hätten, um hier in ſtiller Andacht den irdiſchen Tand, nied⸗ rige Gewinnſucht und kleinlichen Egoismus zu vergeſſen und das Herz zu Gott zu erheben.
Als der junge Wanderer keine andern lebenden Weſen entdeckte, als zwei weidende Kühe, öffnete er das Pförtchen und trat in die Umhegung hinein. Mit zögernden Schritten näherte er ſich dem Fenſter, welches in den Garten ging, und lugte vorſichtig hinein.
Wir erlauben uns, ſeinem Beiſpiel zu folgen.
Die Stube war ſchön geſäubert und geputzt. Der Ka⸗ min war weiß getüncht und mit Laub verziert; der friſchge⸗ ſcheuerte Fußboden mit Tannenreis beſtreut und friſches Laub umgab Bilder und Wanduhr.
Anweſend in der Stube war blos Olle.
Er ſaß am Tiſch mit dem Rücken nach dem Fenſter ge⸗ wendet, durch welches der junge Mann neugierige Blicke warf. Vor ihm auf dem Tiſche lag ein Haufen Silber⸗ und Papiergeld, welches er ſortirte und zählte. Nach der Lang⸗ ſamkeit zu urtheilen, womit er das Geld hin⸗ und herlegte, ſchien es ihm großes Vergnügen zu machen, es zwiſchen ſei⸗ nen hageren Fingern herumzuwenden. Den Ausdruck ſeines Geſichts konnte man inzwiſchen nicht ſehen.
Nachdem er jede Sorte in kleinen Haufen aufgeſtapelt, rollte er das Silbergeld in Papier, band die Banknoten zu⸗ ſammen und legte eine Rolle und ein Bündel nach dem andern in ein danebenſtehendes Käſtchen.
Der Tiſch ward endlich leer.
Olle ſtrich mit der Hand darüber hinweg, wie um den Staub hinwegzuwiſchen, und nahm dann aus dem Schrank einen kleinen ledernen Beutel, deſſen Inhalt er ganz langſam ausſchüttete.
Bei dem Anblick des goldenen Metalls, welches nun ſichtbar ward, zuckte der Lauſcher zuſammen.
Bis jetzt hatte er dem allgemein für arm geltenden Weber Olle mit verwundeter Neugier zugeſehen, nun aber geſchah es mit heimlichem Gelüſt. Von Zeit zu Zeit fuhr er ſich mit ſeinem Taſchentuch über die Stirn, um ſich die großen Schweiß⸗ tropfen zu trocknen, welche der Anblick des Goldes ihm aus⸗ preßte. Er war bleich und ein nervöſes Zittern durchrieſelte ſeinen Körper.
Mit noch größerer Sorgfalt, als er vorher an den Tag gelegt, wog Olle jede Münze, wendete ſie um und betrachtete ſie. Das Zählen der Dukaten ging ſehr langſam und es whar ihm wahrſcheinlich leid, daß er ſie wicder verſtecken mußte.
Auch hielt er den kleinen, dunkelfarbigen Lederbeutel eine Weile in der Hand und ſchüttelte ihn, ehe er ihn wieder in den Kaſten legte.
Die Glocken in der Stadt verkündeten, daß der Gottes⸗ dienſt beendet war.
Der junge Maun zog ſich ſchnell vom Fenſter zurück und hinter die Ecke, wo einige Gebüſche ihn verbargen.
Olle, der das Läuten auch gehört, beeilte ſich nun, das Käſtchen zuzuſchließen, nahm es unter den Arm und verließ damit Stube und Haus. Schnell ſchritt er über den kleinen Platz, der das Wohnhaus von dem Viehhofe trennte, und verſchwand hinter der Thür des Viehſtalles. Nachdem er in dieſem einige Minuten verweilt, kam er wieder heraus und kehrte dann in das Haus und in das Zimmer zurück, wo er ſich auf das Bett warf.
Der Lauſcher hinter der Ecke verließ ſein Verſteck und entfernte ſich mit raſchen Schritten.
Es war Nacht.
Der ſonnige, milde Auguſttag war in eine ſtürmiſche und regneriſche Nacht übergegangen. Es war ein Uhr, als Kirſti plötzlich durch den heftigen Regen aufgeweckt ward. Sie ſetzte ſich im Bett empor. Es kam ihr vor, als ob das Zimmer durch einen Blitz erleuchtet worden wäre. Sie horchte, vernahm aber keinen Donner, obſchon es bald darauf wieder blitzte. War es vielleicht bloßes Wetterleuchten? Kirſti ſchien das nicht für wahrſcheinlich zu halten. Sie ſprang vielmehr aus dem Bett, warf einen Rock über und murmelte:
„Vielleicht iſt Jemand im Stall; es ſah aus, als ob das Licht von dort her käme.“
Sie ging hinaus, um ſich davon zu überzeugen.
Der Regen ſtrömte und der Sturm heulte.
