(NReeccht beſaß!“
können, hielt das Bekenntniß noch auf
„Ach, Otto, Du haſt mir damals das tiefſte Herz erſchüttert, und nur die Furcht, es nicht ungeſtört vor Dir ausſchütten zu meinen Lippen zurück! Wir hatten nur Minuten des Alleinſeins vor uns, am nächſten Tage war ich Dein, da wollte ich Dir Alles ſagen— das ge⸗ lobte ich mir heilig, als Du mich ſo innig bateſt, immer offen gegen Dich zu bleiben! Aber denke an die Worte, Otto, die Du eine Stunde ſpäter zu mir ſprachſt, nachdem Dein Freund der anonymen Briefe erwähnt hatte! Es waren harte Worte! Du ſagteſt mir, nie würdeſt Du auf den Beſitz einer Liebe Werth legen, die ſich Dir unverlangt geboten— im Gegentheil! Du ſagteſt mir, daß Du mich gerade deshalb liebteſt, weil mein Herz ſich nimmermehr ausbieten würde, wie ein herrenloſes Gut! Dieſe Worte fielen wie Donnerſchläge in mein Gemüth und blie⸗ ben von dieſer Stunde an der Gifttropfen in meinem Glück. Nie ſollteſt Du die Wahrheit erfahren, wenn es von mir abhing, das ward mein feſter Entſchluß! Ruhe fand ich darum doch nicht — ich kam mir vor wie eine Verbrecherin, ſo oft Du Worte der Liebe, des Vertrauens an mich richteteſt, ich genoß mein Glück mit Angſt und Zittern, wie ein geſtohlenes Gut, auf das ich kein
„Daß Du gegen mich geſündigt haſt, leugne ich Dir nicht,“ ſagte Otto ernſt, als ſie ſchwieg.„Hätte ein Zufall mich entdecken laſſen, was ich bis heute nicht ahnte, ſo würde ich Dein Schwei⸗ gen, Dein Verhehlen vielleicht ſchwer vergeben haben! Gott ſei Dank, daß endlich das Vertrauen ſiegte, daß Du den Muth ge⸗ funden haſt, mir wahr zu ſein— meine Eliſabeth, mein Weib!“
„Weiß Gott, ob ich zum Entſchluß gekommen wäre, ohne den heutigen Tag!“ rief die junge Frau,„ohne die Folgen des neuen unwahren Schrittes, den ich kürzlich wieder gewagt!“
„Du ſprichſt von der Zuſendung des Kreuzes an mich?“ fragte Otto geſpannt.
Eliſabeth nickte.„Seit ich mich neulich halb gegen Dich verrieth, fühlte ich es klar, daß ich Dir Offenheit ſchuldig ſei, und der alte Kampf in mir ward wieder lebendig— in dieſem Zwie⸗ ſpalt meiner Seele that ich den letzten falſchen Schritt— ich ſchrieb Dir abermals, diesmal aber nicht, um Dich zu täuſchen, ſondern in der Hoffnung, mir das Geſtändniß zu erleichtern. In
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Bamberg kam mir plötzlich der Gedanke, das unſelige Kreuz als Hülfsmittel für unſere bedrängte Lage zu benützen. Ich hatte es, um jedem verrätheriſ Hochzeit an meine dortige Freundin geſandt und ſie gebeten, mir das verſiegelte Päckchen zu bewahren, bis ich es ſelbſt zurückfordern würde. Nun holte ich es bei ihr ab, ſchrieb dort die letzten Zeilen an Dich und gab es zur Poſt. Meine Hoffnung war, Du wür⸗ deſt mir den Empfang des Kreuzes vertrauen und vielleicht ein milderes Wort über die Geberin daran knüpfen, das mir Muth gab zu ſprechen!— Es kam ganz anders! Du verſchwiegſt mir die erhaltene Sendung— ich wußte ſie in Deinen Händen— Du gingſt nach Bamberg, ohne mir ein Wort geſagt zu haben! Mit Centnerſchwere fiel es mir nun auf's Herz, daß Du mir ge⸗ ſagt, Du wüßteſt, wer die Briefe geſchrieben! Was habe ich heute durchgerungen, Otto! Ich wußte ja nicht, zu wem mein unbeſon⸗ nener Schritt Dich führen, was daraus entſtehen würde! Eine Ahnung, daß ich Dich verlieren könnte, ſtieg ſchreckensvoll in mir auf, und tief empfand ich, daß ich nicht unverdient litt! Erſt heute ward meine wirkliche Schuld gegen Dich mir völlig klar, und ich gelobte mir's hoch und heilig, Dir wahr zu ſein, heut und in alle Ewigkeit!“
„Laß mich die Thränen von Deinen lieben Augen küſſen!“ rief Otto tief ergriffen.„Erſt jetzt biſt Du ganz die Meine, mit Herz und Seele!“
Lange hielten die Glücklichen ſich umſchloſſen, ein Hauch jener Seligkeit, die den Sterblichen nur für kurze, unvergeßliche Mo⸗ mente gegönnt wird, flog mit Geiſterſchwingen über ſie hin.
