des Chans iſt ähnlich
ſogleich den die um
kennen. Im Hofe angelangt, ſchlägt die junge Frau Schleier wieder zurück, um die friſchen Lüfte zu genießen, d das große waſſergefüllte Baſſin ſpielen.
Endlich im großen Empfangszimmer angekommen, grüßt die junge Frau mit einer Verbeugung die Frau vom Hauſe, welche auf dem Fußboden an dem unten geöffneten großen Venſter von bunter Glasmoſaik mit untergeſchlagenen Beinen ſitzt, denn ſie gehört zu der jetzt regierenden Kadſcharenfamilie, welche, nebſt den Europäern, in Perſien einzig das Recht hat, ſo zu ſitzen. Die junge Frau ſteigt die ſechs Stufen zu dem erhöhten Erdgeſchoſſe hinauf, lüftet ihr Tſchader, ſtreift in der Doppelthür ihre Pan⸗ toffeln ab, und während ihre Begleiterin im Nebenzimmer über dem Hausflur das Gleiche thut, tritt ſie noch feſt verhüllt denn ſo erheiſcht es der Anſtand— vor die Herrin. Dieſe, eine ſtattliche Frau, wie man ſie unter den Kadſcharinnen häufig findet, hat die junge Frau, deren Leben erſt ſeit Kurzem eigentlich be— gonnen hat, ſchon längſt liebgewonnen und behandelt ſie mehr wie eine Vertraute, als wie die Frau eines Untergebenen ihres Man⸗ nes. Sie läßt daher die Eintretende, nachdem dieſe ihre Ver⸗ beugung mit dem arabiſchen Gruße:„ſelamun aleikum“(Heil über Euch!), dem„we aleikum eſſelam“(und über Euch Heil! als Antwort folgt, wiederholt hat, vor ſich am Fußboden nieder— ſetzen oder vielmehr niederknieen, und erwidert die Frage:„Wie iſt das Befinden der Gnädigen?“ mit einem kurzen„Dank(nämlich:
Gott), es iſt gut, und Euer Befinden?“ Während die junge
Frau antwortet:„Durch die Gewogenheit der gnädigen Frau iſt
es ſehr gut,“ bringt eine ſchwarze Sclavin ein Galjan(perſiſche
Waſſerpfeife) herein. Nach einigen Zügen übergiebt die Hausfrau Züg zer⸗
der Beſuchenden das Rauchwerkzeug zum Weiterrauchen, und das 8 1
Eis der. nthig erneſenen Etikette iſt gebrochen. Auf einen Wink entferuen ſich die Dienerinnen, welche mit den wenigen Anord⸗ nungen zum Empfange der Gäſtte im Empfangszimmer beſchäftigt ſind, und horchen anfangs theilweiſe und gucken durch die Spal⸗ ten der Thür oder hinter den Vorhängen, denn einige von ihnen ſind eben erſt vom Lande hereingekommen, wo ſie von Harem und Haremsleben meiſt nur ſehr wenig gekannt haben. Die Herrin hatte zwar„chelwet“ geboten, d. h. ſie wollte(mit ihrem Beſuche allein gelaſſen ſein; was half es aber gegen die weibliche Neu— gierde?
