S iſt ſchließlich noch die ziemlich mühſelige Arbeit der Verpackung und Freilich iſt ſie auch eine der demüthigendſten für uns, weil man Etikettirung nöthig. Gelenkige Finger nehmen blitzſchnell je fünf die meiſten dieſer Nadeln entweder als ehrliche deutſche oder auch Nadeln auf die Zählbreter, von wo ſie in die„Briefe“ fallen, die unter ausländiſcher Verpackung vom Auslande verbraucht und die mit beſtimmten Mengen gefüllt nun ebenſo gelenkig und flink ge⸗ Deutſchen ſich immer noch von dem Aberglauben an die Vorzüge faltet werden. Die Briefe bedürfen dann der Adreſſe und Etikette, der engliſchen tyranniſiren und beſtimmen laſſen. Gegen feſtge⸗ 1h deren oft drei auf einen einzigen Brief geklebt werden. Hierauf wurzelte Irrthümer kämpfen zwar ſelbſt Götter vergebens. Die müſſen die ſorgfältig getrockneten Briefe in buntfarbige Umſchläge Gartenlaube rechnet ſich aber nicht zu jenen höheren Weſen über verſchönernd eingemantelt und noch einzeln und mit mehreren uns, ſondern da ſie ſich menſchlich mit Menſchen des Vertrauens andern in größere Pakete gebunden werden, um ſie endlich in alle ihrer holden Leſerinnen erfreuen darf, glaubt ſie ſich auch nicht Welt zu ſenden und in Millionen größeren und kleineren Lä⸗ zu täuſchen, wenn ſie hiermit die Hoffnung ausſpricht, daß ſie den überall in der Welt zu allen möglichen Preiſen und Größen auf Grund dieſes Artikels, deſſen Material aus ſachverſtändigem 1 der nähenden, ſtickenden, flickenden, ausbeſſernden, ſchneidernden Munde ſtammt, viele Leſerinnen, und die Männer dazu, zum An⸗ und Putz machenden Menſchheit, auch dem Junggeſellenthum, das kauf von deutſchen Nadeln beſtimmen werde. ſich ſelbſt Knänfe annähen will, bereit und feil zu halten. Wir bemerken noch, daß in Berlin ein Großverkauf⸗ Aus dieſer ganz im Allgemeinen gehaltenen, nur die weſent: Nadelgeſchäft beſteht, welches es ſich zur Aufgabe gemacht lichſten Proceſſe berührenden Veranſchaulichung der Nadelfabrikation hat, deutſches Fabrikat und deutſche Etiketten(„Germania⸗ G erſehen wir ſoviel, daß ſie in Deutſchland neuerdings durch Erfin⸗ Nadeln“ u. v. a.) zur Anerkennung zu bringen. Es kämpft dung und Einführung von Maſchinen ungemein vervollkommnet dabei freilich noch außer mit dem allgemeinen Vorurtheil auch mit worden iſt. Wo aber außer der Maſchine die flinke, fleißige, ge⸗ den ſogenannten Zwiſchenhändlern, die vielfach mit deutſchen Waa⸗ ſchickte Hand noch ſo viel helfen und vollenden muß, da hat Deutſch-⸗ ren unter ausländiſcher Etikette(nicht blos in Nadeln) betrügeriſche, land immer vermöge ſeiner ganzen Anlage und Erziehung einen aber ſehr gewinnreiche Geſchäfte machen. Sie nehmen die wohl⸗ Vorzug in allen induſtriellen Operationen. Wir bemerken hier, feilſte und ſchlechteſte Waare des Inlandes, die, mit einer beſtechen⸗ daß jede Nähnadel trotz der⸗vielen Hülfsmaſchinen doch immer noch den Firma des Auslandes beklebt, nun auch von dem deutſchen ſechszig bis ſiebzig Mal durch die veredelnde und vollendende Nen- Abnehmer gut und gern mit dem vier- bis fünffachen Preiſe be⸗ ſchenhand gehen muß, ehe ſie als fixe und fertige einfache Nähe⸗ zahlt wird. Bietet der Zwiſchenhändler dagegen deutſche Waare maſchine für ihre Beſtimmung reif wird. Erwägen wir dazu⸗ die mit der ehrlichen deutſchen Marke, wobei auch Qualität und Werth Thatſache, daß die Aachener Fabrikationsgegend allein, außer fabel⸗ genau bezeichnet ſind, ſo muß er ſich in der Regel mit der üblichen haften X⸗-Unzähligkeiten von Stecknadeln, wöchentlich etwa vierzig Proviſion begnügen. Damit ſind ihm dann die Hände für ge⸗ Millionen größtentheils beſſere Sorten von Nähnadeln liefert; daß winnreichen Betrug gebunden, freilich zum Vortheil des Publicums, jede Nähnadel durch eine Menge Maſchinen und ſechszig bis ſiebe dem dieſer allein zukommt, weil weder Nadeln noch andere Induſtrie⸗ zig Mal durch die Hand des Arbeiters gehen muß, ſo wird man artikel unredlicher Bereicherung der Zwiſchenhändler wegen fabri⸗ die Behauptung nicht für übertrieben halten, daß dieſe Fabrikation cirt werden, ſondern um der ganzen kaufenden und verbrauchenden trotz ihrer Kleinigkeitskrämerei zu der großartigſten und deutſche⸗ Menſchheit willen. Man ſorge für zollfreie engliſche Baumwollen⸗ ſten Induſtrie gerechnet werden muß. ſtoffe, nähe ſie aber mit Aachener und ſonſtigen deutſchen Nadeln.
