Jahrgang 
4 (1867)
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785 Chandos.

Ein leichter Schatten fuhr über Chandos' Züge: er

hatte das veränderliche, leicht erregbare Temperament einer poetiſchen Natur und im Gegenſatz lu der heiterſten und zügelloſeſten Laune ſah man ihn zuweilen gedankenvertieft, ja ſelbſt ſchwermüthig.

Trevenna verließ ſeinen Platz.Ich muß gehen, ſprach er.Draußen wartet ein Heer armer Teufel als: Handwerker von Schriftſtellern, Handwerker von Juwelieren;

Milton's, berühmte und zungenfertige Schneider; Verkäufer von zerſprungenen, antiken Kunſtgegen⸗ ſtänden, Dichter ſchadhafter Novellen doch Verzeihung; ich vergaß mich! Dies iſt nicht der Ort, wo man über das Genie in einem ſchäbigen Rocke lachen darf!

Nein! Le Sage in ſeiner Manſarde beſaß nicht einmal einen ſolchen, als er das Gold zurückwies, mit dem der Mil lionair ihn beſtechen wollte. Tout compte fait, je suis plus riche que vous, et je refuse!

Und Sie finden dies erhaben? Die Wahrheit bekennen und Hungers ſterben? Bah! Ich hätte den Wechſel genommen und hinterdrein ein zehnmal beißenderesTurearet geſchrieben! Doch Chandos, Ihr Sprechzimmer iſt ebenſo gedrängt voller Menſchen, wie es das eines Cheſterfield oder Halifax vor hundert Jahren war.

Unſinn! Heutigen Tages iſt es nichts mit der Gönner⸗ ſchaft: ein Mann bringt ſich ſelbſt empor.

Verzeihen Sie, nicht er, ſein Geld thut es! Beſitzt er es in Menge, ſo kann er damit alle ſeine Fehler der Geiſtes⸗ armuth, der Unwiſſenheit und ſelbſt ſeine ſittlichen Mängel bedecken und ſich über dieſelben himmelhoch emporſchwingen. Sie unterhalten alſo den jungen Montroſe in Oriel?

Wie war es Ihnen möglich, dies zu entdecken? Er iſt ein Knabe von großen Fähigkeiten und der Beſuch der Uni⸗ verſität wird ihm wacker vorwärts helfen.

Auf Ihre Koſten! Geldausgaben, um blutarme Burſche ſtudiren zu laſſen! Giebt es nicht auch eine Großmuth à la Don Quixote, Chandos?

Und giebt es nicht auch einen übertriebenen Dienſteifer, Trevenna? Die Zurechtweiſung war eine gelinde und Tre⸗ venna nahm ſie mit der beſten Laune hin.

Ein zarter Vorwurf, monseigneur! Wohlan, welche Befehle haben Sie mir heute zu geben? Hinſichtlich jener Genrebilder weiß ich, was ich zu thun habe. Ich will ſo⸗ eben nach dem Corner gehen, um zu ſehen, wie die Wetten ſich für uns geſtalten. Die Smaragden überſandte ich Made⸗ moiſelle Flora und beneidete ſie ihr aus Grund meines Her⸗ zens. Auch habe ich mich um die Vergrößerung des Rauch⸗ zimmers in der Anadyomene bekümmert. Was wäre außer⸗ dem noch zu thun?

Ich wüßte nichts, mein lieber Junge; danke herzlich! Doch wie ich höre, ſind in der Vere⸗Gallerie einige gute Gemälde; wenn Sie die Mühe nicht ſcheuen, könnten Sie dieſelben anſehen und ſie kaufen, ſalls ſie wirklich ſchön ſind. Auch ſagen Sie mir, in welchen Geſellſchaften die Tochter Ivors enne Nacht erſcheinen wird; ſollte es Ihnen möglich ſein dies zu erfahren. Ich ſah nie ein ſo liebliches Geſicht und doch fehlt ihr, wenn ich nicht irre, eine Eigenſchaft, welche bloße Schönheit übertrifft. Rahel hat keine vollendeten Formen, aber ſie beſitzt einen innewohnenden Zauber, dem Sie nicht zehn Minuten widerſtehen könnten.

Nach dieſem, der Anziehungskraft jener großen Schau⸗ ſpielerin dargebrachten Tribut, begann Chandos die zahlloſen zierlichen, duftenden Brieſchen mit zarten Frauenhandſchriften, welche einen kleinen Tiſch bedeckten, zu durchleſen, während Trevenna hinausſchlenderte. Als er ſchon die Thüre hinter ſich geſchloſſen hatte, öffnete er ſie wieder, ſteckte ſeinen Kopf in's Zimmer und fragte:

Mein Pferd derſunchie ſich auf dem abſcheulichen Stein⸗ haufen in der Boltongaſſe das Bein; darf ich eins aus Ihrem Stalle benutzen?.

Mein lieber Trevenna, welche Frage! Es verſteht ſich von ſelber, daß meine Pferde die Ihrigen ſind.

Und John Trevenna ging an ſeine Tagesarbeit. Er nannte ſich einen Geſchäftsmann, doch ließ ſich ſchwer feſt⸗ ſtellen, worin ſeine Thätigkeit beſtand; abgeſehen davon, daß er der erſte Geſchäftsführer des Hauſes Chandos war und

Roman⸗Magazin des Auslandes. 1867. Lief. 4. 2.

Roman von Ouida. 786

alle Neuigkeiten kannte, ehe noch andere Menſchen von ihnen flüſterten.

