Jahrgang 
49 (1868)
Seite
779
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Kammer neue Stücke aus der Erinnerung niederzuſchreiben, die wir uns auf keine andere Weiſe zu ſchaffen wußten. Ich hatte keine Ahnung, daß ich damit einen literariſchen Diebſtahl begehe. Keiner von den Directoren der umherliegenden größeren Theater konnte begreifen, auf welche Weiſe die miſerable Kremſer Truppe in den Beſitz der Stücke: Alpenkönig und Menſchenfeind, der Bauer als Millionär ꝛc. gekommen war, da Niemand auf die Idee kommen konnte, daß ein Menſch derlei aus dem Kopfe niederzuſchreiben im Stande ſei, und doch war es ſo, und noch jetzt bin ich überzeugt, daß mein Manuſeript von dem Original nicht viel abgewichen ſein wird. Meine nähern Freunde wiſſen, in welcher Weiſe mir ſelbſt jetzt, in ſehr vorgerücktem Alter, mein Gedächtniß treu bleibt Die Ausſtattung dieſer Zauberſtücke war ebenfalls ein Unicum in der Theaterwelt. Wir hatten eben nichts, gar nichts dazu, denn da die Directionaußer Schulden nichts von Werth beſaß, ſo konnte nicht einmal das dringend Nöthige beſchafft werden, und unſere Aufführungen hatten viel Aehnlichkeit mit jenen aus den Uranfängen der Schauſpielkunſt, wo eine Tafel den Schauplatz ankündigte, auf welcher es hieß:Dies iſt ein Zimmer, ſpäter:Dies Zimmer iſt jetzt ein Wald. So erinnere ich mich, daß mir die Aufgabe geworden, den Rappelkopf, welcher vor den andringenden Fluthen ſich auf einen Baum retten ſoll, ohne Baum und ohne Fluthen zu ſpielen, was ſich allerdings bei den Worten:Das Waſſer ſteigt mir bis an den Hals komiſch genug gemacht haben mag. Auch der Luxus des mit Gemſen beſpannten Wagens, auf welchem der Alpenkönig den Menſchenfeindauf ſein kryſtallnes Schloß durch die Lüfte führt, verſchmähten wir, der Fürſt der Lüfte führte mich in ſein glänzendes Reich beſcheiden zu Fuß ein, der fallende Vorhang gab der Phantaſie der Zuſchauer hinlänglich Zeit, ſich dieſes Schloßauf des Gletſchers kühnſtem Eis, das der Sterne Antlitz ſchaut, ſo brillant als möglich zu denken. Wie Alles in der Welt ein Ende nimmt, ſo für mich auch dieſe opfervollſte, ſchlimmſte, hungrigſte Zeit meines Lebens. Ich hielt treu aus, als ſchon die Direction und der letzte meiner Collegen durchgegangen waren, am Abend nach der Abſchiedsvor⸗ ſtellung, welche weder uns, noch dem Pnblicum das Scheiden ſchwer machte. Große Ovationen hatten wir nicht zu erwarten, und ſo zogen es denn die meiſten Kunſtjünger vor, ſich, ihren Hauswirthen und anderen gläubigen Seelen gegenüber, den Schmerz der Trennung zu erſparen und über etwaige Rechnungs⸗ differenzen nicht mündlich zu verhandeln. Wie iſt es möglich machte, meinem bis zur Stunde durchgeführten Grundſatz, keine Schulden zu machen, treu zu bleiben, weiß ich nicht mehr; genug, es geſchah, und daß es geſchah, lieferte nur ein glänzendes Zeugniß für die Dauerhaftigkeit meiner Magenwände, die zwar ſtets knurrten, aber nie einſtürzten. Iſchl war der zweite Ort, an dem ich eine Anſtellung fand. Der Director ſelbſt, ein gewiſſer Bartſch, ſpielte mit vieler Noutine erſte komiſche Rollen und malte nebenbei⸗ recht hübſche Decorationen. Seine Leiſtungen als Schauſpieler entbehrten zwar ſelbſtverſtändlich aller Genialität, waren aber gute bürgerliche Hausmannskoſt für das zerſtreuungsluſtige Badepublicum des eben emporkommenden

Ortes, und für mich Vorbild genug, um mir etwas mehr Ruhe anzueignen. Die kleinen Gagen wurden pünktlich bezahlt, das Verhältniß, ſo winzig es ſich geſtaltete, war doch wohl organiſirt und nach der durchgemachten Zigeuner⸗Wirthſchaft für mich eine wahre geiſtige und leibliche Erholungsſtation.

Iumitten dieſes Stilllebens überraſchte mich ein Schreiben des Theateragenten Adalbert Prix von Wien mit einer Engagements⸗ offerte nach Wiener⸗Neuſtadt. Die Direction dort hatte der Schau⸗ ſpieler Eichwald übernommen. Derſelbe war der Sohn des Wiener Kaffeehausbeſitzers Neuner, deſſen Etabliſſement eine Art von Merkwürdigkeit der Reſidenz bildete. Nicht nur die Tabletten, auf welchen die Getränke verabreicht wurden, ſondern auch Taſſen und Kannen, ja ſogar die Thürdrücker und Halter waren dort von Silber. Hier verſammelte ſich die Elite des Wiener Künſtler⸗ thums, um ihreSchale Schwarzen zu trinken und eine Partie Billard zu ſpielen. Grillparzer, der große, leider noch immer viel zu wenig gewürdigte deutſche Dichter von Gottes Gnaden, der witzige, ſtets heitere Bauernfeld, an dem die Jahre ſpurlos vorüber gegangen zu ſein ſcheinen, der ernſte hypochondriſche Komiker Ferdinand Naimund, der einzige Menſch, der mit ſeinen

Leiſtungen unzufrieden war, der heißblütige Ludwig Löwe, ein

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warmen Verehrer Raimund's, ſchon damals der geniale Künſtler und Liebling der Wiener, Caſtelli, der urkomiſche naturwüchſige⸗ Kauz, ſie alle waren des Nachmittags hier zu treffen, Grund genug, dasſilberne Kaffeehaus zu einem Sammelplatz des beſten Publicums zu machen.

