Jahrgang 
47 (1868)
Seite
750
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Uebermuth der Reichsfürſten gebändigt werden könne, begann das ſelbſtſtändige Leben von Rothenburg. Zu gleicher Zeit mit Regensburg, Reutlingen, Speier, Nürnberg und vielen anderen ſchwäbiſchen, fränkiſchen und rheiniſchen Städten erhob es der Kaiſer zur freien Reichsſtadt, und die Schlagfertigkeit der Bürger ſorgte dafür, daß die Stadt Herrin eines anſehnlichen Gebiets wurde.

Letzterer Umſtand allein macht es uns erklärlich, wie die an ſich ſo kleine Stadt, welche in ihren beſten Tagen nie über ſechs tauſend Einwohner zählte, die Mittel erſchwingen konnte zu den noch heute bewunderungswürdigen Kirchen⸗ und Rathhausbauten, die wir außerdem in Deutſchland nur in den durch ihre eigene Größe mächtigen, oder in fürſtlichen und biſchöflichen Sitzen wieder finden. Wie der jetzt ſo öde Marktplatz von da an nicht ſelten die Ent⸗ faltung kaiſerlicher Herrlichkeit ſah, ſo erinnern uns noch zwei Baudenkmale an die höchſte Glanzzeit der Stadt und leider auch. an den Undank der regierenden Geſchlechter: das alte Rathhaus, welches ſich hinter den Prachtbau des neuen verſteckt, und die thurmartige kleine Burg, welche wir in beſonderer Abbildung (S. 748) beifügen.

Als nämlich gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts in Südweſtdeutſchland der große Freiheitskampf der Städte gegen die Fürſten ausbrach, der in den Siegen der Schweizer über Oeſterreich Sempach! ſeinen höchſten Triumph feierte, beſaß Rothenburg in ſeinem Bürgermeiſter Heinrich T oppler einen der tüchtigſten und kühnſten Feldhauptleute jener Zeit. Er führte den Kampf gegen den umwohnenden Adel und ſelbſt gegen den Biſchof von Würzburg mit ſolchem Glück, daß er das Stadtgebiet über faſt ſieben Quadratmeilen mit einhundertdreiundſechszig Dör⸗ fern und vierzig Burgen ausdehnte. Auf zwanzig Stunden weit war dieſes Gebiet mit Gräben umzogen und mit Thürmen zur Vertheidigung verſehen, und Toppler herrſchte außerhalb der Stadt noch über achtzehntauſend Landesunterthanen. So hoch ange⸗ ſehen war der Mann, daß die ſchwäbiſchen Städte ihn zu ihrem Feldoberſten ernannten, als welcher er den Herzog Ulrich von Würtemberg die ſiegreiche Schlacht bei Reutlingen lieferte. Den Raubadel vertilgte er, ſoweit ſein Arm reichte. Die Chronik von damals erzählt, daß1399 Raban von Ernberg, Fritz Pfaffen⸗ angſt und der junge gleißende Wolf gefangen und auf dem Markt zu Nothenburg enthauptet wurden. Selbſt dem Kaiſer bot er Trotz. Wenzel forderte viertauſend Gulden von der Stadt, und als dieſe ihm verweigert wurden, ſchrieb er die ſeine gemeine Natur gar deutlich kennzeichnenden unkaiſerlichen Zeilen zurück: Vnſer vngetrewen zu Rotenburg die dem Reiche vngehorſam ſeyn. Der Teufel hub an zu ſcheren ein Saw, vnd Sprach alſo vil geſchreyes vnd wenig wolle. Rex. Später ließ dieſer Kaiſer ſich nicht nur mit eilfhundert Gulden verſöhnen, ſondern war oft⸗ mals des Bürgermeiſters Gaſt, weßhalb der Volkswitz das Thurm⸗ ſchlößchen Toppler's, wo Wenzel ſeine Tage und Nächte in Faul⸗ heit und Schlemmerei verbrachte, den Kaiſerſtuhl und das FaullenzenWenzeln nannte, wie es dort noch heute heißt.

