Jahrgang 
1 (1867)
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ſeine Blicke auf dieſe Thüren, denn dieſelben öffneten ſich und eine alte Frau trat auf die Schwelle des Ballſaals.

Sir richtete ihre Augen auf Claes Henrik, und ſagte in hohlem, obſchon vernehmbarem Tone:

Claes Henrik Gratten, Sie haben das Weib meines Sohns um's Leben gebracht. In dieſem Augenblick verläßt V

der ſie überlebende Mann die Wohnung, aus der Sie ihn vertreiben. Er nimmt die arme Unglückliche, die durch Sie in eine Leiche verwandelt worden, mit in ſeine neue Woh⸗ nung. Sie haben das Verſprechen, das Sie Ihrem Vater auf ſeinem Sterbebett gegeben, gebrochen. Wehe über Ihnen und Ihren Kindern! Die meiſten der Gäſte hielten im Tanz inne, um zu er⸗ fahren, was dieſer ſeltſante Auftritt eigentlich zu bedeuten habe.

Bruder.

John erkannte Magdalene ſofort. Erſcheinen vor allen Gäſten Claes Skandal bereitet, der für den eiteln Mann im höchſten Grade verletzend ſein mußte.

Die Menſchen ſind jedoch, zum Glück für ſich ſelbſt und Andere, egoiſtiſch genug, um, wenn ſie zu einem Ball einge⸗ laden ſind, ihr eigenes Vergnügen über alles Andere zu ſtellen. Dies brachte jetzt den Vortheil mit, daß Magdalenens Er⸗ ſcheinung und Anrede ſo gut wie gar keine Unterbrechung des Balles verurſachte, der einen ungemein lebhaften Verlauf hatte.

Die Worte der alten Frau wurden über der Freude des Augenblicks vergeſſen; ganz gewiß aber erinnerte man ſich derſelben und beſchäftigte ſich damit, wenn man am nächſtfol⸗ genden Tag das Feſt des reichen Vanquiers kritiſirte.

Während die älteren Herren ihr Spielchen machten, die jüngeren Leute tanzten und die Matronen converſirten, ent⸗

fernte John Gratten ſich und lenkte ſeine Schritte die Treppe

hinunter und nach Richardſon's Wohnung.

Ein ſchwacher Lichtſtrahl drang aus dem innern Zimmer, als John in das äußere trat. Alle Möbel waren ſchon fort⸗ geſchafft; nur ein Tiſch, auf dem der Leuchter mit dem Licht ſtand, war noch da.

An dieſem Tiſche ſtand Magdalene und las ein Papier von ſonderbarem Ausſehen. Es ſchien im Feuer gelegen zu haben. Ein Knabe von etwa acht Jahren ſtand neben ihr

und blickte neugierig in das Geſicht ſeiner Großmutter empor.

John Gratten trat ein.

Magdalene ſah auf. Als ihr Blick ſich auf John's ſtolzes Geſicht heftete, begann ihr Auge vor Zorn zu funkeln.

Was ſuchen Sie hier? fragte ſie.So lange ich noch hier auf Erden weile, iſt dieſe Wohnung meine und über meiner Schwelle ſoll kein Gratten treten.

Magdalene, unterbrach John die Alte,verſucht doch ruhig zu ſein. Ich komme um zu hören, worüber Ihr Euch zu beklagen habt. Hat man Euch übervortheilt, ſo werde ich Euch zu Eurem Rechte verhelfen.

Sie wollen mir zu meinem Rechte verhelfen? fiel Mag⸗ dalene ein.Können Sie die arme Frau wieder erwecken, die Ihr Bruder um's Leben gebracht, weil er meine Kinder von mir vertreibt? Nein, das Leben können Sie nicht zurück⸗ kaufen, wenn Sie auch ihr ganzes Vermögen darum gäben. Verlaſſen Sie mich daher. Auch ich werde aus dieſer Woh⸗ nung gehen, aber ich nehme die Schlüſſel mit und die Er⸗ innerung an das, was die Söhne des reichen Gratten mir zugefügt, werde ich mit in's Grab nehmen. Und nun fort von hier!.

Noch nicht, ſagte John ruhig.Mein ſeliger Vater ſicherte Euch eine jährliche Unterſtützung von dreihundert Thalern und den Gebrauch dieſer Wohnung zu. Mein Bru⸗ der hat Euch gezwungen, letztere zu verlaſſen. Wohlan, zum Erſatz dafür ſollt Ihr von mir eine fernerweite Unterſtützung von dreihundert Reichsthalern erhalten, wodurch der Schaden, den Ihr durch den Verluſt der Wohnung erleidet, reichlich ausgeglichen wird. Es ſoll von der Familie Gratten nicht geſagt werden, daß ſie ihre Verbindlichkeiten vergeſſe.

