Jahrgang 
2 (1865)
Seite
18
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Der Knecht ging hinaus und kam bald mit einem Reiſenden zurück, einem Krämer aus der Nachbarſchaft, der, ein Bekannter in der Buchhauſer Linde, oft hinkam.

Woher noch mitten in der Nacht, Herr Brand? rief ihm der Wirth entgegen.

Ich kann doch Nachtquartier bei Euch bekommen, Linden⸗ wirth?

Der Wirth kratzte ſich hinter dem Ohr.

Wenn Sie hier unten in der Wirthsſtube vorlieb nehmen wollen, Herr Brand?

Unmöglich, Lindenwirth. Ihr wißt, ich bin nicht der Feſteſte, ich muß meine Nachtruhe haben; dazu bin ich durchfroren zum Erbarmen. Ihr müßt mir eine warme Stube und ein gutes Bett geben.

Der Herr Brand war ein kränkliches Männchen, und da er in einem offenen Einſpänner gekommen war, den er ſelbſt gefahren hatte, ſo war er in der kalten Nacht, zu Ende Octobers, auch durchfroren. Ueberdies war er, wie geſagt, ein alter Bekannter des Hauſes, und ſo mußte der Wirth ihm nachgeben.

Da oben iſt noch ein warmes Zimmer, Herr Brand, und ein gutes Bett ſteht fertig darin. Es war für eine Herrſchaft be⸗ ſtimmt, die aber nachher nur ein Zimmer wollte. Sie ſollen es haben, Herr Brand, wenn Sie ſtiller ſein wollen, als eine Maus.

Der Wirth erzählte nun dem Krämer, wie oben im Hauſe ein vornehmer fremder Herr mit einer kranken Frau logire; wie dieſe nicht das geringſte Geräuſch ertragen könne und wie er dem Frem⸗ den verſprochen habe, es ſolle ſich da oben keine Maus rühren. Der Krämer verſprach, ſtiller zu ſein als eine Maus, und wurde

hinauf geführt. Der Wirth ſelbſt geleitete ihn in das ver ſprochene Zimmex, das unmittelbar neben dem Zimmer der fremden Herrſchaft lag, mit dem es eine Thür verband. Der Wirth deutete dem Krämer die Thür mit dem Finger an. Sie

ſprachen kein Wort miteinander. Auch nur durch Zeichen ſagten ſie ſich gute Nacht. Sie waren kaum hörbar eingetreten, und ſo entfernte ſich auch der Wirth wieder.

Draußen im Gange, vor der Thür der fremden Herrſchaſt,

horchte er doch noch, hörte aber nichts in dem Zimmer.Sie

ſchlafen, dachte er, worauf er und der Knecht ſich zu Bett legten. Im Hauſe blieb es ſtill.

Der Krämer Brand hatte in ſeinem Zimmer nur mit den Fußſpitzen aufzutreten gewagt. In das Bett hatte er ſich ſo leiſe gelegt, daß Einer, der im Zimmer ſelbſt geweſen wäre, es nicht gehört hätte. Er hatte vorher und nachher nach den Fremden hingehorcht, aber keinen Laut vernommen.Sie ſchlafen, dachte auch er und wollte ſelbſt einſchlafen. Plötzlich mußte er in ſeinem Bette hoch auffahren. Ein lauter, furchtbarer Schrei kam aus dem Zimmer der Fremden. Es war der Schrei einer Frau.

Um Gotteswillen, ich ſterbe! ſchrie vie Frau des Fremden.

Den Krämer überlief es heiß und kalt. Er horchte mit an gehaltenem Athem, bebend am ganzen Körper. Es war wieder ſtill drüben. Nur eine Bewegung, als wenn ſich Jemand in einem Bette krümme, glaubte der Krämer zu hören. Es war an der⸗ ſelben Stelle, von welcher der Schrei gekommen war. Es mußte alſo in dem Bette der Frau ſein. Aber das Geräuſch war ſo undeutlich, daß der Krämer ſich auch irren konnte. Einen andern Ton vernahm er gar nicht; kein Wort von dem Manne der Frau, kein Gehen, kein Aufſtehen. Es war ſonderbar.Sollte er ſo feſt ſchlafen? fragte ſich der Krämer. Aber auf einmal wieder⸗ holte ſich der Schrei, lauter, durchdringender.

Ich ſterbe! Hülfe! Ich ſterbe!

Und wiederum antwortete Niemand der Frau; kein Wort, kein Schritt, keine Bewegung wurde hörbar. Dem Krämer war es nicht mehr ſonderbar: ein Grauſen erfaßte ihn.

Ich ſterbe! O mein Gott, mein Gott! rief die Frau zum dritten Male.

Die Stimme war nicht mehr ſo laut und ſcharf, ſie war Endlich antwortete ihr Jemand. Bekämpfe den Schmerz; um ſo

heiſer. Es wird vorüber gehen. eher hört er auf. Es war eine Mannsſtimme; der Mann ſprach zu ſeiner Frau. Er ſprach beruhigend, beſänftigend. Aber der Krämer hatte ihn nicht aufſtehen, nicht zu der Frau hingehen hören. Er war alſo ſchon

vorher an dem Bett der Frau geweſen, als dieſe zum erſten Male

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aufſchrie, als ſie dann in dem Bette ſich krümmte. Und er hatte da kein Wort für die Frau gehabt, die jenen Schmerzeusſchrei ausſtieß, die vor Schmerzen im Bette ſich krümmte! Faſt zehn Minuten blieb Alles ſtill. Der Krämer meinte, es werde ſo blei⸗ ben, die Frau habe nur heftige Kopfſchmerzen gehabt, ſie ſeien wirklich vorübergegangen. Da ſchrie ſie zum vierten Male auf.

