guter Geſellſchaft nicht geduldet werden kann. Wir haben es, wenn wir jenen Teich in's Auge faſſen, beinahe mit lauter Ausgeſtoßenen, mit Thieren von mindeſtens zweifelhaftem Charakter zu thun.
Bis gegen die Futterzeit hin ſcheint das Leben am obern Teiche ein ſehr gemüthliches zu ſein. Jeder einzelne von den vie⸗ len Vögeln, welche dort vereinigt ſind, beſchäftigt ſich meiſtens mit ſich ſelbſt, ohne ſich um die andern beſonders zu kümmern. Die Morgenſtunden werden vorzugsweiſe der Reinigung und der In⸗ ſtandhaltung des Anzugs gewidmet. Die Pelikane ſitzen am Strande und putzen das Gefieder; die Scharben ſind auf die Felsblöcke unter dem Waſſerfall geklettert, halten ſich ſtill, wie Bildſäulen, oder fächeln ſich mit den Flügeln, wie es ihre Gewohnheit iſt; die Möven laufen am Strande auf und nieder; die Gänſe wei⸗ den; die Neiher ſitzen, anſcheinend in wichtige Betrachtungen ver⸗ ſunken, regungslos hier oder dort; die Marabus ziehen den Hals ein und nehmen eine jener Stellungen an, welche unwiderſtehlich zum Lachen hinreißen; die Löffelreiher erweiſen ſich gegenſeitig er— ſprießliche Liebesdienſte. Eine wahrhaft idylliſche Stille liegt über dem ganzen Bilde, es geht friedlich und verträglich, der oberfläch⸗ liche Beſchauer würde ſagen, langweilig her. Das Letztere iſt je— doch durchaus nicht der Fall. Denn jeder von den Vögeln be⸗ ſchäftigt ſich und jeder giebt dadurch Gelegenheit zu mancherlei Be— obachtungen, namentlich auch hinſichtlich der Sorgfalt, mit welcher er ſein Gefieder putzt.
So war es neu für mich, zu erfahren, wie es die Löffelreiher ermöglichen, alle Theile ihres Federkleides in Ordnung zu halten. Gerade ſie halten ſehr viel auf Reinlichkeit und brauchen viel Zeit zu ihrem Anputze. Der Löffelſchnabel iſt aber ein ſehr ungefüges Werkzeug und ſeine Länge oft recht hinderlich. Den Leib, den Rücken, die Flügel ſammt den Schwingen, den Schwanz zu putzen, jede einzelne Feder durch den Schnabel zu ziehen, ſodann mit dem Fett der Bürzeldrüſen gehörig einzuölen und hübſch ſo, wie es ſich gebührt, zu legen, das hat keine Schwierigkeit; denn was dem Schnabel an Gelenkigkeit abgeht, das erſetzt der geſchmeidige Hals. Wie aber bringt es der Löffelreiher fertig, um dieſen letzteren, den Hals nämlich, zu putzen? Ich geſtehe offen, daß ich mir dieſe Frage erſt geſtellt habe, als mir der Löffelreiher die Antwort be⸗ reits gegeben hatte. Mit ſeinem eigenen Schnabel ſeinen Hals zu putzen, iſt ein Ding der Unmöglichkeit, mit dem Fuß dies zu thun, geht auch nicht an, und doch ermöglicht es der Vogel: er ermög⸗ licht es— mit Hülfe eines andern ſeiner Art. Die Löffler ge⸗ hören zu den geſelligen und in Folge ihres ſtumpfen Schnabels auch zu den friedlichen Bewohnern des oberen Teiches. Sie thun Alles gemeinſam und ſo auch das Putzen ihres Federkleides. Der eine beginnt, die andern folgen. Zunächſt wird dasjenige Ge⸗ fieder einer gründlichen Säuberung unterworfen, welches ohne fremde Hülfe geordnet werden kann. Hals und Kopf bleiben nach, zund auch ſie ſollen nun an die Reihe kommen. Was geſchieht? Zwei Löffelreiher treten freundſchaftlich zuſammen und einer be⸗ ginnt nun, Hals und Kopf des andern zu bearbeiten, während dieſer die gleiche Arbeit bei ſeinem Wohlthäter übernimmt. Zwar nicht eine Hand, aber doch ein Schnabel wäſcht den andern! So ſtehen die Thiere halbe Stunden lang nebeneinan d bearbei⸗
ten ſich mit gleicher Geſchicklichkeit gegenſeitig in der vürdig⸗ ſten Weiſe..