Es ward zwei und auch drei; der Tag begann zu grauen, das Unwetter hörte auf, Kirſti aber kam nicht wieder zurück.
Gegen fünf Uhr erwachte Olle. Er ſah ſich nach der ſtets wachſamen Hausfrau um, welche gewöhnlich ſchon um vier Uhr auf zu ſein pflegte. Sie war aber nicht da, und nichts in der Stube verrieth, daß ſie in Bewegung geweſen. Auf dem Stuhle lagen ihre Kleider.
Olle warf ſich in ſein Arbeitscoſtüm und ging hinaus.
„Kirſti!“ rief er.
Keine Antwort.
„Vielleicht iſt ſie bei dem Vieh.“
Mit dieſen Worten ging Olle weiter nach dem Viehhofe. Die Stallthür ſtand weit geöffnet. Olle wollte hineingehen, blieb aber plötzlich ſtehen. Vor der Schwelle lag Kirſti ausgeſtreckt auf dem Boden, kalt, bleich und leblos.
Olle faßte ſie an und rüttelte und ſchüttelte ſie, ohne jedoch dadurch eine Veränderung zuwege zu bringen. Sie blieb todt und kalt; ſie konnte nicht zu einem Leben zurück⸗ gerufen werden, aus welchem ſie ohne Einwirkung einer äußern Gewalt geſchieden zu ſein ſchien.
Bald gab Olle auch alle Verſuche, ſie zu erwecken, auf. Er hatte, als er den ſteifen Körper aufhob, denſelben ſofort mit einem Schrei der Verzweiflung wieder fallen laſſen und war nach einem aufgebrochenen Bret des Fußbodens geſtürzt, worauf zufällig ſeine Augen gefallen waren. 1
Was war für ihn in dieſem Augenblick Kirſti, ihr Leben oder Tod? Gar nichts.— Ein viel größeres, gräßlicheres Unglück gähnte ihn aus der aufgebrochenen Diele heraus an. Hier hatte er ja ſo viele Jahre lang ſeinen im Stillen ge⸗ ſammelten Schatz verſteckt gehalten und nun— nun war derſelbe geraubt!
Olle warf ſich über die Oeffnung und begann unter dem wildeſten Geheul nach dem geraubten Käſtchen umherzutaſten; es war aber nicht mehr da.
Der beſtohlene Olle, der niemals für etwas Anderes gelebt oder etwas Anderes geliebt als dieſes Geld, verlor aus Verzweiflung über den Verluſt deſſelben den Verſtand.
Wer hatte ihm dieſes Geld genommen? Wo ſollte er den Dieb finden?
Kirſti hätte es ſagen können, aber Kirſti war todt und nahm das Geheimniß des Diebſtahls mit in's Grab.
Es dauerte nicht lange, ſo miſchte ſich das Weinen eines Kindes mit in das Wehklagen des Vaters. Es war die kleine Lena, die mit ihren Thränen und Küſſen die Mutter wieder in's Leben zurückzurufen verſuchte. Der Tod iſt aber unerbittlich und giebt das, was er einmal in ſeine Arme ge⸗ ſchloſſen, nicht wieder heraus.
Wer ſoll nun für die Kleine arbeiten?
Der Vater, der aus Verzweiflung über den Verluſt ſei⸗ nes Goldes wahnſinnig geworden iſt?
Dennoch wollen wir annehmen, daß Der, welcher für uns arme Erdenwürmer ein Vaterherz beſitzt, in ſeiner Güte ſich auch über die Tochter der fleißigen, arbeitſamen und redlichen Mutter erbarmen wird.
Erſte Abtheilung.
„Wäre es nicht am klügſten, wenn Ove von hier fort⸗ zöge?“ ſagte die kranke Frau des Tiſchlergeſellen Richardſon zu ihrer Schwiegermutter Magdalene Richardſon.
„Was das für ein Geſchwätz iſt!“ rief Frau Richardſon. „Willſt Du, daß Ove deshalb fortziehe, weil der Banquier ein empfindlicher, eingebildeter Eſel iſt?— Nein, nein, daraus wird nichts. Wir haben Widerwärtigkeiten genug durchzu⸗ machen gehabt und wegen ſolcher Lappereien verläßt man eine freie Wohnung nicht. Mit Eurem Auskommen ſteht es ohne⸗ hin knapp; was ſoll aber erſt werden, wenn Ihr auch noch Miethe bezahlen müßt! Pier iſt mein Recht zu wohnen und hier darf ich auch meine Kinder bei mir haben; ich laſſe mir
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icht Ang iie alte all gähn Mag Reichthum erbaulich die Schw ehr betri⸗ i„Ab dem Bar dern ſchl Worte e und ſo ſer zu hir i durch da⸗ dazwiſchen Flüche un töſe kam aus dem „Ac Folke!“: „N ſchon dro dalene! Bett. Der ſpiel da ein Joch jährigen gekleidet zurückge den ſchre recht gr Vo ein hocl er dem geſtreckte und rief
„D Banguie haben.“


