Jahrgang 
4 (1867)
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773 Chandos. Roman von Ouida. r 774

Erſtes Buch.

Erſtes Capitel. Pythias oder Mephiſtopheles?

Die Saiſon ſtand auf ihrem Höhepunkt; die Stadt war gefüllt. Der Tod hatte zwar ſeine Lücken in die frühere Zahl geriſſen, aber neue Erſcheinungen füllten ſie aus und die Verlorenen wurden nicht vermißt. Stirnen, welche im vergangenen Jahre in der Reinheit des Schnees leuchteten, hatten inzwiſchen Flecken der Verläumdung oder Schande davongetragen, doch die Edelſteine, mit denen ſie ſich ſchmück⸗ ten, bewahrten ihren alten Glanz und ſpotteten des alten Ruhmes ihrer Träger. Leichte Herzen waren ſchwer geworden, ſtolze Häupter hatten ſich beugen gelernt, zarte Wangen ver⸗ bargen heute ihre kummervolle Bläſſe unter Perl⸗Puder; Bande, welche in alle Ewigkeit nicht wieder geknüpft werden konnten, hatte man zerriſſen und eine Saat von Sünde und Schmerzen geſäet, die keine Macht auszurotten vermochte. Dieſe mannigfachen Wechſelungen lagen alle zwiſchen der letz⸗ ten Saiſon und dem Phönix der gegenwärtigen, doch die große Welt begrüßte ſich auf's Neue mit lächelnden Lippen, glatter Hüflichleit unausſprechlicher Langerweile und gegenſeitigen Beglückwünſchungen und durchſchritt die Arena mit wohlge⸗ ſchulten Mienen und der alten erforderlichen Gewandtheit. Es war acht Uhr Abends im April, dem Frühlingsmonat. Das Weſtend begann ſeine Arbeit, das Vergnügen, während der öſtliche Theil der Stadt ſein Vergnügen, die Arbeit, endigte.

LEr hatte unter hundert Feſtlichkeiten die Wahl; die rei⸗ zendſten Frauen der demi monde und haute volée bexechne⸗ ten ihre Ausſichten, von ihm bevorzugt zu werden. Alle er⸗ denklichen, geiſtigen und materiellen Genüſſe harrten ſeiner wie ſie einſt auf Sulla warteten, wenn er ſein Haupt mit Roſen bekränzte und mit gleichem Recht wie dieſen, hätte man ihnFelix, einen Liebling der Götter nennen können. Ein⸗ ſam und gemächlich lag er auf einem Polſter ſeines Hauſes in Park⸗Lane und rauchte ein Narghilé, das er von Zeit zu Zeit in eine Schale mit Roſenwaſſer tauchte. Ein verlo⸗ rener Sonnenſtrahl ſpielte hier und dort auf einem kleinen erleſenen Bildhauerwerk oder einer Trinkſchale von Cellini's Arbeit, die ein Zimmer mit violetten Sammetvorhängen und einer in Greuzes Stiel gemalten Decke ſchmückten, ein Zimmer, deſſen Pracht es zu einem paſſenden Aufenthalt für die Braut eines Kaiſers gemacht hätte. Die gediegenſten Gemälde großer alter Meiſter neben denen der petits maitres hingen an den Wänden und jede Niſche barg eine Gruppe von Coysvox, Couſtou oder Canova. Und doch nannte ſein Eigenthümer, ein Kenner und Sammler von Kunſtſchätzen, es nur ſein Studirzimmer, ſeinen Lieblingsaufenthalt. Ihm zur Seite vor dem Sopha ſtand ein Tiſch, den Pariſer Novellen, Briefe und zierliche Billets von Frauenhänden bedeckten. Das er⸗ ſterbende Sonnenlicht fiel auf ſein Geſicht, während er den Kopf auf ſeinen linken Arm lehnte. Ein Maler würde ihn zum Modell eines Alcibiades gewählt haben, wenn er ihn nicht poetiſcher aufgefaßt und als Phöbus, den Lichtgeborenen, den Sonnengott des Hellas dargeſtellt hätte. Seine Schön⸗ heit war eine ſeltſame und außerordentliche. Ein Phyſio⸗ gnomiſt würde vielleicht geſagt haben:er iſt ein Mann, der, ſinnlichen Genüſſen huldigt, ein tiefer Denker, ein Dichter, ein Geiſt, der Kraft genug beſitzt, um ſich zum Herrſcher und Führer der Menge zu erheben, aber man darf dreiſt be⸗ haupten, daß er in ſeinem Bett von Roſen zu ſanft ruht, um Luſt zu verſpüren, ſich jemals in ſeiner ganzen Stärke daraus emporzuraffen. Während die Künſtler ſich insbeſondere von dem kraftvollen Stil ſeiner Schönheit angezogen fühlten und Männer gewöhnlichen Schlages die glänzende Pniſhe derſelben bewunderten, feſſelte er die Frauen durch die Milde ſeiner Erſcheinung. Ja, für die Letzteren lag der verfänglichſte Zauber in ſeinen tiefblauen, beredten Augen, die ſtets zarte Huldigungen oder Bitten auszudrücken pflegten. Die Stirne war ſtolz und gedankenvoll genug, um mit der eines Plato verglichen zu

werden, und ſein reiches goldſchimmerndes Haar hatte einen Glanz wie das der Männer von Hellas. Bei ungeſtörtem Denken hatten ſeine Blicke einen Ausdruck, wie man ihn einſt an Mark Aurel bemerkt haben mochte, während der ſorgloſe, epicu⸗ räiſche Zug des Mundes an die Lippen eines Catull erinnerte.

