Jahrgang 
1 (1867)
Einzelbild herunterladen

731 Die Octrone, oder die Lilie von Louiſiana. Von Lady Lascelles. 73²

derttauſend Dollars zurückzahlte und ein ausführliches Be⸗ kenntniß ſeiner Schuld niederſchrieb, das er in Gegenwart der drei Zeugen unterzeichnete. Hierauf kehrten Leslie und Treverton nach dem Hauſe von Auguſtus Horton zurück, wo ſich auch Mortimer Percy befand. Sie trafen Auguſtus Hor⸗ ton, Adelaide und Frau Montreſor in einem Zimmer des Hauſes, das mit dem Gartenſalon in Verbindung ſtand.

Mortimer Percy ſaß etwas entfernt von ſeiner Couſine, und es war augenſcheinlich, daß noch keine Verſöhnung zwi⸗ ſchen ihnen ſtattgefunden hatte. Adelaide und Frau Montre⸗ ſor waren mit einer kunſtvollen Stickerei beſchäftigt, welche ihnen einen guten Vorwand zum Schweigen darbot. Augu⸗ ſtus ſtand an dem offenen Fenſter und rauchte ſeine Cigarre. Gerald war der erſte, der nach ſeinem Eintritt das Schwei⸗ gen brach.

Sie ſind wahrſcheinlich überraſcht, Herr Horton, mich wieder hier zu ſehen?

Ich kann es nicht leugnen, daß dies der Fall iſt, ant⸗ wortete der Pflanzer.Die Enthüllungen von heute Mor⸗ gen gehen mich nichts an und ich kann mir nicht recht den⸗ ken, welche Beweggründe Herrn Leslie und Herrn Treverton hieher gebracht haben.

Gerald Leslie lächelte.Wirklich, Herr Horton? Sie vergeſſen, daß ich eine Tochter habe.

O nein, antwortete Auguſtus.Ich habe ſehr gute Gründe, mich dieſer Thatſache zu erinnern, Herr Leslie. Der Ankauf der Octronen⸗Sclavin Cora koſtete mich fünfzigtau⸗ ſend Dollars, und es iſt alle Ausſicht vorhanden, daß ich jeden Cent davon verlieren werde.

Außer wenn Sie Ihre entlaufene Sclavin wieder ein⸗ fangen können, ſagte Gerald Leslie.

Außer wenn ich ſie wieder einfangen kann. Gewiß, wenn ſie wieder in meine Hände fällt, wird es nicht meine Schuld ſein, wenn ſie wieder entrinnt; und was dieſen Eng⸗ länder Gilbert Margrave betrifft

So wollen Sie kein Erbarmen mit ihm haben? fragte Gerald.

Beim Himmel, nein. Wir Südländer ſind gerade jetzt am wenigſten in der Laune, uns Einmiſchungen in unſere Rechte gefallen zu laſſen. Der Engländer ſoll ſchwer dafür büßen, daß er die Geſetze von Lonſtann verletzt hat.

Während er dies ſprach, ſchritt der Pflanzer im Zimmer auf und ab und der Ton ſeiner Stimme verrieth ganz den Verdruß über die Vereitlung, welche ſeine Pläne und Wünſche am vorigen Abende erfahren.

Herr Horton, ſagte Leslie mit Nachdruck.Philipp Treverton und ich ſind aus einem ſehr wichtigen Grunde hieher gekommen. Wir ſind gekommen, um uns an Ihren Edelmuth und an Ihre Ehrenhaftigkeit zu wenden. Wollen Sie uns ruhig anhören?

Es ſteht Ihnen frei zu ſprechen, erwiderte Auguſtus in hochmüthigem Tone.

Ich wende mich alſo in Gegenwart Ihrer Schweſter und der Frau Montreſor an alle beſſeren Gefühle Ihrer Natur und frage Sie, ob es gerecht iſt, daß mein Kind auch nur eine Stunde durch die Niederträchtigkeit dieſes Menſchen, Silas Graig leiden ſoll. Geben Sie ihr die Freiheit wieder, bevor ich Schritte thue, den Verkauf meines Eigenthums durch die Gerichte für ungültig erklären zu laſſen.

Auguſtus lachte bitter.Das Alles iſt ſehr ſchön, ſagte er,aber da Miß Leslie vorgezogen hat, davon zu laufen, liegt es nicht in meiner Macht, ſie zurückzugeben, ſelbſt, wenn ich dazu geneigt wäre.

Wollen Sie mir meine Tochter zurückgeben, wenn ſie aufgefunden wird? fragte Gerald Leslie.

Nein.

Sie wollen nicht? Bedenken Sie, wir ſind reich und ich will Ihnen die funfzigtauſend Dollars zurückerſtatten, oder wenn Sie es wünſchen, dieſe Summe verdoppeln,

Hole der Eure elenden Dollars, rief Auguſtus. Es war Rache, die ich mir mit meinem Gelde erkaufen wollte. Rache für die Beleidigung, die mir Ihre Tochter, die Sclavin angethan hat. Nein, dieſe Rache laſſe ich mir nicht nehmen und ſollte Cora wieder eingefangen werden, ſo gebe ich ſie nicht heraus.

Sie wollen es alſo nicht?

