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gelang es, zwiſchen den dichtgedrängten Schollen bis 75⁰° 19“ nördlicher Breite vorzudringen. Da aber brach abermals ein Sturm von Oſten aus, der die„Germania“ zwang ſich im dichten Eiſe feſtzulegen und vorläufig mit demſelben ſüdwärts zu treiben. Am 16. Juni klärte ſich zwar das Wetter wieder und man er⸗ blickte nun deutlich die nahe Küſte Grönlands bis zur Sabine⸗ Inſel vor ſich. Aber alle Anſtrengungen, ſich aus dem Eis⸗ gefängniß zu befreien, waren vergeblich. Erſt am 22. Juni, nachdem man willenlos bereits bis 73⁰ 31 nördlicher Breite und 166 9“ weſtlicher Länge zurückgetrieben war, lockerte ſich das Eis und nach ſchwerer Arbeit gelang es nun endlich wieder das offene Waſſer zu erreichen. Das Schiff hatte ſeine erſte Probe beſtan⸗ den, der erſte Kampf mit dem furchtbaren Polareiſe war durch⸗ gekämpft.
Wenige werden im Stande ſein, ſich eine richtige Vorſtellung von den Schrecken dieſes Kampfes und von den Anforderungen zu machen, die er an den Muth und die Geiſtesgegenwart des Seemanns ſtellt. Der berühmte Nordpolfahrer Hayes entwirft ein ergreifendes Bild von einem ähnlichen Kampfe, den er am Eingange in den Smithſund zu beſtehen hatte, und ich kann mich nicht enthalten, dieſe Schilderung hier einzuflechten, da ſie dem Leſer das beſte Verſtändniß der Schwierigkeiten giebt, an welchen ein Theil der Erfolge unſerer Nordpolexpedition ſcheiterte. Hayes hatte es während eines heftigen Sturmes verſucht, durch enge Canäle im Eiſe ſich in das jenſeits lockende offene Waſſer durch⸗ zuarbeiten. Aber die Eisflarden hatten ſich zuſammengedrängt, die Canäle verſchloſſen und ſelbſt den Rückgang verſperrt.„Die Scene um uns,“ ſchreibt er,„war ebenſo impoſant als beun⸗ ruhigend. Außer Erdbeben und Vulcanen giebt es in der Natur kein Schaufpiel, deſſen Gewalt ſich mit den arktiſchen Eisfeldern vergleichen läßt. Wo die Flarden zuſammentrafen, wurden große Bergrücken aufgeworfen, um wieder unterzutauchen, wenn der Druck in einer andern Gegend ausgeübt wurde, und dieſe pulſirenden Erhebungslinien, die in manchen Fällen eine Höhe von nicht weniger als ſechszig Fuß— höher als unſer Maſttop— erreich⸗ ten, ſprachen über das um uns liegende Meer hin von der Stärke und Macht des Feindes, der uns bedrohte. Wir hatten uns in einen dreieckigen Raum hineingearbeitet, den drei ſich berührende Eisfelder bildeten. Anfangs gab es reichlichen Platz uns herum⸗ zudrehen, wenn auch keine Ausſicht zum Entkommen war. Aber die Ecken der ſchützenden Flarden wurden langſam abgedrückt und der Raum verengte ſich mehr und mehr. Wir lauſchten auf das Knackern und Knirſchen des Eiſes und beobachteten mit Beſtür⸗ zung das Vorrücken deſſelben. Endlich berührte das Eis den Schooner und es ſchien, als ob ſein Schickſal beſiegelt wäre. Er ſtöhnte wie ein ſelbſtbewußtes Weſen bei Schmerz, krümmte und drehte ſich, als wollte er ſich ſeinem Gegner entwinden, und zit⸗ terte an allem Holzwerk von der Klote bis zum Kielſchwein. Seine Seiten ſchienen nachzugeben, ſein Deckgebälk bog ſich in die Höhe und die Nähte der Deckplanken öffneten ſich. Das Eis auf der Backbordſeite arbeitete ſich