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Schmarotzer willfahrten ſeinen Launen, ohne ihm Schranken
zu ziehen oder ihm zu widerſprechen. Zu Eton, wo er den Beinamen des„Dauphin“ führte, überflügelte er alle ſeine Mitſchüler, gab die erleſenſten Champagnerſrühſticke und hatte einen Herzog zum ergebenen Diener. Mit ſiebenzehn Jahren war er ſein eigner Herr. Groß, wie er eleße hatte, ſtarb ſein Vater nach einer ſeiner herrlichſten Reden; ſtarb ohne Kampf und Seufzer auf dem Höhepunkt ſeiner glänzenden, kühnen Laufbahn, als Führer einer politiſchen Partei. Des Knaben Kummer war tief, leidenſchaftlich und von langer Dauer, denn er hatte ſeinen Vater und den Ruhm dieſes Vaters abgöttiſch geliebt. Auf eigenen Wunſch entſagte er ſeinen Studien und ging in's Ausland. Sein Großvater von mütterlicher Seite, der Herzog von Caſtlemaine, ein alter Soldat und Staatsmann aus den Zeiten der Regentſchaft, war ſein einziger Vormund; ſeine Mutter ſtarb ſchon vor mehreren Jahren. Er hatte volle Freiheit, zu thun was er wollte, und benutzte dieſelbe zu einem vierjährigen Aufenthalt in der Fremde. Hauptſächlich verlebte er dieſe Zeit im Oſten. Das Leben ſchien entſchloſſen, ihm zu huldigen und ihn zu verderben, denn nach einer Jugend, die er von unbegrenzter Zärtlichkeit gehegt, von vollſter Freiheit getragen durchlebt hatte, öffneten h ihm die poetiſchen, ſinneberauſchenden, entnervenden Ge⸗ nüſſe der morgenländiſchen Nationen und als er denſelben entgangen war und ſeine Heimath aufſuchte, machte die vor⸗ nehme Welt ihn zu ihrem Ideal. Seine Schönheit, ſein länzender Geiſt, der ſich halb launenhaft, halb nachläſſig in Nlendendem jenx d'esprit zeigte, die Großmuth, mit welcher er jedem, der darum nachſuchte, ungezähltes Gold ſpendete, ſowie die Pracht ſeiner Feſte, bildeten das Geſpräch der er⸗ leſenſten Kreiſe. Er war der Komet am Horizont der großen Welt; die Männer führten ſeine Ausſprüche echoartig im Munde und die Frauen gewann er, ſobald er ihnen Liebe bewies. Sie waren es, die ihr Aeußerſtes gethan hatten, um ihn von Kindesbeinen an zur Eitelkeit zu verleiten und nur ſeine Charakteranlagen ſchützten ihn vor jenem Fehler. Um ſeine perſönliche Schönheit machte er ſich ſo wenig Gedanken, als um die Luft, welche er athmete.
Er war Verfaſſer einiger Romane und Gedichte, Geiſtes⸗ produkte voller Gluth, Glanz und Phantaſie, die, wenngleich ſie die Grenzen der Kunſt zuweilen überſchritten, doch den Stempel jener ungeſuchten Schönheit trugen, welche den Schriftſteller und Künſtler von Gottes Gnaden bezeichnet. In Paris und London fanden ſeine Werke begeiſterten Bei⸗ fall und ſo kam es, daß ſein Ruhm ein zweifacher ward. Einladungen zu ſeinen Feſten ſchätzte man mehr, als diejenigen zu Windſor und den Tuillerien, denn bei letzteren gab der Rang den Ausſchlag, während in erſteren eine weit feinere und höhere Auszeichnung lag, denn ſie bedingten, daß derjenige, welcher ſie erhielt, ein Mann des Tages war.
Er beſaß ein bedeutendes Vermögen; die Güter der
errſchaft Clarencieux gehörten zu den erſten in England. 35 Parklane hatte er ein Haus, in den Champs⸗Elyſées ein
ötel, zu Richmond eine zierliche Villa, am Bosporus einen Sommerpalaſt. Doch mehr als alle ſeine übrigen Ausgaben, ſo hoch ſie ſich auch beliefen, betrugen die Sumnmen, welche ſeine Freigebigkeit ihn koſtete, an die ſich Niemand vergebens wandte, die er im Gegenſatz zu allen Handlungen ſeines Lebens geheim hielt, um Menſchen von Talent eine ſchöne Bahn zu eröffnen oder ſie— mit ungeſehener Hand— aus dem Sumpf der Armuth emporzuziehen; eine Freigebigkeit, die, wenn er ſich gezwungen ſah, ſie öffentlich zu üben, von einem Zauber bnheite war, der alles Demüthigende der Gabe bannte.
Es war zwölf Uhr, als er in ſeinem Ankleidezimmer, das mit zahlloſen Blumen, ruſſiſchen Schränken und himmel⸗ blauen Vorhängen verſehen, ein paſſender Aufenthalt für eine Prinzeſſin geweſen wäre, ſeine Chocolade trank. Weibliche Schönheit und Blüthendüfte waren, wie Mahomeds ſchwache Seite auch die ſeinige. Er war ein Mann mit dem Gemüth eines Dichters und dem Auge eines Malers,— ein Umſtand, der jede Verſuchung zu einer doppelten macht.
Eine Stimme von lebendigem, friſchem Klang ließ ſich hören und John Trevenna eilte in's Zimmer, indem er einen Diener leicht aus dem Wege ſchob.