Nein, ich will nicht und was mehr iſt, ich kann nicht, denn ſie gehört nicht mehr mir.

Nicht mehr Ihnen?

Nein, ich habe ſie weggegeben.

Weggegeben?

Ja, ich habe ſie meiner Schweſter Adelaide abgetreten, welche gute Gründe hat, ſie zu haſſen und ihr zu zeigen, was es iſt, eine Sclavin zu ſein. Sie iſt ein Weib und ich kann mich deshalb ganz auf ſie verlaſſen. Bei mir würde ſie das Leben einer Herzogin geführt haben, bei meiner Schweſter wird ſie eine Kammerjungfer, eine gemeine Magd ſein. Der Himmel weiß, wie tief ſie noch ſinken wird. So mag es vielleicht meiner Schweſter gefallen, Ihre glänzende und fein gebildete Tochter in die Küche zu ſchicken, um dort der Köchin als Magd zu dienen.

Gerald Leslie Paue Mühe, an ſich zu halten, als er dieſe beleidigenden Reden vernahm.

Miß Horton, rief er aus, gewiß ſolche Worte wie dieſe müſſen Ihrer weiblichen Natur widerſtreben. Warum ſprechen Sie nicht? Sie waren früher die Freundin meiner Tochter, um's Himmels willen erinnern Sie ſich deſſen. Wäh⸗ rend dieſes ganzen Geſpräches hatte Adelaide, das Geſicht über ihre Arbeit gebeugt, vollkommen ruhig dageſeſſen, ſo daß es den Anſchein hatte, als ob ſie an dem, was vorging, keinen Antheil nähme; aber ein ſchärferer Beobachter hätte denterden können, daß ihr Buſen ſich vor Erregung hob, und daß ihre Hand zitterte, als ſie ihre Arbeit fortzuſetzen ſuchte. Dies war ihrem Couſin, Mortimer Percy, der ſie ſeit einiger Zeit aufmerkſam beobachtete, nicht entgangen. Jetzt erhob ſie das Haupt, um auf Gerald Leslie's Anrede eine Antwort zu er⸗ theilen.

Ich kann Ihnen nur in den Worten meines Bruders antworten, Herr Leslie, ſagte ſie.Ich kann Ihnen Cora Leslie nicht zurückgeben, ſelbſt wenn ich es wollte, denn ſie gehört nicht mehr mein. Ich habe ſie ebenfalls weggegeben.

Auguſtus ſtutzte,Du, Adelaide? rief er.

Ja, Du gabſt ſie mir zur Kammerjungfer, ich aber hatte ſchon längſt eine Gelegen t herbeigewünſcht, um das Unrecht, das dr an jenem verhängnißvollen Tage angethan, wo ich meine kindiſche Thorheit Herr über meine Vernunft werden ließ, wieder gut zu machen. Ich habe ſie ihrem Bräutigam Gilbert Margrave abgetreten.

Mit dieſen Worten erhob ſie ſich, öffnete die Thür eines anſtoßenden Zimmers und gab den darin befindlichen Perſonen einen Wink, worauf Gilbert Margrave und Cora Leslie ein⸗ traten.

Mein Bruder dachte nicht daran, in ſeinem eigenen Hauſe nach der entlaufenen Sclavin zu ſuchen, ſagte Ade⸗ laide lächelnd.Die Entführung in der vorigen Nacht war von Herrn Margrave und mir verabredet und es wurde aus⸗ gemacht, daß er ſie hieher bringen ſollte, wo ſie ihre Verfolger am wenigſten ſuchen würden. 1

Kaum hatte er dieſe Worte vernommen, ſo eilte Mor⸗ timer Percy auf ſeine Couſine zu und umarmte ſie.

Haſt Du das wirklich gethan, Adelaide? rief er. Haſt Du es wirklich gethan? Und Du willſt mir mein Be⸗ nehmen verzeihen? Der Himmel weiß, wie ſehr es mich ge⸗ ſchmerzt hat, denn ich habe Dich ſtets von Herzen eliebte

Ich habe Alles verdient, was ich gelitten, Mortimer, ſagte Adelaide, ſich ſanft von ihm losmachend, aber ich habe alles gethan, was in meiner Macht ſteht, um den Fehler eines unbewachten Augenblickes wieder gut zu machen. Cora iſt frei und ſie kann frei mit ihrem Bräutigam nach England abſegeln. 3.

Theures, edles Mädchen, ſagte die Octrone, indem ſie Adelaide's Hand ergriff,in der Ferne, in jenem freien und glücklichen Lande, werde ich mich ſtets Deines edlen Beneh⸗ mens erinnern..

Und Sie werden uns ſobald als möglich in England ſehen, ſagte Mortimer,wenn meine Couſine ihrem reuigen Schäfer erlaubt, mit ihr eine Hochzeitreiſe durch Europa zu machen. Sie, Herr Leslie, werden wahrſcheinlich Ihre Tochter nach England begleiten?.

Ja, ſagte Gerald,durch die unverhoffte Rückkehr

133

meine in E zung

ſtändi Oder

entfer daral in zu verla

Mor Drei uung zeit

Die

vollz vollſt ſeinen

ſchla

nach hölze niede Ruh def Tral⸗ uncht den

treib ſein

liche das

küni ihre Hor teten