Jahrgang 
1 (1867)
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Sein oder Nichtſein. Roman von Marie Sophie Schwartz. 3* ein unermeßliches Vermögen geerbt, ſondern beinahe noch mehr Ove's ſanfte, friedfertige Frau ſprach oft den Wunſch deshalb, weil er durch ſeine Geſchicklichkeit als Kaufmann, aus, doch lieber auszuziehen; aber davon wollte ihre Schwie⸗ ſeine glücklichen Speculationen, ſeine bekannte Redlichkeit und germutter durchaus nichts hören. Ove war einigemal krank ſo weiter ſich Vertrauen erworben und dadurch die Reich⸗ geweſen; ihre Einkünfte waren dem

zufolge gering und Mag⸗ thümer, die er bereits beſeſſen, verdoppelt hatte. dalene meinte, da die Wohnung einmal ſo lange ſie lebe Er führte kein großes Haus und ſuchte nicht durch Feſt⸗ ihnen gehöre, ſo würde aus dem Ausziehen nichts. lichkeiten zu glänzen, ſondern lebte ausſchließlich ſeinen Ge⸗ Die Verfolgungen von Seiten der reichen Familie hatten ſchäften. gleichwohl während des letzten Jahres, wo auch Arthur Als er ſich verheirathete, nahm er ſich ein unbemitteltes, Gratten ſich dabei betheiligt, einen ſolchen Charakter

etheil ange⸗ aber gut erzogenes Mädchen zur Frau. Er war reich genug, nommen, daß es ausſah, als ob der arme Tiſchlergeſell es

um ſein Augenmerk blos auf den wirklichen Menſchenwerth unmöglich noch lange würde aushalten können, und es ließ richten zu können, den das Weib beſaß, welches die Freuden ſich annehmen, daß er durch den Peitſchenhieb, den er dem und Leiden des Lebens mit ihm theilen ſollte. jungen Arthur in's Geſicht verſetzt, die Sache auf's Aeußerſte Die beiden Brüder waren nach dem Tode ihres Vaters getrieben hatte. Geſchäftscompagnons geweſen; als John aber die Gouver 1 nante der Kinder eines Banquiers heirathete, führte dies zu In der erſten Etage des großen ſchönen Hauſes finden einem Bruch zwiſchen den Brüdern. Die Firma löſte ſich wir Frau Florence Gratten. Sie ſaß eben an ihrem Toiletten⸗ auf und jeder bildete ſich eine neue. tiſch, als Arthur mit der Schwiele von dem Peitſchenhiebe John Gratten ward inzwiſchen allgemein als der Nehſee im Geſicht hereintrat. von Beiden betrachtet, trotzdem daß Claes Henrik mit ſeiner Florence, die ſich äußerlich ſehr wohl conſervirt, hatte Frau Vermögen bekommen hatte. Erſterer hatte nämlich, ſeit⸗ ihrer Zofe eben beſohlen, ihr das Haar auf verſchiedene dem die Brüder ſich getrennt, ſo glänzende Geſchäfte gemacht, Weiſe zu ordnen, damit ſie dann beurtheilen könnte, welche daß man mit gutem Grund annahm, er habe ſein Frbtheil ſie am beſten kleidet. mehr als verdoppelt. Sie wollte dieſen Abend einen Ball geben und es war Glücklich in ſeiner Ehe und glücklich in ſeinen Geſchäften, daher für ſie etwas ſehr Wichtiges, zu ermitteln, wie ſie ſich ſchien John keinerlei Urſache zu haben, ſeinen Bruder um coſtümiren müſſe, um ihre Schönheit richtig zur Geltung zu etwas zu beneiden; gleichwohl aber gab es etwas, was in bringen. Eben war es ihr gelungen, hierüber zur Gewißheit ſeinem Herzen dies Gefühl wach rief. zu kommen, als die Thür aufgeriſſen ward und ihr Sohn John hatte nämlich ein einziges Kind und zwar eine ohne weitere Umſtände eintrat. Tochter, Claes Henrik enen zwei Söhne.Mama, rief er,wenn Richardſon nicht ſoſort aus dem Der Anblick ſeiner Neffen verſetzte daher John allemal Hauſe geworfen wird, ſo ziehe ich fort! in ſchlechte Laune und nach dem Bruch mit ſeinem BruderMein Gott, Arthur, wie Du mich erſchreckſt! entgeg⸗ wich er dem Umgang mit der Familie ſo viel wie möglich nete Florence, indem ſie ein Flacon von der Toilette nahm aus. Er fand es bitter, eine ſolche Firma wie die ſeinige und ſich an die Naſe hielt.Haſt Du Dir vorgenommen, nicht einem männlichen Erben hinterlaſſen zu können, und, mir Krämpfe zuzuziehen?

