Jahrgang 
4 (1867)
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Neigungen gab er ſich denſelben nur an Tiſchen anderer Leute ein großer Mann ſein, wenn unſer hin; für Frauen hatte er keine Schwäche und würde, falls er

hätte wählen dürfen, ein Dutzend Flaſchen kaiſerlichen To⸗ kaiers ohne Zögern einem ſchönen Mädchen vorgezogen haben.

Was ſeine Verſtandesfähigkeiten betrifft, ſo waren die⸗ ſelben ausreichend, um ihn überall vorwärts zu bringen; vom Reitknecht bis zum Geſandten, vom Oberkoch bis zum erſten Miniſter, hätte er jedem Amt mit Glück vorgeſtanden.

Chandos, die Lilienkönigin wird heute Nacht bei den des Vaux's erſcheinen, ſagte er am Abend in dem grünen Geſellſchaftszimmer der Parklane, wo er in Geſellſchaft ſeines Wirthes und mehrerer Dutzend Gäſte der Herzog von Neuilly, Prinz Karl von Steinberg unter ihnen zu Mittag geſpeiſt hatte.

Chandos ſpielte Baccarat, nachdem er etwa fünfzig Ein⸗ ladungen zu Abendgeſellſchaften durchgeleſen, die jeden Tag während der Saiſon unfehlbar an ihn ergingen. Trevenna rührte keine Karte an, ausgenommen beim Whiſt, das er, und zwar mit Recht, als eine Wiſſenſchaft ſtudirt hatte. Er ſtand auf dem Teppich vor dem Kamin, ſah den Spielenden zu und trank dann und wann ein wenig Moſel oder Maras⸗ chino, die im Bereiche ſeiner Hand aufgeſtellt waren.

Lilienkönigin! Welch' holder Name! Wer iſt ſie? fragte ſeie Wirth, der den gegebenen Auftrag bereits ver⸗ geſſen hatte.

Die Lilienkönigin? Ach, ſie iſt vollendet ſchön! Sie kennen ſie gewiß noch nicht, Ernſt? Der gekrönte Poet hat ihr den Titel gegeben, ſagte der franzöſiſche Prinz.

In einem Sonnet, welches augenblicklich dadurch bekannt

Chandos. Roman von Ouida.

wurde, daß es mit der Bezeichnung:nicht für die Oeffent⸗

lichkeit verſehen war. Wenn Sie wollen, daß eine Neuigkeit wie ein Blitz durch ganz Europa fährt, ſo ſagen Sie flüſternd, ſie ſei ein Geheimniß, deſſen Entdeckung unfehlbar Ihren Untergang herbeiführen würde, bemerkte Trevenna, der ſelbſt in Geſellſchaft von Herzögen und Pairs keine Minute ſchwei⸗ gen mochte.

Doch wer iſt die Lilienkönigin? Vermuthlich eine neue Tänzerin! Wir haben nichts Gutes in den Couliſſen.

Eine Tänzerin? Nein! Sie iſt Ivors Tochter.

Ah, ich erinnere mich, ſie geſtern geſehen zu haben. Tis Lilienkönigin nennt Ihr ſie? Der Name iſt ein

dyll.

Ach! rief der Herzog von L. und fügte ein Wort hinzu, das die Mitte zwiſchen einem Fluch und einem Aus⸗ druck des Bedauerns hielt,ſie iſt viel zu ſchön!

Zu ſchön! Welch' ein entzückender Tadel! Die Frauen laſſen ſich im Allgemeinen das Gegentheil zu Schulden kommen, mein lieber L.

Zu ſchön denn ſie iſt Eis!

Suchen Sie niemals Fehler an jenen Weſen heraus, alter Freund. Mögen wir im Stillen glauben, daß die zarten Kleinode irgendwo einen Sprung haben, allein laſſen wir ebenſo wenig einen Zweifel an ihrer Aechtheit, wie an der ihres Dresdener Porzellans laut werden.

Und doch iſt jenes Fabrikat nichts als glaſirte und be⸗ malte Erde! rief Trevenna, indem er ſeine Uhr hervorzog. Sie trugen mir auf zu erforſchen, wohin ſie heute Abend ginge. Um neun Uhr ſpeiſte ſie beim franzöſiſchen Geſandten, zu Mittag um zwölf erſchien ſie im Livingſtone⸗Haus, eine Stunde ſpäter war ſie in Lady Bellinghams Geſellſchaft und jetzt, fünfundfünfzig Minuten nach ein Uhr, iſt ſie bei der Gräfin Des Vaux.

Sind Sie im Stande Alles ausfindig zu machen, Monſieur Trevenna? fragte lachend der franzöſiſche Herzog.

Trevenna betrachtete ihn mit einem gewiſſen ubermüthig. unverſchämten Triumph in ſeinen kühnen, hellblauen Augen ſie waren hellblau wie Vergißmeinnicht und ſcharf wie eine Meſſerſchneide.

Ja, Monſeigneur wenn es mir gefällt.

Die Antwort war eine ruhige und bei Trevenna ein Wunder, nicht in ſcherzendem Ton gehalten. Der Prinz betrachtete ihn mit einem ernſteren Blick als er ihn dieſem Hläneure und engliſchen Clubbeſucher jemals hatte zu Theil werden laſſen.

