Jahrgang 
1 (1867)
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Nordſee, Oſtſee und dem Adriatiſchen Meere und war ehemals ein großes Reich aus 35 verſchiedenen Staaten beſtehend, von denen aber jetzt viele Theile zwiſchen Oeſterreich, Preußen, Dänemark und Holland vertheilt ſind. Oeſterreich erhielt außer den Herzogthümern Böhmen, Mähren und Oeſterreich noch Aſinaria(wohl Iſtria, d. h. Steiermark) und Illyrien; Preußen erhielt die Staaten Brandiburg, Bomerania, Sileſia und die Provinzen Saxonia, Visfalia und Rina; Dänemerk erhielt die Staaten Holiſten und Luamenburg; Holland die Großherzogthümer Lexemburg und Limburg. Die übrigen 31 Her⸗ zogthümer ſtehen unter der Oberherrſchaft des Staates Deutſchland. Von dieſen liegt das Herzogthum Hannover im Norden, ſeine Haupt ſtadt iſt Hannover; außerdem ſind dort die Mecklenburg und Bruns⸗ vick und die freien Städte Hamburg und Bunbik und in der Mitte am Main die Republik Frankfort, der Staat Hes und das Her⸗ zogthum Sax, deſſen Hauptſtadt Dresden iſt und das Königreich Naſ⸗ ſau, deſſen Hauptſtadt Leipzig iſt. Im Süden iſt das Herzogthum Baden, deſſen Hauptſtadt Carlsruhe iſt. Das Königreich Württem⸗ berg, deſſen Hauptſtadt Statgar iſt und der Staat Bayern, deſſen Hauptſtadt Munich iſt; außerdem ſind dort die berühmten Städte Nuremburg und Augsburg. Alle dieſe deutſchen Staaten bilden eine Republik unter dem NamenDeutſcher Bund, deſſen Hauptſtadt die am Main liegende Stadt Frankfort iſt. Dieſe Probe wird wohl zu Genüge beweiſen, auf welcher Stufe die Wiſſenſchaft noch in der Türkei ſteht; doch mancher Franzoſe und Engländer mag wohl von der deutſchen Geographie nicht mehr wiſſen als dieſer Türke.

Rhodus, die Berle des Archipels. Die orientaliſche Frage iſt in den Vordergrund getreten; im griechiſchen Archipel ſind be⸗ reits wieder die erſten Schwerthiebe zur Löſung des Knotens ge⸗ ſchlagen worden. Die Inſel Rhodus, in der Nähe des Kampfplatzes, iſt wohl die ſchönſte des Mittelmeeres, durch eine prachtvolle Vege⸗ tation ausgezeichnet. Sanft ſteigt ihr Geſtade aus der ſalzigen Meeresſluth; undurchdringliche Wälder erquicken überall das Auge, über welchen ſich ſchlanke Palmbäume maleriſch erheben, die wie ein grüner Gürtel die weißſchimmernde Inſelſtadt umgeben, welche noch die ſtolzen Wappenſchilder der Ritter trägt, die ſie aufführten. Das Mittelalter hat ſich in Rhodus bis auf den heutigen Tag erhalten mit all' ſeinem kriegeriſchen Apparate, ſeinen Thürmen, ſeinen ge⸗ zackten Mauern und Spitzbogen. Der Hafen von Rhodus iſt mit zum größten Theil zerſtörten Kais und Bogen mit Schießſcharten verſehenen Mauern eingefaßt, ein ſchöner viereckiger Thurm erhebt ſich über den Feſtungswerken. Das Innere der Stadt enthält noch ſehr bemerkeuswerthe, und zum Theil gut erhaltene Ueberreſte aus der Zeit der Ritterorden; darunter beſonders das alte Schloß. In dieſem Schloſſe reſidirte früher der Gerichtsherr des St. Jozanniter⸗ ordens. In dem Saale, in welchen jene Pforte führt, wurden die Todesurtheile über die Verräther an der guten Sache des Ordens gefällt. Nicht weit von dem Schloſſe befindet ſich das Judenquar⸗ Eine breite, mit hübſchen Häuſern eingefaßte Straße, führt durch daſſelbe. Faſt bei jedem Schritte ſtößt man auf große ſtei⸗ nerne Kugeln, welche die Türken bei der Belagerung von Rhodus aus mächtigen Mörſern in dieſen Stadttheil geſchleudert hatten. Alle Häuſer ſind hier überreich mit Wappenſchmuck geziert.

Die Armenier. Als die eigentlichen Träger der Civiliſation in der Türkei ſind dle Armenier zu betrachten. Sie ſind die eigent⸗ lichen Kaufleute, Handwerker und Künſtler im türkiſchen Reiche. Mit der Geſchicklichkeit, welche derjenigen der Juden, mit denen über⸗ haupt die Armenier in ihrem Weſen Manches gemein haben, nicht nachſteht, verbinden ſie, was ehrend anzuerkennen iſt, einen hohen Grad von Ehrlichkeit. Manche Armenier treiben auch Ackerbau und zwar mit viel mehr Geſchick und Eifer, als die träge moslemi⸗ tiſche Bevölkerung, unter deren Händen der reichſte Bodenemnehr und mehr verarmt. Ueberhaupt iſt die Arbeit das Lebenselement der Armenier und man darf behaupten, daß nur ſie hauptſächlich den Türken zum Leben behülflich ſind und daß ohne ihre Kraft und Le⸗ bendigkeit die Türken vielleicht vom vollſtändigen Ruin betroffen worden wären. Die Städte des türkiſchen Reiches, wo die Arme⸗ nier ſich am zahlreichſten niedergelaſſen haben, ſind Conſtantinopel, Angora, Tobal, Sivas und Diarbekir.

