Jahrgang 
1 (1867)
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Kleines Roman⸗Magazin. 738

der kalten Ueberlegung. Endlich tauchte der düſtere Gedanke an die Flucht empor.

Fliehen? rief Olga mit thränenerſtickter Stimme.Fliehen? Mir dieſen Vorſchlag von Dir, mein Roman? Ein Vorſchlag, be⸗ ſchimpfend für meine Familie, unheilvoll für mich! Du haſt mich nie geliebt, wenn Du meinen guten Ruf, die Fleckenloſigkeit meines Gewiſſens ſo vergeſſen konnteſt! Ich ſoll der Heimath liebe Aue verlaſſen, die Eltern entehren, Gott und die heilige Sophia, unſere Schutzheilige, beleidigen. Nein, Roman! Entſagen will ich der Liebe, die ein Verbrechen fordert, entſagen will ich Dir! Schluchzen erſtickte ihre Stimme.

Mit umwölkter Stirne, mit düſterem Blicke vernahm der glühende Jüngling die Vorwürfe der Geliebten.Weiber, ſchwache Weſen! grollte er mit wildem Lächeln,die ihr euch be⸗ ſtändiger Liebe und felſenfeſter Treue rühmt, eure Gefühle ſind nur die Geburten auſwallender Laune, nur aus Eitelkeit bezaubert ihr die Leichtgläubigen! Tand iſt eure Liebe, flüchtig wie die Schwalbe und geſchwätzig wie dieſer Vogel. Doch fordert der Geliebte mehr als Worte von euch, fordert er die That, dann ſeid ihr reich und freigebig mit Entſchuldigungen, kalten, herzloſen Rathſchlägen, Mär⸗ chen und Vorwürfen! Warum ward ich getäuſcht durch ſüße Blicke und ſchmeichelnde Hoffnungsworte? Vielleicht um durch dasNein mein glühendes Herz in lebloſes Eis zu verwandeln? Vergaß ich für Dich, Liebloſe! nicht Alles, was meinem Herzen ſonſt lieb und theuer war, ſogar des beſeeligenden Ruhmes? Ging ich nicht kalt vorüber, wenn auf dem Wege der Schleier mancher ſchönen Jung⸗ frau ſie weniger verhüllte, als er ſollte; wenn meine reichen Nach⸗ barinnen mir durch die Vorhänge ſüße Blicke ſpendeten? Suchte ich nicht jede Gelegenheit auf, einen Strahl Deines Blickes, einen Ton Deiner Stimme, das Geräuſch Deines ſchwebenden Schrittes zu erhaſchen? War nicht mein Leben Dir allein geweiht? Und plötzlich raubſt Du mir Alles, vertauſcheſt die Hand des armen Jünglings mit dem ſchwelgenden Ueberfluß; willſt mit dem goldenen Trauring Dich feſſeln an die eiſerne Kette einer gehäſſigen Ehe? Doch weibliche Liebe iſt Gewohnheit und in wenigen Wochen ver⸗ gißt ein Mädchen die Vergangenheit! Und wenn mein Unglück mich nicht tödtet, ſo fordert Olga vielleicht mit ſüßkoſenden Worten: Vergiß die Liebe, Roman! ſei mein Freund, und halte, wenn mein Gemahl mich heimführt, Wache mit dem Säbel in der Fauſt vor dem Fenſter meines Hochzeitgemachs, daß kein Frevler die ſüße Ruhe der Neuvermählten ſtöre!

Olga's Flehen, ſie zu ſchonen, wurde von Roman in ſeinem Zorn überhört. Als er endlich erſchöpft ſchwieg, ſchimmerten ihm der Geliebten Thränen entgegen; ſie löſchten ſeine Verzweiflung. Sein Grimm verſchwand, wie der Schnee im warmen Schein der Sonne.

Undankbarer! ſprach das Mädchen,Du konnteſt zweifeln, konnteſt ausſprechen, daß Olga Dich nicht mehr liebe? Nie glaubte ich ſolche Vorwürfe, ſolchen Lohn zu empfangen, wenn Deine Seuf⸗ zer meinen Buſen glühender bewegten, wenn ich ſtundenlang auf die geheimnißvolle Sprache Deiner Augen hörte!

Vergieb der Liebe, was Liebe verbrach! bat Roman, ſanft ihre Hand drückend. Unbewußt ſank die Geliebte an des Jünglings pochende Bruſt, ihre Wangen flammten gleich dem Morgenroth, und dder erſte, ſüße Kuß der Liebe verſcheuchte jeden Groll.

Bis in den Tod, bis über das Grab hinaus bleib' ich Dein! flüſterte Olga und ein unbeſchreibliches Entzücken durchglühte Ro⸗ man's Seele.

Ihr, die ihr geliebt, ihr kennt jenen Momeut, wo jeder Ge⸗ danke Wenne, jeder Pulsſchlag ſüße Luſt, jedes Gefühl Entzücken iſt!

Nach drei Tagen, wenn wir mit den Deutſchen das Feſt des fünfjährigen Friedens begehen, in der dunkeln Stunde ſchweigen der Mitternacht harre ich Dein, meine Olga, an der Pforte des Gar⸗ tens. Pfeilſchnelle Roſſe tragen uns fort von hier, der laute Jubel des Feſtes verdeckt unſere Flucht, und am Geſtade des fernen Fluſſes winkt uns die Ruhe, das Glück, und in der Zukunft gewiß auch des Vaters Segen!

