Jahrgang 
6 (1865)
Seite
92
Einzelbild herunterladen

aus ihrer Mitte getroffen. Das Juwe

taſtrophe, dem ſchwerbedräng ten Thurme zu, der eine Rie ſenfackel, ange zündet von je nen räthſelhaf ten Kräften der Natur dem entſetzten Zu ſchauer ein nur zu deutlicher Wegweiſer, ſich ſelbſt zum Un tergange leuch tete. Die Glocke von St. Sebald hatte eben neun ge⸗ ſchlagen, als ich mich neben Freunden, die ich im grauſen Flammenſchein des Thurmes erkannte und begrüßte, in der Gegend des Naſſauer Hau ſes aufſtellte, um der Ver heerung, die ſich mir ſchon in der Ferne ge zeigt, nun auch in der Nähe in das Auge zu ſchauen. Durch einen Blitz ſtrahl den einzigen, in dem ſich hier am 6. Jan. wäh rend eines to benden Schuee ſturmes die elektriſch ſchwüle At moſphäre ent lud unter halb des Kno⸗ pfes entzündet, brannte der Thurm, da bei der bedeuten den Höhe keine Waſſerkraft zur Hemmung des Feuers ver wendet werden konnte, trotz al ler aufopfern den Anſtren gung immer tiefer herab. Immer größer, immer gewal tiger wurde die Gluth; an den

löſend in die Tiefe hinabſanken. Wie glühenden Metalls brodelt und überg

Feuerregen, vom wüthenden Sturme die Stadt hinweg, glühende Ziegel,

G

bält der Thurmſpitze, mit ihr di

übrigen Thürme wie wehklagend um das grauſe Geſchick,

vergoldeten Kupferplatten emporſchlagend, leuchteten die Flammen im ner Worte, oder glaubte er, den berrlichſten Farben ein wunderbarer Anblick, bis jene ſich ab⸗ beſchäftigt, er trat zur Sei

dem Flammenheerde. Wie der Schweif eines Kometen zog ſich der

ie Straße herabſchleudernd, und jetzt ſtürzt noch das letzte Leitern, lagen Feuereimer,

der 1Se.. S 2 2. den glühenden Schlund. Eine Feuerſäule ſteigt wirbelnd empor, Commandoworte der Rettungsmannſchaft, di 1

2 0 92

Da, wo das Zwillingspaar der Thürme von St. Lorenz ſchlank in und ein Schrei ringt ſich aus Tauſenden von Kehlen ein in

die Luft ſteigt, brodelt ein entſetzlicher Qualm, wallen Feuerſtröme all ſeiner Entſetzlichkeit impoſanter Augenblick.

und ſtiebt eine glühende Funkenſaat weithin über die Häuſer der Stunde auf Stunde verrann unter ungeheuren Anſtrengungen

alten Stadt. Dazwiſchen hinein wimmern die Brandglocken der der Einen und bangem Zuſchauen der Anderen, bis man endlich

das einen gegen Mitternacht des Feuers Herr wurde, obwohl noch nicht alle (Nürnbergs ſteht in Brand; Gefahr beſeitigt war und der überwundene Feind mit größter Sorg der erſte Gruß nach langem falt bewacht werden mußte, damit er nicht von Neuem ſein Zer⸗

das ſoll mein Wiederſehen ſein, das Scheiden! Schmerzlichſt bewegt lehnte ich mich zurück. ſtörungswerk beginne. Der Zug hielt. Haſtig ſtieg ich aus, dem Schauplatz der Ka⸗ Die Nacht mit ihren Schrecken war vorüber, kahl ſtarrten V

die zerſtörten

QO Wauern empor in die Mor

genluft, ſtoß weiſe noch dicke Rauchwolken, die letzten Zuckungen des beſiegten Ele mentes, dar über wegwäl zend.

Du mußt noch einmal in das Glocken ſtübchen, in dem Du ſo oft an unſeren Kirchweihfeſten mit dem Glöck ner plaudernd ſaßeſt und hin abſchauteſt auf die Stadt! Der Gedanke, einmal aufge taucht, ward zum Entſchluß; ich rüſtete mich raſch zur Wan derung; es ſollte mein er ſter Beſuch in der Vaterſtadt werden, der ich nun wieder angehörte.

Der Platz um die Kirche bot ein wüſtes Bild

zerſchmet terte Ziegel neben ausge brannten Pech pfannen; Feu ereimer, ver kohlte Holz ſtücke bedeckten die Wahlſtatt Mich durch die Menge drück end, ſah ich mich einem Feuer wehrmann ge⸗ genüber, der, von der nächt lichen Arbeit geſchwärzt, am Eingange zur Kirche Wache hielt.

Wohin? tönte s mir entgegen.

4Zu dem Der brennendes St. Lorenzthurm in Nürnberg. Tburm, ich N. muß hinauf!

Nach der Natur gezeichnet. Sei es das

Bittende mei⸗

ich ſei wirklich bei den Löſchanſtalten te und gab mir Raum zum Ein⸗ wenn ein ungeheurer Topf voll tritt in's Innere. Welch Bild der Verwirrung zeigte ſich mei⸗

aillt, ſo brauſte es hoch oben auf nen Blicken! Unter den Betſtühlen, in den Gängen ſtand, durch verſchüttete Eimer, zerplatzte Schläuche vergoſſen, das Waſſer, mit gepeitſcht, über die Kirche und einer dünnen Eiskruſte überzogen: Zwiſchen den kunſtvollen Schnitz⸗ eiſerne Stangen, Kupferröhren werken des Veit Stoß, deu Altarbildern Wohlgemuth's, lehnten war die zur Ablöſung bereite Mann⸗ ſchaft der Feuerwehr aufgeſtellt. Dazwiſchen hinein ertönten die e Hunderte von Rufen

e ſchmelzende Glocke, hinein in