Zehn gegen Eins gewettet, wird er Erfolg haben und

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herrlicher Chandos, der den Genius eines Göthe beſitzt, ſein Leben durch übertriebene Genüſſe vernichtet, oder ſich einer untreuen Geliebten halber längſt getödtet hat, dachte der Franzoſe, ein ſcharfſichtiger Weltmann, indem er ſeine Blicke von Trevenna's friſchem Geſicht mit dem ſcharfſinnigen, unverſiegbar lebendigen Aus⸗

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druck auf die ſtolze, ſtrahlende Schönheit ſeines Wirthes

richtete, deſſen Augen ſpielte.

Wollen wir ſammt und ſonders zu Lady Des Vaux gehen, um die Lilienkönigin zu ſehen, Chandos? fragte der Herzog von Neuilly.Man wird nicht an ſie glauben, ehe Sie ein Urtheil des Beifalls über ſie gefällt haben.

Prinz Carl willigte ein; man gab das Spiel auf und eilte nach den mit Menſchen angefüllten Sälen der Gräfin, einer der großen Führerinnen der politiſchen Welt, welche ihre Tage in dem hohen Glauben zubringen, daß Cabinete ſtürzen und Conſtitutionen untergehen, ſobald ſie die Boudoir⸗ Conferenzen einſtellen, welche ihrer Partei den Schutz der Vorſehung ſichern und Europa über einer Schaale Thee zu⸗ ſammenhalten.

Dort iſt ſie! ſagte Neuilly, als ſie auf der Treppe anlangten, die immer noch von Gäſten wimmelte.

Chandos blickte durch die lange Reihe erleuchteter, ge⸗ öffneter Gemächer, bis er ein Mädchen entdeckte, das ſo lieb⸗ lich war, wie die Lilien, nach denen man es benannte.

Sie war ſchön wie ein junges Reh, dieſe engliſche Pa⸗ tricierin und beſaß eine ſtolze Grazie, welche an die einer Hindin erinnerte. Ihre Augen tiefbraun, groß und gedanken⸗ voll waren von Wimpern verſchleiert, deren Farbe noch einen Schatten dunkler ſein mochte; ihr Haar, ſchwarzbraun wie die Augen, war in leichten Wellen von der griechiſchen Stirne zurückgekämmt. Die Lippen, ſanft und anmuthig geformt, glichen an Friſche einer halberſchloſſenen Roſe; ihre Geſtalt ging über die gewöhnliche Größe hinaus und war von vollen⸗ detem Ebenmaaß.

Ihr behauptet, ſie ſei kalt! Solche Schönheit kann un⸗ möglich leidenſchaftslos ſein! ſagte Chandos.

Als hätte ſeine Stimme den weiten Raum, der zwiſchen ihnen lag durchdrungen und ihr Ohr erreicht, wandte ſie in demſelben Augenblick den Kopf um und ihre Blicke begeg⸗ neten ſich.

Zarte Korallenzweige klammern Welttheile aneinander, ſchwache Epheuranken die ein Kind zerreißen könnte, umſchlin⸗ gen normäniſche Mauern mit eiſernen Armen; ein kleiner Ring ein goldenes Spielzeug bildet ſtärkere Feſſeln, als die des Galeerenſclaven und der Blick einer Frau vermag ein Leben auf ewig in Bande zu ſchlagen.

Ohne Leidenſchaft mit ſolchen Augen? Unmöglich! flüſterte Chandos.

Oh nein, ſie mag zwei Leidenſchaften und dazu ſtarke beſitzen Eitelkeit und Ehrgeiz! erwiederte der Herzog C. in trockenem Tone.

Schämen Sie ſich, ſagte Chandos lachend.Sprechen Sie niemals wegwerfend von den Frauen. Es heißt Schmetterlinge rädern und Feldſtücke auf Colibris abſchießen. Mögen die Fehler der Lilienkönigin ſein welche ſie wollen, ſie iſt hold genug uns dieſelben vergeſſen zu machen.

Près des femmes que sommes-nous?

Des pantins qu'on ballotte!. rief lachend der Herzog von Neuilly.Madame de la Vi⸗ varol beobachtet Sie und ſieht ſchon eiferſüchtig aus, Ernſt.

Ich hoffe nicht, mon prince. Eiferſüchtige Frauen ſind mir ebenſo unangenehm wie eine häßliche. Wenn ſie die Worteauf immer zu flüſtern beginnen, geben ſie meiner Liebe den erſten Stoß, erwiederte Chandos mit ſeinem me⸗ lodiſchen Lachen, in dem keine Spur von Beſorgniß lag. Wie Göthe habe auch ich ſtets gedacht, das liebevollſte Herz ſei daran zu erkennen, daß es nicht einmal, ſondern oft⸗ mals liebt.

Bei dieſen Worten bahnte er ſich in Geſellſchaft der beiden Herzöge, die nicht von ſeiner Seite wichen, den Weg zu der Vra des Hauſes.

in einem dunkeln Glanze ſchim⸗ merten, während ein ſorgloſes Lächeln ſeinen Mund um⸗

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