Mitten üm nordiſchen Lavaſtrom. Von Karl Vogt in Genf. 4 ₰
Weit im Nordweſten Islands, faſt unter dem ſechsund⸗ Der Landweg bietet andere Freuden. Heute noch, wo ich ſechzigſten Grade nördlicher Breite ſchlummert in wilder Umge⸗ ruhig hinter meinem Schreibtiſche ſitze, kommt mir manchmal bei bung, von Lavaſtrömen eingeengt und theilweiſe auch verſchüttet, dem Rauſchen der Arve vor meinem Fenſter plötzlich die Erinne⸗ einer der merkwürdigſten Seen der Erde, der Mückenſee(Myvatn) rung an unſeren fröhlichen Ritt durch Wüſten und Moore, durch der Isländer. reißende Ströme und murmelnde Bäche, durch Nebel, Regen und Eine Reiſe nach Island iſt jetzt, wo der Friede geſchloſſen Schneegeſtöber, durch Sonnengluth und Mückenſchwärme, über iſt und Deutſchland wohl keine Flotten⸗Anſprüche an die entfernte endloſe Ebenen, auf denen der Wind den Dampf der heißen Quellen Inſel macht, die freilich der trefflichſten Häfen eine Menge bietet, vor ſich hertrieb, als wären es Eiſenbahnzüge, und über fürchter⸗— ein Sommervergnügen. Dampfſchiffe gehen regelmäßig von Kopen⸗ liche Schlackenſtröme, deren ſcharfe Splitter unter dem Hufe unſerer in S braven Rößlein klangen, als ſeien es Glocken, die ſich loslöſten V
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hagen ab und laufen, bevor ſie Island erreichen, in Schottland, auf den Shetlands⸗Inſeln und den Farbern an. Man kann ſich aus dem Grunde. Heute noch ſehe ich uns, civiliſirte Nomaden, die lange Seefahrt abkürzen, indem man auf der Eiſenbahn bis abſitzen nach langem und ſcharfem Ritte in einem Grasplatze, am nach Edinburg oder Leith rutſcht und dort erſt ſich einſchifft, um Ufer eines Bächleins, unſer Zelt aufſchlagen, einen Feuerplatz dann bei gutem Wetter etwa am vierten oder fünften Tage Reykjavik,* improviſiren mit einigen Lavaplatten und Raſenſtücken und bis in. die Hauptſtadt Islands, zu erreichen und von hier aus die nächſten die Nacht hinein plaudern an dem Feuer unſeres Bivon, die Wunder, Thingvalla, das Thal der Volksverſammlungen, die friſch gefangene Forelle und das auf dem Wege geſchoſſene kochenden Sprudelquellen des Geyſer und den Hekla mit den be⸗ huhn mit heißem Grog hinabſpülend— denn Grog, ſagt nachbarten vereisten Vulcanen auf flüchtigen Pferdchen zu beſuchen. meiner Freunde, Grog und Talg ſind zwei gute Dinge auf Reiſen! Aber Reykjavik liegt im Südweſten der Inſel, und wenn man Das iſt die Poeſie einer isländiſchen Ueberlandreiſe bei— den Mückenſee mit ſeiner Umgebung und die nördlichen Handels⸗ nem Wetter. Wenn's aber Tage lang regnet ſtädte(man nennt ſie Städte!) Akureyri und Huſavik beſuchen will, ſo dicht iſt, daß man kaum eine Hand vor den Augen ſieh 1 gilt es ernſtere Vorbereitungen. Vielleicht kann man ein Dampf⸗ raſende Wirbelwinde ſchwere Wolken um die dunklen Gipfel e ſchiff benutzen, denn eines geht, ſo viel wir wiſſen, alljährlich um ſchen, das Zelt umreißen und die Pferde toll machen— und wenn die ganze Inſel herum, alle Handelsſtätten beſuchend, aber es iſt das Tage lang dauert und man ſich obenein auf ödem Lavaſtromen eine lange Fahrt, ein beſtändiges Eintauchen in tiefeingeſchnittene befindet, zu deſſen Durchkreuzung ein ſcharfer Ritt, achtzehn Stund Meerbuſen, von hohen Felswänden und Lavaſtrömen eingeſchloſſen, den im Sattel, bei günſtigem Wetter gehört, wenn nirgends auf zuweilen ſelbſt ein Durchwinden durch Treibeis an der nordweſt⸗ der unabſehbaren, von Schlacken und Spitzen ſtarrenden Fläche lichſten, Grönland zugewandten Spitze der Inſel, oder ein müh⸗ auch nur eine Bodenfalte zum Schutz, nur ein Grashälmchen fün ſames Kämpfen gegen raſende Winde und ſturmgepeitſchte Wogen das hungrige Roß, nur ein Waſſerfädchen für den durſtigen Reiter in dichten Nebeln. ſich beztet— dann kann man die Schreckens⸗Poeſie der isländi⸗ „ af ſchen Wrberlandreiſen wohl überſatt bekommen, zumal wenn man he 2bee, Nelneedenetende ma ha Daes. um.. daran Baltendicſas Zuli ader Auguſt iſt und die liben Ann Rhe gaſdn erReytjahlid“= dampſender Abhang,„Reykjavik“= T hörigerbzu Hauſe ſagen:„Jebzt mag der Karl auch ſchön ſchwitzen⸗ Wannp auf 1 er verwünſchten Inſel!.
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