Die Widerſprüche in ſeinem Geſicht waren nur ein Bild derer, die wirklich in ſeinem Charakter lagen, und um noch ein letztes Wort über ihn hinzuzufügen, ſei erwähnt, daß ſeine Körpergröße über das mittlere Maaß hinausging, daß er etwa einunddreißig Jahre zählte und nicht die kleinſte Sorgen⸗ laſt auf ſeinen Schultern trug.

Sein gaſtfreies Haus ſtand nach Art eines Karavanſerei Jedermann offen, doch in dieſem Zimmer durften ihn weder Diener noch Freunde unter irgend welchen Vorwänden ſtören. Es war durch eine Doppelthüre geſchloſſen. In dieſem Augen⸗ blick aber drehte ſich das erſte, dann das zweite Schloß, der Vorhang ward unſanft bei Seite geſchoben und der kühne Eindringling erſchien auf der Schwelle. Ein Hund edelſter Race, der neben dem Sopha lag, fuhr anfangs knurrend em⸗ por, doch der Gaſt war ein genau gekannter, der Hausfreund und Geſchäftsführer des Herren.

Mein lieber Ernſt! 5 einſam, und zwar zu dieſer Tages⸗ zeit? Welch ein Wunder! Ich habe mich wirklich gefürchtet, Sie in Ihrem Allerheiligſten zu überfallen; verdammt ange⸗ nehmes Zimmer, das! Was treiben Sie hier? Malen Sie an Ihrem hübſcheſten Bilde, meißeln Sie Ihre zierliche Statuette, machen Sie Ihrer ſchönſten Freundin den Hof, ſchreiben Sie Novellen, ſtudiren Sie geheime Wiſſeenſchaften, ſuchen Sie den Stein der Weiſen, grübeln Sie über dem venetianiſchen Farbengeheimniß, geben Sie Abendeſſen à la régence, an denen nicht einmal Ihre Buſenfreunde Theil nehmen dürfen, oder was beſchäftigt Sie ſonſt? Auf Ehre, ich bin neugierig es zu erfahren!

Unterhalten Sie mich mit einigen Neuigkeiten, Trevenna, antwortete ſein Wirth mit einem Lächeln der Beluſtigung und mit einer Stimme, deren reiner, milder, melodiſcher Klang den ſchärfſten Gegenſatz zu dem harten, durchdringenden Tone ſeines Beſuchers bildete.Was führt Sie hieher? Sie wiſſenAllerdings; doch ich verſpürte Neugier und die Gelegenheit war günſtig. Welcher Sterbliche hätte dieſen Gründen nicht no Rgeledene Ich bin ſchwankender als ein Weib. Keine Spur von Grundſätzen! Und kann man mich dafür verantwortlich machen? Nein Organiſation und Erziehung! Wie dunkel iſt es hier! Darf ich klingeln und Licht beſtellen?

Möchten Sie Beleuchtung haben, um ſprechen zu können? fragte ſein Freund lachend, während er nach einer Handglocke griff.Ihre Zunge läuft in der Regel als ginge ſie auf ge⸗ ölten Rädern, Trevenna.

Natürlich; reden iſt mein Beruf. Ich raſſele mit dem Munde wie ein Taſchenſpieler mit ſeinen Würfeln raſſelt und wie ein Leiermann ſich gezwungen ſieht ſeine Orgel zu drehen, bin ich genöthigt zu ſchwatzen. Man bittet n4 Mittagsgeſellſchaften, damit ich plaudere. Wollte ich ſchweig⸗ ſam und langweilig ſein, würde mir jedwedes Geſchöpf den Rücken kehren und ſobald ich zu einfältig wäre, um Tages⸗ neuigkeiten aufzutiſchen, dürfte ich nicht hoffen, je wieder eine Einladung zu erhalten. Meine Zunge iſt meine Erwerbs⸗ quelle!

Nach dieſer Darſtellung ſeiner geſellſchaſtlichen Hülfs⸗ mittel ſchnellte John Trevenna aus ſeinem Seſſel empor und machte die Runde im Zimmer, während ein Diener die Lichter anzündete. Er war etwa ſechs oder achtunddreißig Jahre alt, klein, etwas unterſetzt, aber wunderbar geſchmeidig, flink und beweglich, ein Meiſter in allen Künſten der Gymnaſtik. Obgleich unregelmäßig gebildet, hatte ſein Geſicht einen heitern, offenen, gutlaunigen ds dne und deutete auf einen ſcharfen, geweckten Verſtand. In ſeinem fröhlichen Lachen, das ſeine

eſunden und weißen Zähne ſehen ließ, lag Wohlwollen und

den Blick gab Zeugniß von einer Schlagfertigkeit und Gewandt⸗ heit, die unendlich verſchieden von wirklichem Geiſte, zünden⸗ der als bloßer Verſtand und kühner als einfaches Talent, die Welt hinter das Licht zu führen wiſſen, und in jedem Fache Erfolge zu erringen und die Gegner zu beſiegen verſtehen, während das Genie perkümmert oder untergeht.