Der alte Neuner war geſtorben, und ſein Sohn, der ſich gegen den Willen der Eltern unter dem Namen Eichwald dem Theater gewidmet hatte und an kleinen Bühnen vegetirte, wußte nichts Eiligeres zu thun, um die ererbten Tauſende ſchleunigſt an den Mann zu bringen, als in Wiener⸗Neuſtadt eine Theaterdirectionin großem Stil zu entriren. Sein Vorhaben gelang auch ſo vollſtändig, daß bald von dem ganzen großen Erbtheil nichts als eine verhältnißmäßige Schuldenmenge übrig geblieben war. Der Director war ein ſchöner und ſtattlicher Mann, mit kräftigem Organ, der die Leidenſchaft des Komödie⸗ ſpielens bis zum Exceß cultivirte. Da ihn ſeine mäßige Begabung auf das Fach der brüllenden Helden vorzüglich hinwies, ſo bildeten dieſe faſt allein unſer ſtehendes Repertoire. Kaſpar der Thoringer löſte Götz von Berlichingen ab, Wendelin von Höllenſtein wechſelte mit Carl Moor. Am wohlſten war meinem guten Eichwald, wenn er in prachtvoller Rüſtung, ein mächtiges Schwert an ſeiner Seite, auf der Bühne herumraſſeln und das Gewieher des Galleriepublicums hervorrufen konnte. Da war er in ſeinem Element, das durfte Tauſende koſten! Die Mitglieder behaupteten, ihr Director habe ſich eineNachtrüſtung machen laſſen, in welcher er zu Bette ginge. Von einer Wirthſchaft konnte bei der Wirthſchaft nicht die Rede ſein. Offene Tafel, Spazierfahrten, Ausflüge nach Wien und Oedenburg per Ertrapoſt füllten die freie Zeit aus. Zum Ueberfluß hatte ſich Eichwald einen Jugend⸗ freund, einen banquerotten Kaufmann, als Caſſirer mitgebracht, welchem er unbedingtes Vertrauen ſchenkte und der die gutmüthige Blindheit Eichwald's zu den gröbſten Betrügereien mißbrauchte.

Wir Mitglieder wußten läugſt, wie viel die Glocke geſchlagen, denn bei Benefizen, wo nach damaligem Gebrauch der Beneſiziant oder eine Vertrauensperſon deſſelben mit an der Caſſe ſaß, wieſen die Rapporte in der Regel die doppelte Summe der Einnahme aus, die an anderen Tagen bei gleich ſtarkem Beſuche angeblich erzielt worden war. Der ſeelensgute Eichwald lehnte jede Andeu⸗ tung auf die Zuſtände um ihn her mit Entſchiedenheit ab und ſo mußte man dem Verderben ſeinen Lauf laſſen. Ich zog mich ſo viel als möglich zurück, ſpielte ohne Widerrede jede mir zugetheilte Rolle mit Fleiß und Eifer, und wurde dem Unternehmen zwar keine feſte Stütze, aber eine verläß⸗ liche, beachtenswerthe Kraft. An Gehalt bezog ich die für die damaligen Verhältniſſe ſehr bedeutende Monatsgage von vierzig Gulden, während mir Director Carl einige Jahre ſpäter im Theater an der Wien zu der Zeit, als ich, freilich aushülfsweiſe, ſchon erſte Rollen, z. B.Nappelkopf in Raimund's Alpenkönig und Menſchenfeind,Zwirn im Lampaci⸗Vagabundus u. f. w., zur Zufriedenheit des Publicums durchzuführen im Stande war, ein monatliches Einkommen von fünfundzwanzig Gulden Alles

in Allem gewährte. Klingt das, den heutigen Forderungen der Schauſpieler gegenüber, nicht komiſch oder vielmehr un⸗ glaublich?

Eichwald hatte nach Beendigung der Winterſaiſon in den Localitäten eines Gaſthausgartens vor dem Thore der Stadt auf ſeine Koſten und mit dem Reſt ſeines Vermögens eine Arena bauen laſſen, wo er, vor meiſt leeren Bänken, unter Gottes freiem Himmel ſeine Leibrollen herunter polterte, bis er uns eines ſchönen Tages erklärte, daß er ſein Vermögen eingebüßt habe und außer Stand ſei, ſeinen Verpflichtungen ferner nachzukommen. Wenn wir uns entſchließen wollten, den Reſt des Sommers auf Theilung zu ſpielen, ſo wolle der Schauſpieler Klein, der in⸗ zwiſchen ein kleines Vermögen geerbt hatte, die Contracte für die Winterſaiſon übernehmen und das Geſchäft weiter führen. Die Behörden ſeien bereits von dieſem Arrangement unterrichtet und mit ſelbemn einverſtanden. Was war zu thun? Uns alle dauerte der grundehrliche, aber leichtſinnig-blinde Eichwald, und wir willigten in Alles. Vielleicht zum Glück für uns Alle ging das ganze Theaterchen mit Garderobe und mühſam zuſammengemalten Decorationen noch vor der erſten Klein'ſchen Aufführung in Flam⸗ men auf. Kurze Zeit vor dieſer feurigen Löſung unſerer Con⸗ tracte mit Klein hatte Neſtroy ſechs Gaſtrollen in Wiener⸗ Neuſtadt gegeben, und ſeine Anweſenheit hatte in unſerm geſelligen