Du weißt, daß ich allemal ſo⸗ wenn er alt würde, keinen Sohn zu haben, den er an die gleich krank werde, wenn Du nur den Namen dieſer Men⸗ Spitze des Geſchäfts ſtellen könnte. ſchen nennſt. Du ſollteſt doch ſelbſt einſehen, wie meine Ner⸗

Seine Margarethe das heißt ſeine kleine Tochter ven leiden, wenn ich fortwährend von der Unverſchämtheit war allerdings das ſchönſte Kind, was es auf Erden geben dieſer Perſonen hören muß, welche konnte, aber was half das? Sie konnte doch nicht ſpäterEs iſt jetzt ſo weit gekommen, daß dieſer elende Kerl einmal das Geſchäft übernehmen. mich in's Geſicht geſchlagen hat, unterbrach Arthur ſeine

Bei der Erbtheilung nach dem Tode des alten Banquiers Mutter.Sieh' mich an: Gratten war das Haus auf der Regierungsſtraße auf Claes Ich bin von den Peitſchenh Henrik's Antheil gekommen. Mit dieſem Haus aber mußte entſtellt. Damit aber nicht genug, hat er auch gewagt, zu derſelbe zugleich ein Inventarium übernehmen, was ihm nicht drohen, Deinen Sohn zu ermorden. wenig zur Plage gereichte.O mein Gott, was hör' ich! kreiſchte Florence, ſprang

Dieſes Inventarienſtück beſtand in der Wittwe des ver⸗ auf und ſank dann ohnmächtig wieder auf den Stuhl nieder, ſtorbenen Kulſcher⸗ ſeines Vaters, der alten Magdalene. Die⸗ obſchon ſie dies mit einer gewiſſen Vorſicht that. ſelbe war Claes Henrik's Amme geweſen und ihm lag nun Die Zofe beeilte ſich, ihrer Gebieterin ſofort die erfor⸗ in Gemäßheit des Teſtaments die Verbindlichkeit ob, ſie in liche Soegfalt zu widmen, Arthur aber warf ſich, ohne ſich ungeſtörtem Beſitze der Wohnung zu laſſen, die ſie ſeit Jahr⸗ weiter um ſie zu bekümmern, in einen Armſeſſel und wartele

ehnten innegehabt, ſowie ihr eine jährliche Penſion von 300 ruhig den Augenblick ab, wo es der Mutter belieben würde, Rreichsthaleri zu gewähren. wieder aus ihrer Ohnmacht zu erwachen.

Es war dies eine teſtamentariſche Verfügung, welche Als ſie den Kopf endlich langſam wieder emporrichtete, Claes Henrik nicht ſonderlich behagte. Es ward ihi ſchwer, begann der Sohn, ohne erſt zu fragen, wie ſie ſich befände, ſich damit auszuſöhnen, denn die Amme war eine Perſönlich⸗ zu erzählen, was ſich zugetragen. Er wich allerdings von keit, gegen die er gründlichen Widerwillen hegte. Nicht ge⸗ der Wahrheit nicht weiter ab, als inſoſern er derſelben nach⸗ wohnt, ſeinen Gefühlen Feſſeln anzulegen, ließ er die alte half und ſie verbeſſerte.

Frau die Abneigung, die er gegen ſie empfand, auch fühlen. Frau Florence weinte vor Schmerz und Zorn und gab

Gleich na dem Tode des Vaters machte er Magda⸗ dem Sohn die heiligſte Verſicherung, daß der unverſchämte lenen den Vorſchlag, ſie ſollte ausziehen, indem er ſich zugleich Kerl nicht vierundzwanzig Stunden mehr im Hauſe ſein, ſon⸗ anheiſchig machte, die Miethe für ſie zu bezahlen, daniit er dern gezwungen werden ſolle, ſofort auszuziehen, wodurch nur ihres ferneren Anblicks überhoben wäre. denn auch die Rachſucht des Jünglings vollkommen zufrieden⸗

Magdalene hatte jedoch hierauf geantwortet, ſie wolle geſtellt ward. keine andere Wohnung haben, ſondern beabſichtige in der zu Als Arthur ſich bleiben, welche ihr einmal überlaſſen worden, und worin ſie koſtbares Morgencoſtüm kleiden und ging dann, um ſich in ihren Sohn Ove geboren und erzogen. Es war dies eine ihrem Boudoir auf's Sopha zu legen. Sie mußte nach der Antwort, die den Banquier natürlich nur noch mehr gegen Ohnmacht und der heftigen Gemüthsbewegung ſich wieder er⸗ die alte Frau erbittert hatte. holen und Kräfte ſammeln.

Ove ward Tiſchlergeſell, verheirathete ſich und fuhr fort, Die Zofe erhielt Befehl, die Amme mit der noch kein bei ſeiner Mutter zu wohnen, war aber fortwährend Gegen⸗ ganzes Jahr alten Tochter hereinzuſchicken, damit die Mutter ſtand kleinerer oder größerer Verfolgungen und Behelligungen ihre kleine Agnes zu ſehen bekäme. von Seiten des Banquiers. So lange dieſelben nur gegen Die Amme fand ſich ſofort ein; nachdem aber die nerven⸗ ihn ſelbſt gerichtet waren, ertrug er ſie; als ſie aber auch ſchwache Florence die Kleine ein Paar Minuten lang geküßt auf ſeinen kleinen Sohn übergingen, da verlor er die Geduld. und geliebkoſt, waren ihre Kräfte wieder ſo erſchöpft, daß ſie

ſetzte er hinzu,wie ich ausſehe! ieben, die er mir verſetzt hat, ganz

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entfernt hatte, ließ Florence ſich in ein

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