Jahrgang 
1 (1867)
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Zuſtande fenen Zu gefallen 1

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Die Octrone, oder die Lilie von Louiſiana.

Von Lady Lascelles. 730

war jetzt vollſtändig verlaſſen und Niemand mehr anweſend, als ich, mein Gegner und der andere Maun. Dieſer andere Mann, derſelbe, welcher den Rath ertheilt hatte, den Streit mit Degen auszufechten, öffnete jetzt eine Thüre in der Wand, die ich früher niemals bemerkt hatte, und ſchob mich in einen langen, ſpärlich beleuchteten Gang, der mir ebenfalls fremd war. Die Thüre ſchloß ſich hinter uns und wir gingen eine Strecke in dem Gange fort, bis wir durch den Fremden auf⸗ gehalten wurden, welcher es auf ſich genommen hatte, das Duell zu leiten. Er ſtellte uns einander gegenüber und gab das Zeichen. Ich fühlte ſogleich, daß ich verloren ſei. Die Gegenſtände drehten ſich im Kreiſe herum. Bei dem ſchwa⸗ hen Lichte konnte ich kaum das Geſicht meines Gegners ſehen.

mſonſt verſuchte ich ſeine Stöße zu pariren. Ich war ſchon zweimal leicht an der Schulter verwundet worden, als die Lichter plötzlich u aaſch wurden, und ich den ſcharfen Schmerz eines Stiches fühlte. Allein dieſer Stich kam nicht von meinem Gegner, denn obſchon ich ſogleich das Be⸗ wußtſein verlor, ſo fühlte ich doch, daß ich die Wunde im Rücken erhalten hatte. Als ich wieder zu mir kam, befand ich mich in einer einſamen Fiſcherhütte an den Ufern des Miſſiſſippi, vier Meilen von New⸗Orleaus. Ich lag auf einer Matratze und meine Wunde war durch einen Wundarzt ver⸗ bunden worden. Ich war aber durch den Blutverluſt ſo ge⸗ ſchwächt, daß ich kein Wort ſprechen konnte. An meiner Seite faß William Bowen, welcher Mitleid mit mir hatte und die ſchreckliche That ſogleich, als ſie geſchehen war, bereute. Unter dem Vorwande, daß er den Leichnam in den Fluß werfen wolle, hatte er mich in dieſe einſame Hütte gebracht, welche einem Freund von ihm gehörte.

Halten Sie ein wenig, Herr Treverton, unterbrach ihn Bowen.Als ich mit Herrn Craig den Plan entwarf, Sie in ein Duell mit dem Franzoſen zu verwickeln, um Ih⸗ nen den Empfangſchein für die hunderttauſend Dollars abzu⸗ nehmen, wurde ausgemacht, daß Sie nur in ordentlichem Kampfe und nicht ſchwer verwundet werden ſollten. Aber Silas Craig war damit nicht zufrieden, denn er war es, der während des Kampfes das Gas auslöſchte und Sie mit einem ſpitzigen Degen in den Rücken ſtach. Sie Türſten wie todt zuſammen, aber Craig war ein zu großer Feigling, als daß er ſich davon überzeugt hätte, daß Sie wirklich todt ſeien. Er wagte ſich ſeinem Opfer nicht auf drei Schritte zu nähern, ſondern trug mir auf, in Ihren Taſchen nach dem Empfang⸗ ſchein zu ſuchen und den Körper mit Hülfe des Franzoſen nach dem Fluſſe zu ſchaffen. Ich that es, wußte mich aber des Franzoſen, als wir den Quai erreicht hatten, zu entledigen. Dort legte ich meine Bürde in ein Boot, ruderte ſtromab⸗ wärts zu einer einſamen Fiſcherhütte und holte dann einen Wundarzt herbei. Das Uebrige iſt dem Herrn Treverton bekannt.

Ja, ſagte Philipp Treverton.Ich muß Ihnen das Zeugniß geben, daß Sie mich treu und geduldig gepflegt ha⸗ ben und mir, als ich genas, zur Reiſe nach Californien be⸗ hülflich waren, von wo ich nach zwölfmonatlicher Arbeit ſo reich zurückkehre, daß ich im Stande bin, das edle Benehmen meines alten Freundes Gerald Leslie zu belohnen. Was dieſen Elenden da anbelangt, ſetzte er, auf Craig deutend, hinzu,ſo iſt er dadurch, daß er alle ſeine Verbrechen ent⸗ deckt und vereitelt ſieht, ſchon mehr geſtraft, als es das Ge⸗ ſetz thun konnte. Er wird die hunderttauſend Dollars zu⸗ rückbezahlen, um die er ſein Opfer betrügen wollte.

Silas Craig war ſehr froh, daß er ſo glimpflich weg⸗ kam, er willigte in Alles, was man von ihm verlangte, und erklärte, daß er ſo bald als möglich New⸗Orleans für immer verlaſſen werde.

Dreiunddreißigſtes Capitel. Triſtan.

