Jahrgang 
4 (1867)
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775 Chandos.

Roman von Ouida.

776

Er ſchlenderte, mit ſeinem Augenglas bewaffnet, im

Zimmer umher und betrachtete in einer Weiſe, die einen an⸗ gehenden Auktionator in ihm vermuthen laſſen konnte, alle darin befindlichen Gegenſtände. Endlich unterbrach er ſeine Unterſuchung vor einer Daphne, die von roſenrothen Vor⸗ hängen verdeckt, ſoeben von ihm entdeckt worden war.

Niedliche, kleine Dirne! Ziemlich verlockend; ſieht in dem roſigem Licht faſt lebendig aus; peinlicher Gedanke, daß ſie nur Marmor iſt. Wahrhaftig, ganz allerliebſt!

Ganz allerliebſt? Beſter Junge, laſſen Sie ſolche Worte. Man könnte Sie für einen Londoner Spießbürger halten, der für den Mond ſchwärmt oder für eine Kammer⸗ fungfer, die ein neuer Madegegenſfand in Entzücken verſetzt. Jene Daphne iſt das größeſte Meiſterwerk Couſtous.

Was weiß ich von Meiſterwerken! Ich ſehe nicht den geringſten Unterſchied zwiſchen ihnen und den Gypsabgüſſen, die man für einen Schilling kauft. Jedenfalls ſind letztere dauerhafter. Das Ding dort iſt dennoch allerliebſt, rund, ierlich u. ſ. w.; doch ich gebe keinen Strohhalm für die ganze Kunſt begreife ſie nicht.

Und ſind ſtolz auf Ihr Heidenthum? Nun, ſchon an⸗ dere haben ſich, nur um ſonderbar zu erſcheinen, deſſelben gerühmt.

So iſt es. Ich will lieber der häßlichſte Mann Euro⸗ pa's ſein, als in Gemeinſchaft mit der Menge der Mittel⸗ mäßigen ein ſchlichtes Geſicht beſitzen. Im Munde der Leute, und berühmt ſein, iſt auf ein Haar daſſelbe. Narrenſtreiche erlangen ebenſo gut ihre Unſterblichkeit wie Heldenthaten. Man wird beſprochen; dies genügt. Kann ich kein Alexander ſein, ſo begnüge ich mich mit der Rolle des Diogenes; bringe ich es nicht bis zum großen Manne, ſo werde ich es beim raffinirteſten Mörder bewenden laſſen. Ich ſehe keinen we⸗ ſentlichen Unterſchied zwiſchen beiden. Doch bedenken Sie auch, welche erſchreckenden Summen Sie mit dieſem Puppen⸗ ſpielzeug vergeuden? fuhr Trevenna fort, und unterbrach ſeine Betrachkungen, um mit ſeinem Stock auf die Daphnis zu ſchlagen.

Die einzigen Gegenſtände, welche werth ſind, daß ich Geld für ſie ausgebe. Ich danke Ihnen für Ihre Theil⸗ nahme, mein lieber Trevenna, allein ich bedarf Ihrer Rath⸗ ſchläge nicht.

Die Antwort war zwar in ſanftem Tone gehalten, hatte aber eine leichte Beimiſchung von Gelangweiltheit und Stolz, welche an einem Mann, der von allen Seiten mit Ehrerbietung behandelt ward, nicht überraſchen konnte.

Trevenna lachte heiter. Er war niemals verſtimmt.

Verzeihung! Ich bin ein vorwitziger Burſche und pol⸗ tere heraus, was mir gerade in den Sinn kommt. Es wäre verſtändiger, wenn ich zuweilen an mich hielte. Wer darf es Ihnen verdenken, daß Sie en prince leben? Ich glaube nicht an Entſagung. Wer ſich zur Enthaltſamkeit gezwungen ſieht und behauptet, er bequeme ſich freiwillig zu derſelben, um ſeine Geſundheit zu erhalten, iſt ein Schwindler. Ich geſtehe offen, daß ich die Genüſſe des Lebens liebe, obgleich ich ſie mir nicht verſchaffen kann. Für eine Schildkrötenſuppe könnte ich meine Seele verkaufen. Da fällt mir ein, Mon⸗ ſeigneur, daß wir ein kleines Geſchäft abzuſchließen haben, ehe wir uns an Ihre Tafel ſetzen.

Ein Geſchäft? Abends? Wollen Sie, daß ich mir vor Tiſche den Magen verderbe?

Nein; doch möchte ich durch das Gefühl meine Pflicht gethan zu haben, meinen Appetit ſtärken. Es handelt ſich um Ihre Namensunterſchrift in irgend einer Sache. Legrew will endlich8

Bei meiner Ehre, Trevenna, Sie ſind verabſchenungs⸗ würdig! rief ſein Wirth mit einem heitern, ſorgloſen Lachen. Wie oft haben Sie gehört, daß ich Ihnen vollſtändig ver⸗ traue, Ihnen, der befähigt iſt, enghte Schatzkammer zu ſein, und daß ich nie durch dergleichen langweilige Dinge ge⸗ ſtört werden möchte?