Es liegt im menſchlichen Weſen, daß ein Mann, der mit dem Befehlswort des Feldherrn ſo Großes vollbracht, auch in ſtädtiſchen Angelegenheiten daheim den Commandoton annahm; und wenn wohl auch die Bürger, im Stolz auf die Macht ihrer Stadt, die ſie ihm verdankten, von ihrem Bürgermeiſter eine etwaige hochfahrende Art duldeten, ſo muß er doch in den Reihen der Patricier um ſo ſchärfere Feindſchaft gegen ſich erregt haben. Seine Rathsgenoſſen griffen zu dem oft bewährten Mittel, einen gewaltthätig Hochſtrebenden zu verderben: ſie erklärten die Freiheit durch ihn gefährdet, ja, man beſchuldigte ihn ſogar, mit dem

Burggrafen von Nürnberg um die Herrſchaft über Rothenburg gewürfelt zu haben. Oſſenbar war es aber kein Rechts⸗, ſondern ein Racheact, daß man den Helden ſo vieler Siege und den Träger des Ruhms und des Glanzes ſeiner Vaterſtadt in einem geheimen Gefängniß des alten Rathhauſes lebendig einmauern und verhungern ließ. Das geſchah im Jahre 1408.

Die Strafe folgte der Unthat auf dem Fuße, denn um die⸗ ſelbe Zeit wurde die Stadt von jenem Nürnberger Burggrafen, Friedrich dem Hohenzoller, geſtürmt und erobert. Ihrer Selbſt⸗ ſtändigkeit gewiß nicht ohne ſchwere Opfer zurückgegeben, wurde ſie in die endloſen Kämpfe der Städte gegen Fürſten und Adel ver⸗ wickelt, welche unter Kaiſer Friedrich dem Dritten das Reich ver⸗ wüſteten, und nur eine geringe Entſ hädigung für all' das Elend

war das glänzende Schau zu Rothenburg den König

Bajazet, zu den Zuſchauern dieſe

ſpiel, als dieſer Kaiſer auf dem Markte Chriſtian von Dänemark mit Holſtein, Starmarn und Dithmarſen belehnte und ſelbſt ein türkiſcher Prinz,

s Staatsacts gehörte.

Auch der innere Friede Rothenburgs war dahin; die Zwie⸗

tracht zwiſchen der Bürger kam endlich zum Ausbruch, und ein

ſchaft und den ſogenannten Geſchlechtern Wollenweber, Namens Spieß,

war es, der im Jahre 1450 ſich an die Spitze der Zünfte ſchwang

und die Geſchlechter aus der Stadt vertrieb. gang des Mittelalters tritt auch an der Pfor

Und wie am Aus⸗

te der neueren Zeit

Rothenburg ſofort in den erſten großen Kampf ein: es war einer

der Krater der verheerenden

Wie an vielen anderen Orten, ſtädten, hielt auch hier der ariſtokratiſche Kirche feſt, während das Volk bereits den und muthige Prieſter ihr Gotteshaus der In Rothenburg wurden der Prediger Dr. ein blinder Barfüßermön erſten Verbreiter der Reformation. Sachſen vertriebene Bilderſtürmer Karlſtadt,

ch, Hans Schmid,

Lavaſtröme des Bauernkriegs.

und namentlich in Reichs⸗ Rath noch an der alten Prädicanten lauſchte neuen Lehre öffneten. Johann Deutſchlin und genannt der Fuchs, die Zu ihnen geſellte ſich der aus

der zuerſt Bürgern

und Bauern predigte, daß Luther die neue Lehre, die dem Volke die

Freiheit bringen ſolle, zu einer Fürſtenſache iel verfolgen müſſe, und Henſelin, genannt en, trat hier mit ſeinem ihrem Feuereifer entzündete die hellen Haufen ergriff

man ohne Luther das Z

der Pauker, ein Prädicant von Nicklashauſ ſocialiſtiſchen Evangelium auf. An ſich raſch genug die Flamme, die bald

erniedrige und daß

und in einen jammervollen Vernichtungskampf führte. DerRo⸗ thenburger Haufen eines Menzinger und Anderer, und die