Nunmehr macht es ſich die junge Frau bequem. Sie wirft Tſchader und Rubend in einen Winkel!, dazu die violettſeidenen Anſteckhoſen, aus denen die Fülle der weiten perſiſchen Unterröcke herausquillt, welche ein hellſeidener deckt. Die Füßchen ſtecken bis zu den Knöcheln, welche ſchwarze Perlenbänder umſaſſen, in bun⸗ ten perſiſchen Wollenſocken und den Oberkörper bedeckt ein dünnes Hemd bis zum Nabel; von da bis zu der Gegend der Hüften, wo die Röcke beginnen, bleibt der Unterleib frei. Ein buntſeide— nes Jäckchen mit langen Manſchetten bedeckt das Hemd, und dar⸗ über iſt ein vorn offener Tuchrock mit kurzen Aermeln gezogen. Das häßliche weiße Kopftuch, unter welchem die ſchwarzen Locken üppig hervorquellen, wirft ſie zu den übrigen Stücken und läßt den Scheitel blos mit einem kleinen buntſeidenen Käppchen bedeckt, in welches Goldfäden und echte Perlen eingeſtickt ſind. Die Frau gekleidet, nur ſind die Stoffe ihrer Klei— dung ſchwerer und koſtbarer. Ihr Rock von Caſchmirſhawl wird von einem goldenen Gürtel zuſammengehalten, um deſſen Schloß große Rubinen ſitzen. Auf dem Kopfe trägt ſie einen nach hinten zu fallenden feinen Schleier und ein reiches Diadem mit großen Perlen dicht beſetzt. Die Gebetbänder an den Oberarmen ſind, den Geſetzen der Religion, an die ſich die Kadſcharenfamilie am aller⸗ wenigſten ſtößt, zuwider, mit Perlen reich eingefaßt, während ſie bei der jungen Frau des Mirſa nur aus Schnuren ſchwarzer Ku⸗ geln beſtehen, welche aus Seetang vom perſiſchen Meerbuſen ge⸗ fertigt ſind. Goldene Arm⸗ und Fußtknöchelbänder vertreten bei ihr die Stelle der ſonſt gebräuchlichen ſchwarzen Knochenperlen. Silberne Ringe mit vorſtehenden großen Rubinen, Smaragden und Brillanten ſtecken faſt an allen Fingern der niedlichen Hände, weite Perlenringe hangen in den Ohrläppchen. Chal, kleine ſchwarze Schönpfläſterchen, finden ſich auf den Wangen und der oberen Mitte des Halſes. Tragen auch Beide keine ſchwarzbläu⸗ lichen Tätowirungen in Roſetten und anderen Figuren an Armen, Stirn, Kinn und Leib, wie ſo viele andere Perſerinnen, ſo ſind doch gewiß die ſchönen ſchwarzen Haare mit Henna bräunlich ſchei⸗ nend gefärbt, und die braune Farbe des Henna findet ſich, wenn
nicht an Händen und Füßen ganz und gar, ſe doch mindeſtens an den Nägeln d der Zehen und Finger, denn anders wäre es eben ſo unſchicklich, in Geſellſchaft zu erſcheinen, wie bei uns ohne Hand⸗ ſchuhe. Auch die Aughulidunnd er ſind mit feinem Ruße ſchwarz überzogen, um das Weiße der Augen mehr hervortreten zu laſſen, und die geſchwärzten Augenbrauen durch einen Strich über der Naſenwurzel faſt mit einander verbunden. Dies ſind unſchuldige Mittel, die, wie die Schminke, welche die Hausfrau aufgelegt hat, ihnen durch ihre Religion geſtattet ſind. Wenn ich aber recht in⸗ discret ſein darf, ſo erlaube ich mir noch zu bemerken, daß die Hausfrau, wie viele vornehme Perſerinnen, ihre Brüſte in reich⸗ geſtickten Etuis trägt, die durch das dünne weiße Hemd hindurch⸗ ſchimmern, und daß manchmal, wenn ſie der Wärme halber ihre weißbaumwollenen Jspahaner Socken auszieht, auch die Zehen ihrer niedlichen Füßchen ſich mit Ringen geſchmückt zeigen.
Beide Frauen, die ſich faſt täglich ſehen, gerathen in ein ver⸗ trauliches téte à téte, in welchem ſie ſich gegenſeitig ſo viel er⸗ zählen, daß man glauben möchte, ſie wären Jahre lang nicht zu⸗ ſammengekommen. Dabei werden ſie nach und nach ſo lebhaft und ſo laut, daß die Mulattin vor der Thür, welche den gehei⸗ men Befehl erhalten hat, die alte Dienerin der jungen Frau fern zu halten, faſt jedes Wort der Unterhaltung wiedergeben könnte, wenn ſie überhaupt tatariſch verſtände, in welcher Lieblingsſprache der Kadſcharen ſich die beiden Frauen vertraulich unterhalten, nachdem ſie officiell ſich perſiſch begrüßt hatten. Endlich iſt die ntaſaitung zu Ende. Die Dienerinnen werden wieder hereinge⸗ rufen, und die junge Frau ſteht als Hausfreundin der Hausfrau im Anordnen der Vorbereitungen zur Mahlzeit bei, die ſehr ein⸗ fach ſind, denn die Küche allein nimmt die meiſte Arbeit in Anſpruch.