Man braucht jedoch ſeinen Beobachtungseifer auf die Löffelreiher zu beſchränken; die andern Vögel geber a ds Stoff
genug dazu. brütet eben über einem jener Schelmenſtückchen, welche ihm ſeine Verbannung zugezogen. Um den der zankſüchtigen Gänſe halber mit Körnern gefüllten Futternapf haben ſich Sperlinge in reicher Menge verſammelt. lich in dem futterreichen Thiergarten zu Hauſe, oft in größerer Anzahl, als es den Futterſpendern lieb iſt. Sie lernen ſich ſehr bald ſicher fühlen und zeigen ſich ſo dreiſt und unverſchämt, wie Spatzen überhaupt ſich zeigen können. Hundertmal haben ſie un⸗ geſtört aus eben demſelben Futternapfe gefreſſen, welchen ſie jetzt umlagern; ſie haben dies auch gethan, ohne ſich im Geringſten um diejenigen Vögel zu kümmern, denen das Futter beſtimmt iſt. Der Reiher, welcher jetzt zufällig dicht neben dem Napfe ſitzt, ſicht die bei all ihrer ſcheinbaren Plumpheit doch ſehr gewandten Sper⸗ linge wenig an: er erſcheint ihnen viel zu ungeſchickt und böſer Vorſätze gewiß unfähig. Sie laufen ihm faſt über die Füße weg. Flamings, Zbiſſe, Pfublſchuepfen, Gänſe, Enten und Kraniche, bei
Dort der ſeinen, Gedanken nachha Jude Reiher
Die zudringlichen Vögel ſind ſelbſtverſtänd⸗
welchen ſie daſſelbe verſuchten, haben es ohne allen Anſtand ge⸗ duldet, und alle dieſe Vögel waren viel lebendiger, als die Reiher. Regungslos ſtehen dieſe auf einem Beine; wie im Schlafe iſt der Hals tief eingezogen; ſie gleichen mehr Bildſäulen, als lebenden Geſchöpfen. Da plöͤtzlich ſchnellt der zuſammengekröpfte Hals her⸗ nieder und der ſpitze Schnabel ſchlägt mitten unter die Menge. Einer der armen Schelme iſt durchſpießt, wird nun nochmals ge⸗ gen den Boden geſtoßen, hierauf emporgeſchleudert, aufgefangen und verſchlungen. Dies Alles geht ſo ſchnell, daß die Sperlinge daß die Jüngeren wirklich nicht Männchens,
andere von den jüngeren, unerfahrenen Sperlingen hat ſich bereits wieder beim Napfe eingefunden.