Chandos. Roman von Ouida.
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„Nun mein lieber Junge? Es freut mich, Sie zu ſehen! Kommen Sie dui Frühſtück?“
„Frühſtück? Ich hab' es ſeit ſechs Stunden eingenom⸗ men und ſrither eine Unmaſſe von Geſchäften erledigt. Wir armen Teufel ſind, wie Sie wiſſen, genöthigt zur Mittags⸗ zeit in den Straßen umherzulaufen und nur Ihr grands seigneurs könnt müßig im Schatten liegen. Pfirſiche, Trau⸗ ben, Chocolade und Claret zum Frühſtück! Welch' franzöſi⸗ ſcher Geſchmack! Das Volk würde Sie für kein friedliches Mitglied der menſchlichen Geſellſchaft halten, ſetzte es nicht voraus, daß Sie die altherkömmliche, halbrohe Hammelrippe und Speckſchnitte äßen, welche eine tugendhafte Aehnlichkeit mit Schuhleder beſitzen. Ich möchte wohl wiſſen, was Sie thäten, wenn Sie ein armer Mann wären, Ernſt?“
Chandos lachte und ein Schander durchfuhr ihn. Was ich thun würde? Mich durch eine Doſis Morphium ein⸗ ſchläfern, um nie wieder zu erwachen. Arm! Ich kann nicht einmal den Gedanken faſſen!“
Trevenna lachte, indem er ſich in den weichſten Lehn⸗ ſeſſel warf. Er wußte, was Armuth war; hatte ſie in ihrer häßlichſten, ſchwärzeſten Geſtalt kennen und mit unausſprech⸗ lichem, doch vollſtändig gerechtfertigtem Haß betrachten gelernt, denn ſie iſt einer der grimmigſten Feinde des Menſchenge⸗ ſchlechtes, eine Schlange, die das Talent erſtickt, ehe es ſich entfaltet, die das Genie erdrückt, bevor es ſich aufſchwingen kann, ein böſer Geiſt, der aus edlem Saamen eine böſe Erndte zeitigt.
„Trevenna,“ fuhr Chandos fort, indem er nach einem Treibhauspfirſich langte,„wer war die neue Schönheit in der geſtrigen Geſellſchaft beim Herzog? Ich kenne nichts Lieblicheres.“
„Die Saiſon hat zwanzig neue Erſcheinungen, die ſämmt⸗ lich ſchön ſind— nach ihrem eigenen Urtheil wenigſtens. Erklären Sie ſich gefälligſt etwas deutlicher.“
„Sie kam in Begleitung der Cheſtertons und iſt wahr⸗ haft ſchön— ſchön wie jene Giorgone. Eine Menge Men⸗ ſchen umringten ſie. Ich hätte nach ihrem Namen fragen und mich ihr vorſtellen ſollen, allein mir fehlte die Zeit felbſt ihretwegen zu bleiben.“
„In Begleitung der Cheſtertons? Nun, ſie wird jeden⸗ falls die Tochter Ivor's ſein.“
„ Jvor's? Starb er nicht im vergangenen Jahr, weil ſeine Guineen in einer franzöſiſchen Spekulation verloren gingen? Wie kommt es, daß ich ſie nicht früher geſehen habe?“
„Weil ſie in Rom lebte. Sie iſt die Heldin des Jahres; um ſie und um keine Andere wird ſich die Aufmerkſamkeit drehen. Man ſchwärmt in der Zeitung von ihr und die Garde hat ihr Augenmerk auf ſie gerichtet. Sie werden ſie morgen bei den Des Vaux ſehen. Ich bemerkte, daß Sie ge⸗ ſtern auf ſie achteten und auch die Gräfin ſah es. Sie iſt entſetzlich eiferſüchtig. Nehmen Sie ſich in Acht, daß Ihnen kein à la Brinvilliers durchduftetes Briefchen in die Hände kommt. Ich möchte wohl wiſſen, was Madame thäte, wenn Sie ſich verheirathen wollten?“
„Sie würde ihre hübſchen Achſeln zucken, mein Weib be⸗ mitleiden und mich tröſten. Doch ich werde ſie niemals in eenk verſetzen, wenn ich nicht etwa nach zwanzig Jahren aus Mangel an beſſerer Beſchäftigung und uuszeſeß daß ich mein Urbild von einer Frau gefunden habe—“
„Welch' eine ungereimte Idee, ſich nach einem Ideal zu ſehnen, wenn man nur die Hand ausſtrecken darf, um reale Erſcheinungen ſein zu nennen! Dies heißt, das Weſen der Subſtan vorziehen. Was verlangen Sie, das Flora und alle die Uebrigen nicht beſäßen?“
Chandos lachte und ſtreckte ſich ſeiner ganzen Länge nach in die Kiſſen ſeines Sophas.„Mein theuerſter Trevenna, es hieße arabiſch reden, wollte ich Ihre Frage beantworten. Sie würden den Sanskrit ſchneller begreifen, materiellſter aller Männer!“
„Ich halte mich allerdings an die Wirklichkeit und ſehe die Dinge in einem andern Lichte als Sie es thun, doch wir wollen abwarten, wer von uns beiden am beſten fährt— ich, ein Mann der groben Genüſſe oder Sie, der Idealiſt. Sie haben unendliche Vortheile auf Törer Seite und es wird mir alle Ehre machen, wenn ich Ihnen den Vorrang in irgend einer Weiſe ablaufe.“
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785 —
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zehn M . Na ſpielerin