Meine Bruſt! Ich ertrage es nicht mehr! Mein Rücken! Ich muß ſterben!

Die Stimme war noch heiſerer als vorher, ſchwächer, wie unterdrückt.

Nimm Dich zuſammen, ſagte der Mann noch einmal.

Hülfe! rief mit ſchwächerer Stimme die Frau.

Es wird vorübergehen, ſagte wieder der Mann, aber als wenn es ihn langweile.

Die Frau ſprach und rief nicht mehr. Aber der Krämer hörte ſie leiſe ſtöhnen und wimmern, und dabei rauſchte und bewegte es ſich wieder in dem Bette, als wenn ſie in Schmerzen oder in Krämpfen ſich krümme. Auch das hörte bald auf, zuerſt nach und nach das Stöhnen und Wimmern, dann das Andere. Den Mann hatte der Krämer gar nicht wieder gehört. Es war und blieb völlig ſtill in dem Zimmer. Der Krämer glaubte, daß die Frau wieder ſchliefe. Auch er ſchlief endlich ein.

Am nächſten Tage zeigte es ſich, was es geweſen war; für ihn freilich erſt etwas ſpät. Als am andern Morgen die große Wanduhr unten in der Wirthsſtube fünf ſchlug, hatte der Poſtillon, pünktlich gehorſam dem Befehle des fremden Reiſenden, die Pferde eingeſpannt und den Wagen zur Abreiſe bereit gemacht. Die Kofſer der Herrſchaft mußten nur noch aufgepackt werden und die Herr⸗ ſchaft ſelbſt mußte kommen. Der Poſtillon wartete draußen am Wagen auf ſie. Der Wirth und ſein Knecht harrten unten in der Wirthsſtube. Die andern Bewohner des Hauſes ſchliefen noch.

Die Wanduhr in der Wirthsſtube zeigte zwei Minuten nach fünf, als der fremde Reiſende in die Stube trat. Er war reiſe⸗ fertig, in Pelz und Pelzmütze, wie am geſtrigen Abende; ſein Geſicht war aber eben ſo wenig zu erkennen. Er war allein; ſeine Frau war nicht bei ihm.

Holen Sie meine Sachen, befahl er dein Wirth.

Er ſprach vollkommen ruhig und vollkommen ſo kurz und befehlend, wie am Abend vorher. Wie er die Worte geſprochen hatte, kehrte er zurück nach ſeinem Zimmer oben im Hauſe.

Alſo ohne Frühſtück! ſagte der Wirth zu ſich.

Er folgte ihm mit dem Knecht. Oben in dem Zimmer war Alles in Ordnung. Die beiden Koffer ſtanden gepackt und verſchloſſen da. Der Fremde, wie vornehm er war, mußte ſie ſelbſt gepackt und verſchloſſen haben, wenn ſie überhaupt geöffnet geweſen waren. Von der Dame war nichts im Zimmer zu ſehen, das Bett, in das ſie ſich geſtern gelegt, war noch immer feſt von den Vorhängen umzogen, und Alles war ſtill. der abreiſen wollte, ſeine Frau zurück laſſen wollen, während doch beide Koffer zum Wagen getragen wurden? Der Fremde ſprach kein Wort; an ſeinen Bewegungen ſah man nur, daß er unge⸗ duldig war. Der Wirth und der Knecht beeilten ſich, die Koffer zum Wagen zu ſchaffen; das herriſche Weſen des Fremden impo⸗

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nirte ihnen. Der Wirth kehrte darauf in die Wirthsſtube zurück, 9 in welcher ihn der Fremde erwartete. 3 Meine Rechnung!

Der Wirth nannte ihm den Betrag. Der Fremde zog eine Börſe, zählte das Geld auf den Tiſch und legte ein Trinkgeld für die Domeſtiken hinzu. drichsd'or auf den Tiſch. Der Wirth ſah ihm verwundert zu. Der Fremde, als er die Zahl voll gezählt hatte, ſagte ruhig:

Mir iſt ein Unglück begegnet in Ihrem Hauſe meine Frau iſt dieſe Nacht an einem Krampfanfalle geſtorben. Leidern warten wichtige Geſchäfte auf mich, ich kann mich keinen Augenblick länger aufhalten. Nehmen Sie das Geld und beſtreiten Sie in⸗ zwiſchen die Beerdigungskoſten; Sie werden bald Weiteres von mir hören. G

Damit ging er. Er hatte die Worte mit ſeinem ruhigſten, hochfahrendſten Tone geſprochen.

Der Wirth ſtand erſtarrt, betäubt. Der Schreck hatte ihm die Beſinnung genommen; der Reſpect vor dem vornehmen, her⸗ riſchen Weſen des Fremden trat hinzu. Im erſten Augenblicke dachte er nicht daran, dem Fremden zu folgen. Als er daran dachte, hatte er zuerſt nicht den Muth. Als ihm auch der Muth

Wo war ſie? ſollte der Mann,

Dann zählte er noch zwanzig Stück Frie⸗

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