Seit der Kataſtrophe, welche dem Leben des Don Juan

ein Ziel ſetzte, war die Villa Moraquitos ein Haus des Kum⸗ mers und der Trauer geworden. Es war unmöglich, ſeiner Tochter die Wahrheit gänzlich vorzuenthalten. Man ſagte ihr, daß ſie ihren Vater verloren habe, brachte ihr aber den Glauben bei, daß derſelbe durch einen Zufall, während er ſich mit der Reinigung der Feuerwaffen, die in ſeinem Zimmer

aufgehängt waren, beſchäftigte, das Leben eingebüßt habe. Pauline bot Alles auf, um das arme Mädchen zu beruhigen und zu tröſten, aber ihre Bemühungen blieben lange Zeit ohne Erfolg.

Am Abend dieſes verhängnißvollen Tages verließ Paul Crivelli das Haus des Todes und begab ſi in den Gaſthof, wo Armand Tremley wohnte. Er überbrachte dem letzteren einen Brief von Pauline Corſi und unterrichtete den Künſtler von dem ſchrecklichen Ereigniſſe, das an dieſem Morgen ſtatt⸗ gefunden hatte.

Es wird deshalb, ſo ſchloß Paul ſeinen Bericht,meh⸗ rere Monate dauern, bevor ich hoffen darf, daß ſich meine Couſine Camilla entſchließen wird, mir das Recht zu geben, ſie mit einem theuerern Namen anzureden.

Ich glaube es wohl, antwortete Armand,und Pau⸗ line Lgte mir, daß auch ich mich gedulden müſſe, da ſie kei⸗ nen Tag früher als Camilla zum Altare gehen will.

Die beiden jungen Männer verließen mit einander den Gaſthof, um einen Gang in's Freie zu machen. In dem Geſpräche über die Vorgänge, welche den Pfad ihres Lebens verdunkelt hatten, wandelten ſie am Ufer des Miſſiſſippi hin, bis die untergehende Sonne ſie zur Heimkehr mahnte. Sie waren zu dieſer Zeit ziemlich weit von New⸗Orleans entfernt.

Um die Stadt auf einem kürzeren Wege zu erreichen, mußten ſie ein Gehölz am Ufer des Fluſſes durchſchreiten. Sie waren darin noch keine hundert Schritte gegangen, als ihnen die Geſtalt eines Negers in die Augen fiel, welcher am Fuße einer Eiche ſaß. Als er ſie kommen ſah, ſprang er auf, und Paul erkannte in ihm Triſtan, den Neger, mit dem er heute Morgen gerungen hatte. Der Neger ſtarrte ihn mit wilden Blicken an.

Sie ſind es, rief er. verfolgen mich überall, wohin ich gehe. kommen, um zu ſterben.

Zu ſterden?

Ja, ich habe Gift hier, ſagte er, in die Taſche ſeiner Jacke greifend.Ich habe heute Morgen Alles erlauſcht und ich würde Sie zu Grunde gerichtet haben, wenn Sie nicht meiner Herr geworden wären. Ich hätte die Beweiſe Ihrer Geburt verbrannt, und Ihre Verbindung mit Camilla Moraquitos, die ich liebe, verhindert.

Du biſt wahnſinnig, Triſtan.

Ja, ich bin wahnſinnig. Was kann ein Sclave, der ſeine Gebieterin liebt, anders ſein, als wehuſinige Ja, ich bin wahnſinnig und liebe ſie. Ich habe ſie geliebt, als ſie noch ein kleines Kind, und ich ihr Spielzeug, ihr Hund, ihr Sclave, und doch ihr Kamerad war. Und jetzt haßt und verachtet fie den elenden Sclaven. Sie liebt einen Andern, und der Narr Triſtan iſt in dieſen Wald gekommen, um zuſterben.

Die rollenden zeßa des Negers hatten ſo viel von dem

Sie, immer nur Sie. Sie Ich bin hierher ge⸗

wilden Feuer des Wahnſinns in ſich, daß die beiden jungen Männer ihn wirklich für wahnſinnig hielten. Sie beriethen ſich eben leiſe mit einander, was zu thun ſei, als der Neger auf einmal mit einem wilden Geſchrei und einem großen Meſſer in der Hand auf Paul zuſprang. Aber die jungen Männer waren auf ihrer Hut, und ihren vereinten Anſtren⸗ gung gelang es ſehr bald, den Neger zu entwaffnen und ſeine Hand nittelſt eines ſeidenen Taſchentuches auf den Rücken zu binden. So führten ſie ihn nach New⸗Orleans zurück. Der heftige Ausbruch des Wahnſinns war vorüber und der Unglünliche ſo ruhig, wie ein Kind. Sie brachten ihn nach der Villa Moraquitos, wo ſie ihn der Pflege ſeiner Mutter und der Aufſicht eines kräftigen Negérs übergaben. Bringe ihn wieder zur Vernunft, Cora, ſagte Paul, ound ſobald er hergeſtellt iſt, will ich Euch beiden die Frei⸗ heit ſchenken. Gütiger, edelmüthiger Maſſa! und wir dürfen dann nach Afrika zurückkehren? Ja, das dürft ihr.

Vierunddreißigſtes Capitel.

V Abſchied von Lauiſiana.

Gerald Leslie, William Bowen und Philipp Treverton begleiteten Silas Craig nach ſeiner Kanzlei, wo er die hun⸗