Kleines RomanMagazin.*

Rußland.

Entſtehung der Stadt St. Betersburg. Vör 160 Jahren breitete ſich noch ein feuchter, dumpfiger Moraſt an der Stelle des heutigen Petersburg aus. Am Pfingſtfeſte, den 16. Mai des Jahres 1703, wurde das erſte Gebäude und mit ihm die künftige Stadt gegründet. Es war eine Citadelle, die unter Mühſeligkeiten und unglaublichen Drangſalen, ohne Spaten und Karren angelegt und aufgebaut wurde. Peter I. legte mit eigenen Händen den erſten Stein zu der Baſtion, und herbeigezogene Arbeiter aus allen Ge⸗ genden des Kaiſerreichs, Ruſſen, Koſaken, Tataren, Kalmücken, Schweden, Finnländer und Ingermannländer mußten das Werk weiter führen und vollenden. Die Arbeiter ſtarben bei den furchtbaren Anſtrengungen, bei den Ausdünſtungen des moraſtigen Bodens und bei dem Proviantmangel wie die Fliegen dahin, und doch war nach fünf Monaten das Innere der Feſtung fertig. Noch mitten im Baue dieſer Citadelle hatte Peter die Idee zur Erbauung einer Stadt gefaßt, die er nach dem Apoſtel Petrus Sanct Peters⸗ burg benennen wollte, und eine ganze Armee von 40,000 Mann wurde unter den Befehlen von Peter, Mentſchikov, Golovkin, Sotov, dem Fürſten Trubetzkoi und Kirill Nariſchkin zur Arbeit comman⸗ dirt. Alle dieſe Arbeiten aber mußten theuer und blutig bezahlt und unter ſtetem Kampfe mit den Schweden erfochten werden. Am Ende des Jahres 1703 waren auch wirklich einige Hütten, das Wohngebäude des Günſtlings Mentſchikov und die zuſammengezim⸗ merte Wohnung des Herrſchers Alles aus Holz der Inbegriff derStadt Petersburg mit Ausnahme der Citadelle. Allein ſchon im Jahre 1705 zeigt ſich die Stadt im größeren Umfange; man fand da ſchon eine Menge Häuſer, in denen Künſtler, Handwerker, See⸗ und Käaufleute mit vielen Familien ihr Unterkommen ſuchten und ihre Künſte oder ihre Gewerbe betrieben. Der geſtampfte Erd⸗ boden wurde mit Steinpflaſter belegt, ſteinerne Kaſernen beherbergten die Garniſon und wieder waren gegen 30,000 Arbeiter herbeige⸗ rufen, um weitere Bauten aufzuführen. Im Jahre 1711 hatte Pe⸗ tersburg ſchon zwei getrennte Stadttheile: die Petersburger Inſel auf dem rechten Ufer der Newa und die Admiralitäts⸗Inſel auf dem linken. Auf dieſer Admiralitäts⸗Inſel wurde um dieſes Jahr erſt ein aus Ziegelſteinen gebautes, jedoch einſtöckiges und beſcheide⸗ nes Haus als Reſidenz für den Zaren errichtet, und in drei Jahren darauf zählte man bereits einigekaiſerliche Paläſte, 60 bis 80 dem Adel gehörende ſteinerne Häuſer und etwa 35,000 andereHäuſer in der Zarenſtadt, wie einige Chroniſten angeben. Wieder drei Jahre darauf, 1717, lief aus Petersburg das erſte ruſſiſche Schiff aus, beladen mit verſchiedenen Erzeugniſſen des Landes, worunter 260 Tonnen Kaviar, und im Jahre 1718 man höre! faßte Peter den Gedanken eine Akademie der Wiſſenſchaften dort zu gründen. Er erließ einen Ukas vom 11. Januar 1718, worin er befahl:Man gründe eine Akademie und ſuche unter den Ruſſen diejenigen aus, die unterrichtet ſind oder wenigſtens Neigung zum Studium der Wiſſenſchaften beſitzen u. ſ. w. DieſesMan gründe erhielt erſt am 20. Janur 1724 durch das damalige Mani⸗ feſt die Befolgung und Verwirklichung nach den Gedanken und Ein⸗ gebungen, wie ſie Leibnitz in Berlin bei einer Unterredung auf den Zaren übertrug. Die ganzeAkademie hatte zehn Mitglie⸗ der, die ſich in drei Klaſſen für Mathematik, Phyſik und Geſchichte theilten.

Eine Bärenhetze bei Moskau. Wie das größte Nationalfeſt des Spaniers ſein in weiter Arena abgehaltenes Stiergefecht iſt, ſo findet auch die Volksbeluſtigung des Ruſſen in Moskau ihre höchſte Befriedigung an den alljährlich in den Wintermonaten in nächſter Nähe der alten Zarenſtadt abgehaltenen Bärenhetzen. Hunderte von Menſchen aus allen Volksſchichten wandern dann, wenn ſo eine Bärenhetze durch einen Unternehmer bekannt gemacht worden iſt, in dicken Haufen, zu Fuß, zu Roß und Wagen durch den tiefſten Schnee nach der vor dem Thore gelegenen Winterarena, in der das Schauſpiel vor ſich gehen ſoll. Einer von den eingefangenen Bären wird von Bauern, die das Handwerk verſtehen, auf ſehr geſchickte Weiſe zur Mitte des Platzes geführt und vermittelſt einer ſtarlen