Jahrgang 
1 (1867)
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7 Lady Adelaide's Schwur. Roman von Mrs. Henry Wood. 8

für mich herübergebracht hatte. Dane, es ſind Zurückberu⸗ fungsbriefe. Meine Frau iſt von einer plötzlichen Krankheit befallen worden, und wir kehren in aller Eile wieder um.

Aber Sie werden ſicherlich eine Weile bei mir bleiben wenigſtens einige Tage?

Ich kann wirklich nicht. Entſchuldigen Sie die ſchein⸗ bare Unhöflichkeit, Dane. Da die Nacht hier anlegte, wollte ich nicht wieder abgehen, ohne daß ich einen Verſuch machte, Sie zu ſehen, aber

Sie legten alſo nicht abſichtlich hier an? rief Kapitän Dane im Tone des Vorwurfs.

Der Steuermann der Nacht hielt an, weil er ſich nicht zu helfen wußte. Wir ſtießen geſtern Abend auf ein einfältiges Barkſchiff und erlitten einigen Schaden: nicht der Mühe werth, davon zu reden in ein paar Stunden iſt Alles

. hruoeſtoli Spazieren Sie mit mir hinab und beſchauen Sie dieſelbe.

Sie wollen alſo nicht zuvor in das Schloß kommen und ſich meiner Familie vorſtellen laſſen?

Dieſen Nachmittag wohl, antwortete der Amerikaner, indem er ſeinen Arm unter den ſeines Freundes ſteckte und ihn nach dem Dorfe hinabführte, vor welchem die kleine Bai

ſich ausdehnte.Sie haben Ravensbird noch immer bei ſich,

wie ich ſehe?

O ja, er iſt niet⸗ und nagelfeſt. Sie haben ihn im Schloß nicht gern: er ſcheint ihnen zu unabhängig. Mir ſteht er an und beſitzt außerdem mein Vertrauen.

Wer war das hübſche Mädchen, mit dem Sie vorhin gingen?

Die Wangen des Kapitäns überzogen ſich wie die eines Schulmädchens, pnrpurroth. Die Liebe regte ſich mächtig in ihm.

Es war Adelaide Errol.

Ich dachte ſo. Und wann wollen Sie von ihr Beſitz ergreifen? wie wir von andern Dingen zu ſagen pflegen.

Dies mit einiger Gewißheit anzugeben, iſt unmöglich,

antwortete der Kapitän, indem ein zärtliches Lächeln un ſeine

Lippen ſpielte.Sie iſt eine launenhafte kleine Schönheit, ſo launenhaft, wie Ihre Yacht, Moncton, und geht zuweilen

krumme Wege. Es wird wohl dieſes Jahr einmal geſchehen.

Und werden Sie das Neue Land nicht mehr beſuchen?

Noch einmal und ſie mitbringen, hoffe ich. Es müſſen Anordnungen getroffen werden, um mein

In dieſem Augenblick holte ſie Mr. Herbert Dane ein, mit ſeiner Angelruthe noch in der Hand. Er ſchlenderte an ihrer Seite hin, indem er einige leere Redensarten ausſprach, aber Kapitän Dane munterte ihn augenſcheinlich nicht auf, ſo wenig wie er ihn ſeinem Freunde vorſtellte. So ging Herbert Dane ſeines Wegs.

Der Gentleman iſt ein Verwandter von Ihnen, glaube ich, bemerkte Oberſt Moncton.

Ein Couſin. Sein Vater war der ehrenwerthe Herbert Dane, Lord Dane's Bruder; aber der ehrenwerthe Herbert hat ſein Geld vergeudet, und Sohn und Töchter beinahe bet⸗ telarm hinterlaſſen. Ohne einer, Miß Dane geſicherte, Rente würden ſie nicht genug zum Leben haben. Ich glaube in⸗ deſſen nicht, daß dies für Herbert auf die Dauer viel zu be⸗ deuten hat; er beſitzt daſſelbe Talent zum Verſchwenden wie ſein Vater, und würde unvermeidlich Alles durchgebracht haben, wenn jener es nicht ſchon gethan hätte. Eine Goldmine, mehr oder weniger, wäre nichts für ihn, wenn er ſie in ſeine Finger bekäme.

Wohnt er auf dem Schloſſe?

Durchaus nicht. Ich will Ihnen ſogleich zeigen, wo er lebt. Das Schlimmſte, was ſein Vater für ihn that, war, daß er ihn zu keinem Beruf beſtimmte. Die Kirche, der Gerichtshof, der Civildienſt ſind rechtmäßige Auskunftmittel für einen armen Mann von Fanillie; die Armee iſt es kaum, weil hierbei ohne Privatvermögen nicht auszukommen möglich iſt. Es thut mir im Ganzen leid für Herbert, obwohl ich ihn nicht eben gut leiden kann.