allmählich unter den Bauch des Schiffes und hob es endlich mit einem Ruck, der uns Alle taumeln machte, aus dem Waſſer. Da die Eisflarden noch immer vorwärts drück⸗ ten und, indem ſie ſich an einander drängten, zerbrachen, ſo ſta⸗ pelte ſich unter und rings um uns ein großer Bergrücken auf und wir ſahen uns langſam in die Luft ſteigen, als würden wir durch die hebende Kraft von tauſend Schrauben emporgetrieben. In dieſer Stellung lagen wir acht angſtvolle Stunden. Endlich hörte das Krachen auf; der Wind hatte ſich gewendet und die ungeheuren Eisflarden, die ſich den Sund hinabdrängten, richteten ihren Lauf mehr nach Weſten. Hier und da zeigten ſich in dem bisher dicht zuſammengepackten Eiſe kleine Fleckchen offenen Waſ⸗ ſers. Die Veränderung der Scene war, obgleich weniger furcht⸗ bar, doch nicht weniger zauberhaft als zuvor. Bald dehnte ſich die Bewegung auf die Eisflarden aus, die uns ſo unbehaglich
feſſelten, und ſowie der Druck aufhörte, wichen die Eisblöcke,
welche den vorderen Theil des Schooners trugen, und ließen, wäh⸗ rend die Buge ihnen folgten, das Hintertheil hoch in der Luft. So lagen wir einige Augenblicke ruhig, dann begann die alte Scene von Neuem. Die äußere Flarde, die uns hielt, wurde von einem anderen ſich bewegenden Felde von größerem Umfange erfaßt und wieder ging das Einzwängen los, wieder ſchienen wir in ſo großer Gefahr wie vorher zu ſein. Aber der Angriff war von kurzer Dauer. Die Flarde wälzte ſich um und wir fielen,
da der Druck faſt augenblicklich beſeitigt war, in's Waſſer und taumelten, während das Eis, ſein Gleichgewicht ſuchend, ſich kopf⸗ über und in wilder Verwirrung von ſeiner erzwungenen Erhebung unter uns ſenkte, vorwärts und rückwärts und von einer Seite zur andern.“
Das iſt nur eine der wilden und gefahrvollen Scenen, wie ſie ſich zu Tauſenden in dem Kampfe mit dem Treibeis des Polarmeeres ereignen. Solch ein ernſter Kampf war es auch, den unſre kleine„Germania“ bei ihrem erſten Verſuch, die grön⸗ ländiſche Küſte zu erreichen, zu beſtehen hatte. Aber ſie hielt ſich wacker und entging ſiegreich dem drohenden Untergange, wenn auch erſt nach vierzehntägiger angſtvoller Haft, und wenn ſie auch manche Wunde davon getragen, manche Eiſenplatte verloren hatte. Ungebeugt durch die eben beſtandene Gefahr, verſuchte es der kühne Führer ſogar noch einmal, längs der Eiskante hinfahrend einen Durchgang nach Norden zu finden. Aber Nebel und öſtliche Winde erſchwerten die Fahrt, und das Eis zeigte ſich überall ſo dicht, daß an ein Eindringen nicht zu denken war, ſelbſt wenn man wahnwitzig genug hätte ſein wollen, es bei dieſem heftig wehenden Oſtwinde zu verſuchen. Einmal, als man in eine Bucht der Eiskante eingefahren war, gerieth man bei dichtem Nebel in ein zerbröckeltes Eisfeld, aus dem man nur mit großer Mühe wieder herauskam. Die Ausſichten waren troſtlos. Auch die Ausſagen der Walfiſchfänger, denen man an der Eiskante begegnete, lauteten weuigverſprechend. Noch in keinem Jahre hatten ſie das Eis hier ſo dicht gefunden; nirgends hatten ſich Buchten oder Gaſſen im Eiſe gezeigt, in die man einfahren und in denen man ſeinen Fiſchfang hätte betreiben können.