Inzwiſchen hat der Pelikan ſeinen Anputz beendet und tritt oder richtiger watſchelt nunmehr, in dem roſenroth überhauchten Kleide prächtig geſchmückt, längs des Strandes dahin, um ſich ſeiner Freundin zu nähern. Die Freundin und mehr als Freundin, die Geliebte ich darf die Verirrung des Pelikans nicht verſchweigen— zu welcher der Pelikan ſich ſchwerfälligen Fußes begiebt, gehört nicht zu dem Adel der Ruderfüßler, gehört überhaupt nicht zu den Schwimmvögeln, ſondern einer ganz ver⸗ ſchiedenen Ordnung,— ſie gehört den Stelzvögeln an. Eine Stör⸗ chin iſt es, auf welche das liebebegehrende Auge des Pelikan ge⸗ fallen, eine Störchin, welcher er ſein Herz geſchenkt und bei welcher er Erhörung gefunden. Es iſt leider durch viele und betrübende Beiſpiele genugſam verbürgt, daß die Störche zu denjenigen Vögeln gehören, welche die heiligen Bande der Ehe in oft höchſt unwür⸗ diger Weiſe zerreißen. Die Eiferſucht der Störche iſt eine traurige Thatſache, aber leider iſt dieſe Eiferſucht nicht unbegründet. Man hat da ſonderbare Dinge beobachtet, und ich ſelbſt habe eine hier— auf bezügliche Geſchichte bereits in der,„Gartenlaube“ veröffent⸗ licht. Untreue unter den Störchen iſt nichts Ungewöhnliches. Deshalb war es mir denn auch nicht eben wunderbar, daß eine Störchin ſich ſo weit vergeſſen konnte, mit einem Pelikan zu liebäugeln; daß aber der Pelikan, er, gegen deſſen ſittſamen Lebenswandel bis jetzt auch noch nicht der leiſeſte Verdacht vorlag, daß er ſich mit einer Stör⸗ chin befreunden konnte:— das war mir entſetzlich neau. Es unter liegt gar keinem Zweifel, daß nicht er die Störchin, ſondern de die Störchin ihn vom Pfade der guten Sitte abgelenkt hat! Der Beweis der Untreue iſt vor meinen eignen Augen gegeben worden.
Freilich muß ich, da ich duldſam ſein will, anerkennen, daß dem Pelikan eine derartige Freundſchaft wohl zu gönnen iſt. Als die eben erzählte Geſchichte ſpielte, war er der Einzige ſeines Ge⸗ ſchlechts und genoß von den andern Teichbewohnern keineswegs Liebe, nicht einmal Freundſchaft; ja, ſeine nächſten Verwandten, die Scharben, mißhandelten ihn ſogar; ſie bewieſen ihm wenigſtens durchaus nicht die Achtung, welche ihm als dem größten ihrer Zunft von Rechtswegen gebührt. Ich muß, um dies zu erklären, zu⸗ nächſt über die Scharben ſelbſt einige Worte ſ Dieſe Vögel
ſagen. gehören unbedingt zu den anziehendſten Bewohnern eines derartigen Teiches, wie es der unſrige iſt. Sie wiſſen die Aufmerkſamkeit des Beſchauers ſtets zu feſſeln. Ihre Stellungen im Sitzen ſind ſo eigenthümlich, daß auch das Ange des unkundigſten Beſchauers unwillkürlich an ihnen haften bleibt, ihre Bewegungen im Waſſer aber wirklich wundervoll. Mit der Geſchmeidigkeit eines Aales und der Geſchwindigkeit einer Forelle ſchwimmen ſie durch die Fluthen, gleichviel, ob über oder unter dem Waſſer. Von Haus aus Fiſch⸗ jäger, richten ſie in jedem beſchränkten Gewäſſer entſetzlichen Scha— den an. Sie ſind im höchſten Grade gefräßig, fangen aber auch dann noch Fiſche, wenn ihr Schlund bereits gefüllt iſt, ſo wie der vollkommen geſättigte Fuchs noch Mäuſe fängt zu ſeinem Ver⸗ gnügen. Verſuchsweiſe ließ ich einmal mehrere hundert ziemlich große Fiſche in den damals von ihnen bewohnten Teich ſetzen. Sie entdeckten dieſe wünſchenswerthe Bereicherung an jagdbarem Wild in ihrem Gebiete ſehr bald und axbeiteten nun ununter⸗ brochen mehrere Tage lang, bis ſie ſämmtliche Fiſche gefangen, theilweiſe verſchlungen, aber wenigſtens alle getödtet hatten. Dieſe Jagdluſt iſt der Grund, ſchaffen machen und nur, ſind, ſich an das Land begeben, um hier ſich Solche Augenblicke der Ruhe ſind es, welche
wenn ſie von langer Jagd ſehr ermüdet auszuruhen.
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daß ſie ſich möglichſt viel im Waſſer zu
die Thiere über
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