Rothenburger Landwehr

werden in der Geſchichte dieſes Krieges

viel genannt, ebenſo dasRothenburger Geſchütz, mit welchem

der größte und edelſte Held der Bauern, tapfer focht, nachdem der Sieg der Fürſten

Florian Geyer, noch

bereits bei Königs⸗

hofen in fürchterlicher Mordſchlacht errungen war.Dem Erz⸗

biſchof von Trier, dem Pfalzgrafen und den and leichwie eine Schweinhatz ſo chichtſchreiber in pfälziſchen Dienſten. I entronnenen Bauern flohen

dünkte es ergötzlich, g erzählt ein zeitgenöſſiſcher Geſ Mehrere Tauſende der dem Gemetze den Taubergrund hinauf bis Rothenburg. gedeckt wehrte ſich die Mehrzahl bis zum letzten Mann; Maſſen von Todtengebeinen zwiſchen

viele Jahre ſpäter fand man angenen, darunter Menzinger,

Bäumen und Büſchen. wurden auf dem Markte zu Rothenburg hingerichtet. der Miturheber des großen Stadt zu halten gewußt bis

eren Fürſten

Von einem Wald noch

Karlſtadt,

Unheils, hatte ſich heimlich in der zum Ende des Kriegs; als die Rächer

nahten, ließ ein Fräulein ihn des Nachts über die Mauer

hinab in's Freie.

Durch eine Kaiſererinnerung ge Rathhaus. Als Karl der Fünfte ſiegreich beendigt hatte, Thore. Der hohe Herr litt ſch zwölf Tage hier Stand halten. er grimmig genug darein ſchauen, als e der ketzeriſchen Bürgerſchaft entgegennahm. das Klingerthor hinausbegiebt, nach Mergentheim führt, kann ſich ten, auf welchem Karl's des Fünften der Erſte, einſt mit ſeinem ſtatt

Wenn zu irgend einer Zeit, jährigen Krieges der Zinnengürtel Schmuck: er zog Freund und Feind Kampf, Hülfe oder Beute zu ſuchen. berannten häufig und erſtürmten mehrmals di vertheidigte ſie ſich gegen Tilly,den alten Teu ihn nannte. Dreißig Stunden ohne einen Au und die geringe ſchwediſche Beſ lebergabe nur wenige der Männer Jedermann ſah für die Stadt

Da warfen die ſchwangeren

kämpften die Bürger

den Wällen, ſo daß nach der 1 ſich noch aufrecht halten konnten. Magdebutg's Schickſal entgegen. Frauen ſich Tilly zu Füßen und umfaßten die Hufe ſeines Roſſes und er ließ Gnade ergehen, indem er den Seinen zuherrſchie Laßt die Hunde leben!

Die Chronik fügt ein freundlicheres Bild hinzu.

wo jetzt eine breite auch den ſteilen Weg betrach⸗ Nachfolger, Kaiſer Ferdinand lichen Gefolge zu T ſo war während des dreißig⸗ Nothenburg's gefährlichſter an, um dort Schutz oder Kaiſerliche und Schweden e Stadt; am tapferſten fel, wie Guſtav Adolf

weiht wurde auch das neue den Schmalkaldiſchen Krieg öffnete Rothenburg ihm gehorſam die wer am Zipperlein und mußte Im erſten Erker ſitzend mochte r von da die Huldigung Und wer ſich durch

Landſtraße

hal geritten iſt.

genblick der Ruhe atzung auf

Nach ihrem 4

Berichte hatte Tilly ſämmtliche Rathsherren zum Tode verurthei

und dem Bürgermeiſter Bezold geboten, in eigener Per

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