſcheint mir, daß die Dinge ſchon eine halbe Stunde, ehe ſie ſtattfinden, zu Ihrer Kenntniß Aelanden

Böſe Gerüchte gleichen dem Samen des Löwenzahns, ſagte Trevenna in dem Tone eines Geiſtlichen,ein Athem⸗ ug zerſtreut ſie in alle vier Winde, allein ſie ſind ſpitz wie Pfit haften an dem Ort, dahin ſie fallen, gehen auf und vervielfältigen ſich vierfach.

Doch böſe Gerüchte und Löwenzahn ſind Unkraut, an denen nur Eſel ſich erlaben.

Ueber beides haben Sie nicht das geringſte Urtheil. Jetzt bedürfen Sie weder Scandalgeſchichten, um Ihre Zeit zu ver⸗ kürzen, noch taraxarum für Ihre Leber, allein wenn Sie ein⸗ mal in die Siebenziger gekommen ſind und an ſchlechter Ver⸗ dauung und langer Weile leiden, werden jene Dinge Ihnen erwünſchte Dienſte leiſten.

Mein lieber Junge, welche unfaßbaren Schrecken ſchil⸗ dern Sie! Wenn ich fühle, daß die Tage der Finſterniß ſich nahen, werde ich in einem warmen Bade ſanft entſchlafen oder Chloroform aus einem Heliotropenſtrauß einathmen. Die Welt iſt ein höchſt ergötzlicher Club, doch ſobald es da⸗ rin langweilig wird, muß man ſeinen Namen von der Liſte ſtreichen. Nichts iſt leichter, und nicht einmal unſere Freunde werden ſich deshalb ihr Mittag weniger munden laſſen.

Im Gegentheil! Es wird ihnen um ſo beſſer ſchmecken, wenn der Selbſtmord ein eigenthümlicher, ſeltener iſt. Ein Gegenſtand für unſere Cenſur verleiht unſerm Currypulver eine höhere Würze, als aller Cayennepfeffer. Wir genießen die Zwiſchengerichte niemals mit größerem Behagen, als wenn wir über ihnenSehr traurig!Himmelſchreiendes Unrecht! murmeln können. Bei Cenſur fällt mir übrigens ein, daß nicht einmal dieHyperkritik Sie durchhechelt. Drei Spalten ent⸗ halten ein ausgezeichnetes Lob derLucretia.

Leſen Sie nie eine Kritik, mein lieber Trevenna. Es

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