Doch wie die Sache ſich auch verhalten mochte, Tre⸗ venna betrieb ſeine Arbeiten auf die heiterſte Weiſe, ging mit größter Luſt an alles was er zu thun hatte, und unter⸗ hielt die Menſchen ſo vortrefflich, daß ſie ſich ſtets aufgelegt fühlten, ihn gaſtlich zu empfangen.

Zwölf Jahre waren verfloſſen, ſeit ein junger, armer Engländer in einer heißen Sommernacht zu Baden mehr Geld verlor, als er in ſeiner Börſe oder überhaupt auf Erden hatte. Die Bank zog ihn ein und er hatte die Aus⸗ ſicht in einem deutſchen Gefängniß zu ſchmachten, die Beute ſeiner Schuldner, denen er nicht gerecht werden konnte. Auch gab es Keinen, der ihn auslöſen konnte, denn ſo viel der Gefangene wußte, hatte er auf der weiten Welt nicht einen einzigen Freund. Ein anderer junger Engländer erfuhr den Vorfall, als er der Zauberin des Spiels eben ſeine Gold⸗ opfer brachte. Er bezahlte die Schuld und erlöſte den Ver⸗ hafteten. Der Jüngling war Chandos von Clarencieux. Die letzte Verlegenheit, von welcher der ſchlaue Trevenna ſich hatte überraſchen laſſen, wurde das Mittel zu ſeinem erſten Erfolg in der Geſellſchaft. Sein jugendlicher Wohlthäter begnügte ſich nicht damit, ſeine Dienſte in dem Gefängniß des Groß⸗ herzogthums zu beginnen und zu enden, ſondern er machte den Befreiten zuweilen zum Geſäxrten des glänzenden Lebens, das er ſelber in der Mitte von Kaiſern, Fürſten, Prinzeſſin⸗ nen und Aspaſien führte, ließ ihn an ſeiner Seite in den ergötzlichen Strudel der übertriebenen Vergnügungen tauchen, welchen man dieBadener Saiſon nennt. Es ge⸗ währte ihm die größeſte Freude, ſich all, jenen Dingen neben einem Altersgenoſſen hingeben zu können, zumal dieſer der Erſte war, welcher ihm mit gutmüthiger Offenheit die Wahr⸗ heit ſagte und ihn nie de Schmeichelei langweilte. Seit ſeinem Zuſammentreffen mit Chandos, hieß die elt Trevenna willkommen und nahm ihn als eine Art geſellſchaftliches Trieb⸗ rad in ihren Schutz.

Er war ein Mann von Vorrechten. Ein Jeder weiß, welche unbegrenzten Freiheiten dieſer Begriff in ſich ſchließt. Chandos, der Held des Tages, gefiel ſich darin, Trevenna gute Dienſte zu leiſten, i oft ſich ihm die Gelegenheit dazu dot und die Welt hätſchelte Trevenna, weil Chandos ſein Freund war. Man fand ihn ungeſchliffen, ja zuweilen rauh und grob, allein er war offenherzig, hatte eine unzerſtörbar gute Laune, verſtand in wahrhaft bewunderungswürdiger Weiſe Väſrchen zu erzählen und beſaß einen ſo ſcharfen, ächten Witz, daß er beim Weine füglich die Stelle der Oliven und Anchovis vertreten konnte. Was war alſo natürlicher, als daß er erſcheinen mußte wo man trank? Herrſchte Einförmigkeit in einem Pallaſt am Strande von Monaco oder Baiä, drückte gegen Ende der Saiſon Mangel an Neuigkeiten die Mitglie⸗ der eines heißen Clubzimmers nieder, ſchleppte die Unterhal⸗ tung an einer ariſtokratiſchen Mittagstafel ſich mühſam vor⸗ wärts, oder ſchlief ein Herzog inmitten einer großen Geſell⸗ ſchaft vor Langerweile faſt ein, ſo gab das ſtrahlende Geſicht Trevenna's mit ſeinen weißen Zähnen, die ein friſches, offenes Lächeln deigten, das Zeichen Kigenblaticher Ereichterung und heiterer Anregung. Der Grund dieſer Wirkung lag in dem Umſtand, daß er an unerſchöpflichem Frohſinn ſtets derſelbe war und den Eindruck machte, als betrachtete er das Leben als das unterhaltendſte aller Schauſpiele, die jemals aufgeführt wurden.

Lachend hatte John Trevenna ſeinen Schritt in die Welt Pchan. lachend behauptete er darin ſeinen Standpunkt. Chandos theilte keiner Seele die Schuldangelegenheit aus Baden mit, allein Trevenna erklärte ſich freimüthig für einen armen Mann. Ohne die Menſchen durch Wiederholung dieſer Thatſachen zu langweilen, ſtellte er dieſelbe unverholen ein für alle Mal feſt. Durch Betheiligung an Pferderennen er⸗ warb er einiges Geld und vermehrte es dann und wann durch einen ſcharfſinnigen Zug im Hazardſpiel des Handels, ein Spiel das die Welt rechtfertigt. Niemand hatte indeß eine Ahnung von dieſen ſeinen Beſchäftigungen. Er war einfach ein Allerwelts⸗Mann. Seine Ausgaben beſchränkten ſich auf

Weniges. Er war zu jedem Mittagseſſen ſeines Lebens aus⸗

gebeten und huldigte keinen Laſtern. Trotz ſeiner epicuräiſchen 1. 50