Aber caro mio! bat Trevenna in ſchmeichelndem Tone, die Sache läßt ſich ohne Ihre Namensunterſchrift nun ein⸗ mal nicht beilegen. Wir können keine Pachtcontracte ſchließen, keine Wechſel ziehen oder Ländereien kaufen und Hypotheken eintragen, wenn Sie Ihre Signatur nicht hergeben.

gültigen Zuhörers. Er ſah erſtaunt empor.

Hypotheken! Verſchreibungen! licherude mit ihnen zu ſchaffen haben?

Gelder werden nur gegen Schuldverſchreibungen ausge⸗ liefert; ich führte jene Ausdrücke nur beiſpielsweiſe an, er⸗ klärte der Bevollmächtigte etwas eilfertig.Wir beläſtigen Sie ſo wenig als möglich und begehren jetzt nur Ihre Nae⸗ mensunterſchrift. Vergeſſen Sie nicht, daß die Papiere ſtark gefallen ſind; wir können ohne Ihre Zuſtimmung jene großen Summen nicht übertragen. Laſſen Sie mich nur den Inhalt dieſes Papieres vorleſen; es geſchieht

Verſchonen Sie mich, verſchonen Sie mich! rief der Gebieter dieſes Kunſtpalaſtes im Kleinen. Das verhängniß⸗ volle Gekniſter des Pergaments war ihm verhaßter als das Geräuſch der Klapperſchlange.Smindyrides wurde von Müdigkeit überfallen, als er einen Mann auf dem Felde arbeiten ſah; was hätte er gar beim Anblick eines modernen Documentes empfunden!

Die letzten Worte hhe die Aufmerkſamkeit des gleich⸗

Cas könnte ich mög

Unterzeichnen Sie, und es ſoll Ihnen nie wieder unter

die Augen konunen, bat Trevenna, der die ſchwache Seite eines Charakters, den er lange Zeit zu ſeinem beſonderen Studium gemacht hatte, genau kannte und vorherſah, daß ſein Herr ihm willfahren würde, um ferneren Erörterungen zu entgehen.

Er hatte ſich nicht geirrt. Der Gebieter erhob ſich mit einer langſamen, anmuthigen Nachläſſigkeit von ſeinem Pol⸗ ſter. Die Zuſtimmung war eine matte, faſt weichlich⸗nach⸗ giebige, und doch hätte ein ſcharfer Beobachter behauptet, daß Schwäche nicht ein angeborner Zug im Weſen dieſes Mannes mit der kühnen Stirne und dem Kinn eines Julian war, ſelbſt wenn man ihm eine zu ſtarke Neigung für ge⸗ ſellge Freuden und übertriebene Verfeinerung Souerer durfte.

Halt! Sie haben noch nicht gehört, um was es ſich handelt, unterbrach ihn Trevenna und begann nitt ſcharfer, ſchneller Genauigkeit eine Weiſe, in der er Meiſter war eine gedrängte Ueberſicht des Inhalts der bewußten Papiere zu geben; ſehr harmloſe Papiere, die ſich, wie er ſagte, haupt⸗ ſächlich auf die Verwaltung der unermeßlichen Beſihthümer ſeines Herrn bezogen.

Der Zuhörer folgte ihn: zwei Minuten ohne beſondere Aufmerkſamkeit, dann aber ließ er ſeine Gedanken zu einem Gemälde Ghirlandajo's an der gegenüberliegenden Wand ſchweifen und ſtellte Betrachtungen darüber an, ob Reynolds in ſeiner Schätzung der. unvermeidlichen Schattenmaſſen der alten Meiſter nicht zu weit ginge.

Als Trevenna ſeine kurze, klare Auseinanderſetzung be⸗ endigt hatte, ergriff er ohne Widerrede oder Nachdenken die Feder und ſchrieb mit kühnen, deutlichen Buchſtaben den Namen

Ernſt Chandos auf das Papier. 1

Als ſähe er ihn zum erſten Male ſchreiben, beobachtete Trevenna die feſten und zarten Züge der Hand, die ſchön geformt und weiß wie die einer Frau, durch keinen Ring ge⸗ ſchmückt war, denn Chandos, der Tonangeber der enen Welt, hatte dieſelben als Ueberbleibſel des Barbarismus verbannt.

Ehe noch die Tinte getrocknet war, ſchob er das Papier zurück.Hier mein guter Freund! Vergeſſen Sie nicht, mich in Zukunft mit dergleichen Unſinn zu verſchonen. Wenn meine Geſchäftsführer mich mit jeder Kleinigkeit beläſtigen, thue ich am beſten, meine Angelegenheiten ſelber zu leiten. Ich möchte keinem Advokaten trauen, ohne mich von ſeinem Treiben zu überzeugen, obgleich er, ſobald er darauf aus⸗ ginge, mich zu betrügen, ſeinen Zweck erreichen würde, ſelbſt wenn ich Argusaugen hätte; doch Sie laſſen ſich von keinem hinter's Licht führen. Nebenbei gefragt, haben die neulichen Verluſte bei den Wetten der Rennbahn Sie nicht mitgetroffen, Trevenna?

Freilich; wir alle wurden durch Lord J. mehr oder weniger hineingezogen, aber Sie wiſſen, daß ein armer Schlucker wie ich nicht mehr als Stüber wagen kann.

Ihre unvergleichliche Berechnungskunſt ſchlug alſo wirklich fehl? Ich fürchtete es. Erheben Sie Geld bei

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