Das große hohe Empfangszimmer, eingeſchloſſen an drei Sei⸗ ten von weißen, glatten Gypswänden, an denen oben ein paar Reihen bunter und vergoldeter, ſchon theilweiſe beſchädigter Stuck⸗ verzierungen hinlaufen, hat oben an dieſen drei Seiten durch Vor⸗ hänge verhüllte Fenſter, welche zu kleineren Haremszimmern des nächſt höheren Stockwerkes gehören. An der hohen Holzdecke zeigen ſich Tafeln mit perſiſch en Malereien von ſehr untergeord⸗ netem Kunſtwerthe. In den Mauerniſchen und auf den Simſen ſtehen europäiſche Glasgefäße und Eleindudneſchüüne Die beiden ſchmäleren Sriüen des länglichen Saales enthalten je zwei niedrige, ſchmale Doppelthüren mit Seidenvorhängen und heßhahen Doppel⸗ ſchwellen, an denen ſich ungeübte Europäer ebenſo leicht die Schien⸗ beine beſtoßen, wie an den niedrigen Querbalken der Thüren den Kopf. Gegenüber der einen großen Längenwand nimmt das unge⸗ heure Fenſter von perſiſcher Glasmoſaik in mehreren Abtheilungen
die ganze vierte Wand ein. An ihm herab hängen bunte Kattun⸗ volhünge zum Schutze gegen die Sonne und etwaige Neugierige. Die unteren Abtheilungen dieſes großen Fenſters ſind hinaufge⸗ ſch choben, um friſche er Luft Zugang zu verſchaf fen und den Blicken die Ausſicht auf den innerſten Hof mit ſeinem großen Waſſer⸗ baſſin und den dahinter befindlichen Garten mit den monotonen Pappeln und Cypreſſen, mit ſeinen Maulbeerbäumen, mit den ſüerrotl, blühenden Granatenbüſchen und den ſchattigen Platanen, die ein bräunlicher Höhenzug in weiter Ferne überragt.
Der Gypseſtrich des großen Saales iſt ſchon in der Morgen⸗ frühe beſprengt und gekehrt worden. Der aufgewirbelte Staub iſt da liegen geblieben, wohin ihn die ſufiſerummngen und die Ge⸗ ſetze der Lahnntraſt trugen. Die den Eſtrich zunächſt bedeckenden platten Schilfmatten aus den weiten Sümpſen der perſiſchen Ufer des taspiſhen Meeres ſind ausgeklopft worden. Nun legt man auf ſie einen koſtbaren großen länglichen Teppich in die Mitte des Zimmers. An den zwei Längenſeiten kommen dicke bunte Filze von gleicher Länge zu Tiegen, die mit denen an den beiden ſchmäle⸗ ren Querſeiten ein längliches Quadrat bilden, welches die Ränder des großen Mittelteppichs überragt und ihn ſo vollſtändig einfaßt, Auf den Platz der Hausfrau in dem Winkel am Fenſter gegen⸗ über der als Haupteingang benutzten Thür wird jetzt noch ein großer, viereckiger, ſchönerer Filz hingelegt und an die glatten Wände dieſes Platzes und der benachbarten kommen große, länglich⸗ runde, weiche Kiſſen zu liegen. Es ſind dies große Säcke mit Banmwolle, manchmal auch mit Schwanenfedern gefüllt, über die ein von Mouſſelin mit eingenähten Woldarabesken bedeckt. An beiden Seiten ſind dieſe Kiſſen durch rothſeidene, mit Goldfäden durch⸗ ſchoſſene Quaſten geſchloſſen. Darin beſteht die ganze Vorberei⸗
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dunkler Baumwol lenſtoff gezogen iſt, welchen eine dünne Hülle
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