Da entſchloß ſich Koldewey am 30. Juni ſeine nutzloſen Verſuche aufzugeben und ſich, wie es ihm ſeine Inſtructionen für dieſen Fall vorſchrieben, nach Spitzbergen hinüberzuwenden, um dort ſein Glück zu verſuchen. Schon am Morgen des 3. Juli erblickte man die Südweſtküſte von Spitzbergen und umſegelte in dichtem Nebel das Südcap. Da das Eis im Oſten ſich ziemlich loſe zeigte, ſo ſteuerte man in daſſelbe hinein. Das Schiff hatte zwar wieder harte Stöße zu erleiden; aber man achtete ihrer nicht mehr, nachdem man die Stärke des Schiffes kennen gelernt hatte. Zwei Tage lang war man ſo in nordöſtlicher Richtung vorge⸗ drungen; aber der Erfolg war ein geringer, da eine unerwartet ſtarke Südweſtſtrömung entgegenwirkte. Inzwiſchen hatte ſich das Eis im Norden und Öſten immer dichter zuſammengepackt, ſo daß jede Hoffnung ſchwand, in dieſer Richtung noch weiter vorzu⸗ dringen. Ein heftiger Nordſturm, der in der Nacht zum 6. Juli ausbrach, zwang endlich zu dem Entſchluſſe, wieder aus dem Eiſe herauszuſteuern. Nach langen und ſchweren Kämpfen gelang es; aber jeder Verſuch, abermals nach Oſten vorzudringen und etwa um die„Tauſend Inſeln“ im Süden von Stans⸗Vorland herum zum Gillislande zu gelangen, blieb vergeblich. So entſchloß man ſich denn, wieder nordwärts zu ſteuern und ſich zunächſt der Weſt⸗ küſte Spitzbergens zuzuwenden, um dort im Bellſund Waſſer und Ballaſt einzunehmen. Es blieb ja noch die Möglichkeit im Norden
Spitzbergens das durchzuſetzen, was im Süden ſo vergeblich ver⸗
ſucht war. Vom Bellſund richtete daher die Germania ihren Lauf gerade nach Am 19. Juli befand ſie ſich unter 80° 13 nördlicher Breite und 6⁰ 35 öſtlicher Länge von Greenwich, aber auch hier fand ſie nirgends einen Durchgang, ſtarrte ihr überall eine unüberwindliche Eisſchranke entgegen, die ſich unabſehbar von Weſten nach Oſten hinzog. Noch einmal wandte ſich Koldewey darum nach Weſten, der grönländiſchen Oſtküſte zu; aber ſeine Hoffnung, jetzt günſtigere
Verhältniſſe dort zu finden, als vier Wochen vorher, ward ge⸗ täuſcht. Bis zur Mitte Auguſt wurde Alles aufgeboten, die Küſte
zu erreichen.„Wir haben unſer kleines Fahrzeug,“ ſchrieb Hilde⸗ drandt am 27. Auguſt,„gegen die Eisſchollen anrennen laſſen, wir haben uns hineingebohrt, um nur zollweiſe unſre Weſtlänge zu erreichen. Was half's? Nachdem unſer Schiff ſtark gelitten, waren wir endlich auf 73° 30 nördlicher Breite und 18° weſt⸗ licher Länge. Wir ſahen die Küſte ſo klar und deutlich vor uns,
daß es uns ſchien, als müßte es nun bald gelingen, hinüberzu⸗ kommen. Unſre Freude wurde erſt recht groß, als wir in freies
Waſſer kamen. Aber dahinter erſtreckte ſich ein unabſehbares Eisfeld, welches feſt auf dem Lande lag. Alle Verſuche, die Küſte zu erreichen, erwieſen ſich als fruchtlos. Die ganze Küſte von der
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Norden der nördlichen Eisbarrière entgegen.
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Sabi einzel könne Tage ölig hoffer Eis
heran daß
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