Als ſie ſich endlich ließen, ſagte Otto mit einem ſcherzenden in dem noch die tiefſte Bewegung nachzitterte:„Nun aber
Ton, wie Du es einſt im Sinne
ſollſt Du Dich für mich ſchmücken, hatteſt!“ Er öffnete das Etui und knüpfte das Sammtband, welches durch den Ring des Brillantkreuzes gezogen war, um Eliſabeth's Hals. Mit leuchtenden Blicken ſah er ſie an, nie war ſie ihm ſo ſchön erſchienen! In bräutlicher Verwirrung, mit hoch erglühter Wange und geſenktem Auge ſtand ſie vor ihm— von Neuem ſchloß er ſie an's Herz und ſagte mit tiefer Empfindung:„Dein Erkennungszeichen hat uns doch zuſammengeführt!“
Hermann's Hort
Es war am 17. oder 18. October dieſes Jahres um die Mittagszeit, als ſich in der guten Stadt Hildesheim das Gerücht verbreitete, daß in der Nachbarſchaft ein großer Schatz gefunden worden ſei. Daſſelbe beſtätigte ſich, und bald war der Fund in Aller Munde. Wochenlang bildete er dann das Geſpräch der Stadt, das Räthſel, an dem alle Welt mit rieth, die Zufalls⸗ gabe, über deren Vertheilung jeder ſein Urtheil abgeben zu müſſen meinte. Und in der That war der Schatz ein der Beſprechung in weiten Kreiſen in ungewöhnlich hohem Grade würdiger Gegen⸗ ſtand. Denn abgeſehen davon, wie hoch man ſeinen Metallwerth taxirt hat, erwies ſich ſein Kunſtwerth als hüchſt bedeutend, und ſodann ſtammen die gefundenen Gefäße ohne Zweifel zum größten Theil und wahrſcheinlich alle aus der Zeit der erſten, römiſchen Kaiſer. Ja, wenn ein gewiſſes Stückchen Pergament nicht wäre, welches in einem der Gefäße gelegen haben ſoll, oder wenn ein gewiſſer Archivar, der auf dieſem Pergamentfragment ein gewiſſes neuhochdeutſches Wort las, nicht zu ſcharfe Augen gehabt hätte, ſo wäre
in Hildesheim.
Fuße des Galgenberges und Die Finder waren Soldaten,
gehört dem preußiſchen Fiseus. die hier einen Schießſtand aus⸗
gruben. In der Tiefe von neun Schuh ſtieß ihr Spaten auf eine hohle Stelle. Etwas wie ein Stück verroſtetes Metall kam zu. Tage. Unten in der Erde glänzte es wie Silberbruch. Die Leute
gruben vorſichtiger weiter, ner Gefäße zeigte ſich ihren überraſchten Blicken. Einzelnes war von der Feuchtigkeit zerſtört und gelangte nur in Bruchſtücken an's Licht, das Meiſte erwies ſich, nachdem es kunſtgerecht ge⸗ ſäubert war, als wohl erhalten, wozu die Reinheit des Metalles, welches nur einen geringen Zuſatz von Kupfer hat, weſentlich bei⸗ getragen haben wird. Kenner aber gaben ſchon auf den erſten Blick ihr Urtheil dahin ab, daß der Fund, deſſen Silberwerth jetzt auf etwa dreitauſend Thaler veranſchlagt wird, in Betreff des Kunſtwerthes der einzelnen Gefäße beinahe unſchätzbar ge⸗ nannt werden müſſe..
Eins ſtand zunächſt feſt: die gefundenen Vaſen, Schalen, Becher, Kandelaber, Tiegel. ꝛc., im Ganzen einige funfzig Stücke,
die Vermuthung nichts weniger als zu kühn, daß der gefundene Schatz, der beiläufig jetzt nach Berlin gewandert iſt, nichts Gerin⸗
geres ſei, als ein Theil der Beute aus der Befreiungsſchlacht im Teutoburger Walde, der Schatz eines der germaniſchen Häuptlinge,
die jene Schlacht mitſchlugen, vielleicht der Hort des Helden, der ihr oberſter Führer war, Hermann's des Befreiers alſo.
Die deutſche Gründlichkeit wird darüber bald auf's Reine kommen, und muß ſie dem bedächtigen Archivar Unrecht geben, ſo wird das deutſche Volk an dem Hildesheimer Fund einen ge⸗ radezu unvergleichlichen Schatz beſitzen, ein Kleinod erſten Ranges, ebenſo ſchön als ehrwürdig durch ſeine Beziehung zu einem der
größten Ereigniſſe unſerer Geſchichte. Der Ort, wo der Schatz gefunden wurde, liegt am weſtlichen
hatten das Küchen⸗ und Tafelgeräth eines Fürſten oder ſonſt eines vornehmen Mannes gebildet, und dieſe Anſicht iſt nicht angefoch⸗ ten und widerlegt worden. 1
Anders verhielt ſich's mit der Meinung, die man anfänglich über die Kunſtperiode hegte, welche dieſen Gegenſtänden ihre Ge⸗ ſtalt gegeben. Edle, der Antike entnommene Formen, wich Masken, trefflich erfundener Thier⸗ und Blätterſchmuck ließen auf
Arbeiten der Renaiſſancezeit, alſo auf Meiſter der erſten Hacis
des ſechszehnten Jahrhunderts ſchließen. Mehreres war offenbar von Künſtlern erſten Ranges geſchaffen, und man rieth bei einigen
beſonders vollendeten Stücken ſogar auf den Großmeiſter jener
Schöpferzeit, Benvenuto Cellini.
glorreichen Anſicht, die unter Anderem auch von dem hochgebilde⸗
Dieſe
chen Zufall vorzubeugen, gleich nach unſerer
und ſiehe da, ein reicher Schatz ſilber⸗
nn un eine die be An fſe tingen Fund