Von den Lippen der Jungfrau tönte das einwilligendeJa! Mit langem Kuſſe trennten ſich die Liebenden.

Roman⸗Magazin des Auslandes, 1867. Lief. 3,

III.

Der feſtliche Tag hatte begonnen. Feierlicher Glockenklang tönte durch die heitere Luft, ein buntes Menſchengewirr erfüllte Nowgorod. In der Kirche der heiligen Sophia verſammelten ſich die Bürger, in der des heiligen Petrus die Deutſchen. Der Friedensvertrag mit dem Gothiſchen und Rigaiſchen Uferlande wurde vorgeleſen und als die Meſſe beendigt war, begaben ſich Alle zum Mittagsmahl nach dem Gorodiſchtſche, einem nahe bei der Stadt belegenen freien Platze, wo in alter Zeit Jaroslaw's Palaſt ſtand. An der ge⸗ ſchmückten Tafel Platz zu nehmen, ladet der Poſſadnik, der Vor⸗ ſteher der Nowgorod'ſchen Bürgerſchaft, die fremden Kaufleute aus Reval, Lübeck und Armenien, ſo wie die Litthauiſchen Bundesgenoſſen und Ruſſiſchen Landsleute ein. Der Erzbiſchof ſpricht den Segen über das Mahl, und auf das gegebene Zeichen mit dem lauttönenden Horne ſetzten ſich Alle; der Niedere neben dem Vornehmen, der Arme neben dem Reichen, der Fremde neben dem Ruſſen. Freund⸗ ſchaft und Bruderliebe herrſchte in dem Männerkreiſe, über den ſich, ein herrliches Zelt, der blaue Himmel wölbte. Es fliegen die Stun⸗ den, in Strömen rinnt der Wein und wacker kreiſet das Trinkhorn, angefüllt mit Beerenweinen, die die Wangen der Zecher erglühen machen. Scherz und Lachen beſchließt das Mahl, indem man ſich erhebt, tönen am Ufer frohe Geſänge.

Da ſpricht der uns bereits bekannte Juri Wojeßlaw höſlich zu den Anweſenden:Herr Aldermann Bruno, Voigt von Rodenſtein, und Ihr, hochedle Herren, deutſche Ritter und Pane Litthauens! ich bitte für ein ruſſiſches Liedlein um Eure Aufmerkſamkeit; unſer junger Sänger Roman wird gern mit einem ſolchen unſere lieben Gäſte erfreuen.

Die Anweſenden bildeten einen Kreis, indeß Roman die Gußli ſtimmte und einen ſchüchternen Blick über die Verſammlung ſandte.

Das Lied war geendet, dle Erinnerung an jene, von ihm ſo eben beſungene Vorzeit beſeelte die verſammelten Hörer. Hoch⸗ erröthend vernahm Roman das allgemeine Lob, das ihm geſpendet wurde. Aber gleich dem gefeſſelten Adler, der Beute ſehend, ſich von ſeinen Ketten losreißen will, ſo ſchlug des Jünglings Herz, als er Olga, auf ihrem Geſichte des Beifalls Lächeln, erblickte: er fühlte ſich hochbeglückt!

IV.

Lautloſes Dunkel lag auf dem lebendigen Nowgorod; hinter den Fenſtern der Häuſer erloſchen die Lichter und der Schlaf be⸗ ruhigte ſo manchen Kummer. An des Wolchow's Ufer herrſchte Ruhe, nur dich, ſüße Olga, flieht der Schlummer. Es pocht dein jungfräuliches Herz, die Bruſt bebt, Furcht, Erwartung und Reue ängſtigen dich. Die alte, gute Wärterin hat deine blonden Haar⸗ flechten ſchon gelöſt, dich des feſtlichen Schmuckes entkleidet und das Abendgebet geſprochen.

Doch belauſchen wir die ſchöne Olga! Die weiche Decke des Bettes wirft ſie ab, ihre feine, weiße Hand ſchiebt die damaſtnen Vorhänge zurück, ſie horcht! Kaum wagt ſie zu athmen, das Licht der Lampe vor dem Heiligenbilde beängſtigt ſie. Sich in den kun⸗ zen Zobelpelz hüllend, verläßt ſie das Lager, ſie bebt vor dem eigenen Tritte auf dem kalten Fußboden. Sie öffnet das Fenſter. Durch den Herbſtnebel wirft der Mond ſein bleiches Licht auf die ſtille Stadt. Das todte Schweigen wird nur von Zeit zu Zeit durch den Ruf einer Wachtel von der nahen Wieſe, von dem Klirren der Ketten, womit die Wächterhunde an dem Kaufhauſe in der Michai⸗ low'ſchen Straße gebunden ſind, unterbrochen. Kein lebendes Weſen erſcheint, nicht das verabredete Zeichen läßt ſich hören, das die Jungfrau zugleich erſehnt und fürchtet. Das Haupt auf den Arm geſtützt, blickt die Schöne anf den in Mondlicht glänzenden Wolchow und Wehmuth erfüllt ihre Bruſt bei dem Gedanken, die Heimath verlaſſen zu miſſſen.Mein letztes Lebewohl Allem, was mich ſeit ſiebzehn Jahren freundlich hier umgab! Euch geliebte Eltern, der Tochter letztes Lebewohl!

Heiße Thränen netzten ihre Wangen, in glühendem Gebete warſ

ſie ſich vor dem Kreuze des Erlöſers nieder, Schwächer wurde ihre

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