Während er bei dieſen Worten in einen grünen Feld⸗ weg rechts einlenkte, welcher zu drei oder vier Häuſern führte, machte Kapitän Dane vor einem derſelben Halt, einem kleinen, niedrigen, mit Epheu bedecktem Gebäude. Es war ein hübſcher

Wohnplatz, obgleich wenig größer als eine Bauernhütte; vor demiſelben ein grüner Raſenplatz mit einigen Beeten anſpruchs⸗ loſer Blumen.

Dies iſt ſein Haus, und hier vegetirt Herbert, indem er nichts in der Welt thut, als ein Bischen ſiſchen oder einmal auf die Jagd gehen. Das Haus gehört ihm, und er und ſeine Schweſter wohnen hier ein liebevolles, närriſches Mädchen, welche ihn für ein Muſter von Vollkommenheit hält. Sie hat dreihundert Pfund jährlich eigen, und Herbert hat etwa einhundert, und ſo

Welche weitern Enthüllungen Kapitän Dane auch gemacht haben möchte, ſie wurden ſummariſch abgeſchnitten. Eine junge Dame, mit einer Fülle von Ringellocken und ſehr roſi⸗ gen Wangen, kam auf dem Gartenwege daher gelaufen, riß das kleine eiſerne Gitter auf und faßte ihn am Arm. Sie war in ein dünnes, luftiges Gewand gekleidet und hatte die kindlichſten Manieren von der Welt.

O, Harry, ich bin recht froh, daß ich Dich ſehe! Dieſen

Nachmittag gehe ich, wie Du weißt, auf einige Wochen fort.

Du hatteſt verſprochen, geſtern Abend zu kommen und mir Lebewohl zu ſagen.

Es war mir unmöglich, Cäcilie. Oberſt Moncton, Miß Dane.

Miß Dane machte einen Knicks, lächelte etwas blöde und erröthete, fuhr mit den Händen nach den Spitzen ihrer Haar⸗ locken und war verlegen beim Anblick des Fremden. Aber Kapitän Dane hatte dieſen Morgen keine Zeit, ſich mit ihr abzugeben. Er wünſchte ihr einen angenehmen Beſuch und ging weiter.

Arme Cäcilie! lachte er, ſeinen Arm wieder in den ſeines Freundes legend;ſie iſt eine gutherzige kleine Seele, hat aber nicht ſonderlich viel Verſtand.

Sie marſchirten durch das Dorf und erreichten die kleine Bai ſo klein, daß ſie für Schiffe von einigem Umfang untauglich war wo die Racht lag. Ein ſchönes Fahrzeug war dieſe amerikaniſche Nacht; ſie hieß die Perle und war im gegenwärtigen Augenblick der Stolz von Moncton's Leben.

Er war ein Freund von friſchem Zeitvertreib und friſchem

Spielwerk; und da er ſich in guten Vermögensumſtänden be⸗ fand, ſo durfte er ſich ſchon erlauben, ſeine Liebhabereien zu befriedigen.

Mittlerweile war Mr. Ravensbird in das Schloß ein⸗ getreten und ſuchte eine Geſellſchaft, nach welcher er ſich ſehr gern umſah, nämlich die von Adelaide's franzöſiſchem Kammer⸗ mädchen, Sophie Deffloe. Er war ein etwas finſterer, blaß⸗ gelber, ſtrengausſehender Mann, häßlich auf den erſten An⸗ blick, aber nichts deſto weniger mit einem ehrlichen Geſichte und einem freundlichen Ausdruck in den durchdringenden blauen Augen. Im Schloſſe wunderte man ſich, was die hübſche Sophie in Richard Ravensbird ſehen könnte; aber häßliche Männer finden oft die größte Gunſts bei Frauen, wie alle Welt weiß. Er war in Folge eines Auftrags von ihr eben im Städtchen geweſen, und ſie pflegte nur ihn zu dergleichen zu verwenden.

Hier iſt, was Sie begehrten, Mamſell Sophie, ſagte er, ein kleines Paket auf den Tiſch legend.Ich hoffe, es

Sophie öffnete das Papier und nahm deſſen Inhalt, drei oder vier Ellen von einem zollbreiten Band, heraus. Sie war ein ausnehmend nettes, ſchmuckes, Mädchen, ihr ein⸗ facher, wenig auffälliger Anzug zeugte von vollkommenem Geſchmack. Ihre Phyſiognomie war keck, ihr Auge dunkel⸗ grau, und Kopf und Haar hätten das Glück eines Friſeurs in ſeinem Fenſter machen können...

Sie ſtampfte muthwillig mit dem Fuße, als ihr Blick auf das Band fiel.

Ob ich je ſo etwas geſehen habe! rief ſie und ſie ſprach ſehr geläufig engliſch, wenn auch mit einem fremden Accent. 23) hieß Sie mir vier Ellen blaues Band kaufen, und Sie bringen mir purpurrothes! Ich habe Ihnen fünfzig und aber fünfzig Mal geſagt, Sie beſitzen kein rechtes Auge für Farben.

Ravensbird lachte. Ihr Schelten war ihm lieber als ein Lobſpruch von Andern, und Mademoiſelle Sophie wußte, daß dem ſo war, und nahm ſich darauf Manches heraus.

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