Magdalene preßte die Lippen zuſammen, um die Worte zurückzuhalten, die heraus wollten. Sie ſah Vohn ſchweigend an. Da auch er ſchwieg, ſo ergriff ſie ihren Hand, bückte ſich zu ihm herunter und ſagte:

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Sein oder Nichtſein. Roman von Marie Sophie Schwartz. 5

Der, welcher ſich Claes Henrik am nächſten befand, war ſein

Sie hatte durch ihr Henrik's dieſem einen den Sie daher weiter keine Worte an mich.

Folke, betrachte Dir dieſen Herrn genau, damit Du ih erinnern kannſt, wie er ausſieht. Er hat deiner Großme Geld zur Entſchädigung dafür geboten, daß ſein Bruder Dme Mutter um's Leben gebracht hat. Sein Name iſt Griten Friere und hungere, ja ſtirb lieber, als daß Du gnaß von den Menſchen annimmſt, welche dieſen Namen trugen Wenn Du groß biſt, ſo haſſe dieſe ganze Familie. Tein Mutter iſt nicht die Erſte, welche von der Bosheit dieſe Menſchen zu leiden gehabt. Vergiß daher niemals, Gott zu fürchten und zu lieben, die Familie Gratten aber zu verachte! und zu verabſcheuen. Verſtehſt Du?

Ja, Großmutter, antwortete der Knabe und ſah der ſtolzen Herrn mit kindiſch herausforderndem Blick an.

Magdalene richtete ſich zu ihrer vollen Länge empor um rief zu John gewendet:

Sie haben meine Antwort gehört, Herr Gratten. Was Ihr Vater mir gegeben hat, iſt mein. Er war ſchuldig, 6 mir zu geben; ein Mehreres nehme ich nicht an. Verſchwel⸗ en Sie ſollten doh wiſſen, daß Magdalene nicht nachzugeben pflegt. Sie könnm ſich nicht freikaufen von dem Haß, der ſich von miß auf aeine Kinder und Kindeskinder bis auf deren Nachkomm wird. Wer weiß, was für Früchte er einmal in tragen wird;

John entfernte ſich, ohne etwas Weiteres zugefte Er begab ſich wieder zurück in die feſtlichen Salonsmaufhörlich aber klangen ihm Magdalenens Worte in den hren⸗

Wer weiß, was für Früchte er einmal der Zukunſt

Seine Gefühle kamen dadurch ga aus dem Gleichge wicht und er ſah bald ein, daß das Be, was er thun könnte

ing er; ſeiner Tochter hinein den G neigte ſich über da ch

heil, welches über dem ſchwebte, nicht erwehren. Er fuhr ſi die Stirn und murmelte: 1 Was iſt das für eine Schwäche! Was kann wohl die Drohung eines ſolchen alten Weibes zu bedeuten haben? Er legte ſich zur Ruhe, am nächſtfolgenden Morgen abe beſuchte er ſeinen Bruder Claes Henrik und die Verſöhnung zwiſchen den beiden Brüdern ward wieder rückgängig. G fielen Worte, welche die Folge hatten, daß die Brüder kün tighin in vollkommener Abſonderung von einander lebten.

1 In dem Todtengräbergäßchen ſtand zu jener Zeit eiſ kleines, aabangeſtrihehee, hehd Haus, welches mehrel Monate unbewohnt geweſen. In dieſes Haus hatte On Richardſon die Leiche ſeiner verſtorbenen Frau zwei Stunden nachdem ſie ihren letzten Seufzer ausgehaucht, 9 dieſe Wohnung ließ Magdalene ihre wenigen t ſchaften bringen, und begab ſich nach der Unterredung u John Gratten ſelbſt dahin.* In der kalten und etwas düſtern Wohnung fand ſie O an dem Bett ſtehen, worauf er Anna's lebloſen Körper gele Sein Schmerz war zu groß, um ſich in Worten od Klagen kund zu geben. Zugleich war dieſer Schmerz mi einem ſo hohen Grade von Erbitterung n de ſeines Unglücks gemiſcht, daß ſelbſt die Neligion ihm kemnen

nkel bei der Troſt zu gewähren vermochte. blieb dehn und betrachtete ihren Sohn eine

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