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781 Chandos. Roman von Ouida. 782
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„Galahad wird gewinnen, wenn man ihm die Erlaub⸗ niß dazu giebt,“ ſagte Chandos.„Ich möchte ihn ſelber reiten; wie würde er die Rennbahn durchlaufen! Aha, Flora iſt auf dem Balcon; ſie ſind uns zuvorgekommen.“
„Ich wollte, die Frauen wären überhaupt nicht da,“ rief Trevenna.„Man ſollte ſie niemals zum Mittag laden. Erſt mit den Oliven müßten ſie erſcheinen. Wer kann die zarten Abſtufungen einer duftenden Speiſe würdigen, wenn er ſich genöthigt ſieht, auf eine Höflichkeit zu antworten und Niemand vermag darüber zu ſtreiten, ob ein Gericht zu ſehr gekocht iſt, wenn er nebenbei über die ſchönen Fleiſchtinten eines lebenden Bildes an ſeiner Seite Betrachtungen anſtellt. Die Gegenwart eines Weibes verwirrt den kühlen, ur⸗ theilenden Verſtand und vermindert jene heitern, himmliſchen Segnungen, welche ein Mittagsmahl begleiten ſollten.“
„Läſterer!“ rief Chandos.„Als ob ein Hauch zarter Lippen die ganze Wiſſenſchaft Brillat⸗Savarin's aufwöge! Welchen Dußt hätte der Wein, wenn nicht Frauenaugen über ihm lächelten! Sie König der Epicuräer! Ich glaube, Sie begeiſtern ſich für einen Vitellius und hängen Pauſanias nach dei Tage von Mycale, weil er früher die ſpartaniſche Suppe einführte.“
„Jedenfalls. Ein Mann, welcher die Köche des Xerxes gefangen nehmen konnte, ohne ſich ihre Kunſt zu Nutze zu machen, verdient geradezu den Galgen. Caréème erzeigte Frankreich nachhaltigere Wohlthaten als Turenne, und Ude hat mehr für die Welt gethan als Napoleon. Ich hätte lieber der⸗ jenige ſein mögen, welcher ausfindig machte, daß man einen Lrndhahn mit Trüffeln füllen müſſe, als der Sieger der Schlacht bei Auſterlitz. Ihr Held wird falſch beurtheilt, zu hoch oder zu gering geſchätzt,— verläumdet oder weißge⸗ brannt, je nachdem es den Menſchen gerade gefällt; allein der Erfinder einer vollendeten Brühe hat hienieden nichts zu fürchten. Sein Werk ſpricht für ſich ſelber, ſeine Richter ſind zugleich ſeine Apoſtel, die ſeinen Namen niemals nennen ohne ihn zu ſegnen. Vergegenwärtigen Sie ſich noch zu alledem die Befriedigung, welche ein Weltbürger— eine liebens⸗ würdige Perſönlichkeit meines Schlages— bei der Vorſtel⸗ lung fühlen muß, ſelbſt künftigen Geſchlechtern Wonne zu ereiten.“
„Eine erhabene Apotheoſe der Gaſtronomie!“ rief Chan⸗ dos lachend, während er vor der Thür einer Sommervilla in Richmond anhielt und ſeinem Reitknecht die Zügel zuwarf. Das Haus, ſein Eioenthum⸗ worin er die meiſten ſeiner Mittags⸗ und Abendgeſellſchaften à la régence gab, war ein zauberhaftes Gebäude inmitten blühender Bäume und Pyra⸗ miden von Maiblumen. Seine Fenſter geſtatteten Durchblicke auf Wald und Waſſer und es enthielt den zierlichſten, trau⸗ lichſten Banketſalon mit Draperien von ſcharlachrother Seide, die hin und wieder zurückgeſchoben waren, um das ſchöne Bild einer Frau, gemalt von Titian, Greuze, Regnault oder La Tour zu zeigen. Einſchläfernde Weihrauchdüfte durchzogen den Raum und ein ſanftes, gedämpftes Licht beleuchtete Weine und Speiſen, welche Lucullus in Staunen verſetzt haben würden, hätte er auf ſeinem elfenbeinernen Stuhle hier gethront.
In dieſer Villa feierte man dem Gerücht 3u3h rgien, die an Wildheit denen von Medenham und Buſſy Näbutins „Abtei“ gleichkamen, doch diejenigen, welche am genaueſten zu ſagen wußten, was hier möglicherweiſe geſchah, waren natürlich nie durch die Thüren der Villa gegangen! Die Welt gefiel ſich darin, ihren Geſchichtchen einen bedenklichen Anſtrich zu geben und erzählte ungeheuerliche, garſtige Dinge von dieſem Zauberſchlößchen, das in Akazien, blühenden Kaſtanien und Gelderroſen verſteckt lag; von dieſem Schmuckkäſtchen, in deſſen Innern Schönheiten, welche alle juwelengeſchmückten Frauen des Hofes verdunkelten, die frühe Morgendämmerung des jungen Sommers mit hellem Lachen begrüßten.
„Die Kunſt des Lebens iſt— Genuß!“ rief Chandos an dieſem Abend, indem er, um den ausgeſprochenen Gedanken zu weihen, ein großes Glas gluthrothen Rouſſillons emporhob.
„Ein Trinkſpruch, der Lucull und Ovid Ehre gemacht häte Sie ſind ein Meiſter jener Kunſt!“ erwiderte John
revenna, welcher vielleicht der einzige aller verſammelten
Männer war, dem die berauſchende Atmoſphäre der Räucher⸗
kerzen, des Weines, der künſtlichen Wohlgerüche, der zer⸗ *
drückten Blumen und angebrochenen Früchte, ſowie die Gegen⸗ wart glänzender Haarflechten, ſchmachtender Augen und Lippen, wie die Hymnen eines Catull ſie feiern, nicht im Mindeſten den Blick umnebelt hatten.
„Er iſt der Liebling der Götter!“ rief Flora de l'Orme, eine ſtrahlende Arleſerin, mit ſchmelzenden Augen und mit Wangen, wie die des Pfirſichs, wenn die Sonne auf ihm glüht.„Er iſt der Liebling der Götter!“ rief ſie, während ſie über Chan⸗ dos gebeugt, eine Arabeske von dunkelrothen, mit purpurnem Burgunder beſprengten Roſen in ſein üppiges, langes blondes Haar ſchlang.
Er ſchüttelte die Tropfen aus dem Kranz, beugte ſich vor und küßte unter ſeinem Blumendiadem lächelnd das ſchöne Kind des Südens. Die Roſen ſtrahlten nicht heller und glühender als dieſe Stunden ſeines Lebens.
Goldene Summe des Erdendaſeins! Höchſte Wahrheit, die Fauſt ausſprach, als er ſagte, daß der Philoſoph nicht behaupten könne, das Glück zu kennen, ehe er zum eilenden Augenblick geſprochen habe:
„entfliehe nicht, Du biſt ſo ſchön!“ Wenn wir die Blicke in die Vergangenheit oder Zukunft ſchicken, hat die Schlange ſich ſchon durch unſer Eden geſchlichen.—
Vor zwanzig oder mehreren Jahren hemmte der große Miniſter Philipp Chandos einſt ſeine Schritte vor dem ge⸗ malten Bogenfenſter der Bibliothek ſeines ſtattlichen Schloſſes Clarencieux, das tief in den Wäldern Devonſhires lag,— in den Wäldern, wo das Hochwild hauß und der ſchwarze Adler im Lichte des Sommertages über den ſtolzen, epheu⸗ umgrünten Thürmen kreiſt. An jenem Bogenfenſter ſaß ſein junger Sohn und ſann mit der ganzen Liebe und dem treuen Glauben eines Kindes über der unſterblichen Geſchichte Ar⸗ thurs. Die Arme des Knaben ruhten verſchränkt auf den Seiten des Buches; ſein Kopf war in traumhaften Gedanken leicht vorgebeugt und über ſein Geſicht zog ein Ausdruck, wie ihn das jugendliche Bildniß Miltons zeigt.
Der Vater berührte die Schulter ſeines Kindes.„Was ſinnſt Du, Ernſt?“ Leicht zuſammenfahrend antwortete der Kleine:
„Ich überlege, was ich ſein werde, wenn ich das Mannes⸗ alter erreicht habe.“
„In der That? Und was wirſt Du dann ſein?“
Zunächſt Chandos von Clarencieux.“
Seine Miene hätte keine ſtolzere ſein können, wären die Worte„Auguſtus, Imperator!“ über ſeine Lippen gegangen.
„Und dann?“
„Dann?“ Seine Stimme ſank und ſchwankte von Be⸗ eiſterung beflügelt, indem er ſchneller und mit wärmerem Ausdruck ſagte:„Ich will ein Dichter und Staatsmann werden! In Palöäſten, wie die arabiſchen Märchen ſie ſchildern, will ich meine Unterthanen verſammeln und glücklich machen! Wie König Arthur, werde ich die Schuldloſen vertheidigen, die Schwachen beſchützen und die Menſchen mit Liebe, ſtatt mit Furcht regieren! Ich will meinen Namen ſo hoch erheben — ſo hoch, daß man auf mein Grab nur das Wort„Chan⸗ dos“ ſchreibt und dies Wort der Welt alles ſagen läßt!“
Eine ſeltſame Rede. Der Schein der untergehenden Herbſtſonne fiel voll auf das Geſicht des Knaben und ver⸗ klärte darin den Ausdruck hochfliegender, ſchwärmender Ge⸗ danken, welche ſeinem Alter weit vorausgeeilt waren. Sein Vater beobachtete ihn und ein Etwas, das einem Seufzer glich, entrang ſich den ſtolzen Lippen des großen Miniſters— ein Seufzer um jenen heldenhaften und reinen Ehrgeiz, den die Welt einſt eben ſo ſicher vernichtete, wie eine eiſerne Walze die Frühlingsblumen im Graſe zerquetſcht. Doch ſcheufe er ſich, die ſtolze, heitere Zuverſicht jenes jungen Ge⸗ müthes durch die Warnung zu ſtören, welche ihm auf der Zunge ſchwebte, die Warnung:„Spare Deine Träume für andere Welten, denn hienieden finden ſie keine Erfüllung!“———
„Er iſt der Liebling der Götter!“ ſagte Flora de l'Orme, als ſie die purpurnen Roſen in das Haar ihres Bewunderers ſchlang, und jene Worte waren Wahrheit. Niemals vereinigten Geſchick und Menſchen ſich inniger, um einen Sterblichen mit ihren Gnadengaben zu überſchütten, als ſie es in Hinſicht auf Ernſt Chandos thaten. Als er noch ein in Spiden und Sammet gekleidetes Kind war, ſteckten Fürſten ihm Näſchereien zu, liebkoſten ihn königliche Frauen. Erzieher, Diener,


