zu nehmen.
Leute.
ſie dieſe Worte rief. blühende Geſicht, die dunklen Augen, die in dieſem Momente nicht
—
melancholiſchen Töne des Vogels der Nacht folgten. Es dauerte nur ein paar Secunden; dann war Alles ſtill. Der Pfarrer blickte unmuthig in die Gegend, aus der die Töne kamen.
„Das iſt nun ſchon ſeit vierzehn Tagen,“ ſagte er ver⸗ drießlich.
„Und ſo früh, noch am aber weniger verdrießlich.
„Das Thier ärgert mich,“ fuhr der Pfarrer fort.„Ich bin nicht abergläubiſch, aber der Schrei der Nachteule war mir immer widerwärtig.“
„Mich ängſtigt er,“ meinte die Frau;„aber nur des Nachts, wenn Alles ſtill iſt, oder wenn der Wind heult.“
Sie ſprachen nicht weiter darüber. Der Pfarrer las, die Pfarrerin ſtrickte wieder. Sie ſah aber auch wieder über das Strickzeug hinweg, und da gewahrte ſie etwas, worüber ein neues Geſpräch der alten Leute ſich entſpann. Oben an der Kirche über dem Pfarrhauſe ſtand ein junger Mann in der eleganten Kleidung der Touriſten; es war eine hohe Geſtalt, von ſtolzer Haltung. „Da iſt der fremde Herr wieder,“ ſagte die Pfarrerin.„Wer er nur ſein mag? Er muß nun ſchon ſeit vier bis fünf Wochen in der Gegend ſein.“
Auch der Pfarrer ſah den jungen Mann.
„Er wohnt unten am See in dem Heuſſer'ſchen Landhauſe,“ ſagte er.
„Aber wer er ſein mag?“ wiederholte die Frau.
„Er nennt ſich Bormann.“
„Ja, ja! Aber hinter dem ſimplen ſtecken. Er hat das ganze Haus füt ſich allein gemiethet. Er hält ſich Bedienten, Kutſcher, Wagen und Pferde; er hat ſeine Gondeln auf dem See. Alles für ſich ganz allein. Er muß ſehr reich ſein“ 65.
„Er ſoll ein Kaufmannsſohn aus Hamburg ſein,“ der Pfarrer,„und in Hamburg ſind ſehr reiche naeute.“
„Das mag ſein. Aber er hat ſo etwas leſonders Vor⸗ nehmes, Stolzes!, Wie ein Fürſt!“
„Auch die Hamburger Kaufleute werden vornehm und ſtolz
hellen Tage,“ ſprach die Pfarrerin;
Bormann muß mehr
meinte
ſein können.“
Sie wunden in ihrem Geſpräche unterbrochen.
Das ſchöne Mäd⸗
aus dem Hanſe zurück. Sie war jetzt in Hut und
cwien eilig zu ſein, ihr Geſicht war etwas geröthet.
— eine ſo feine Röthe in dem feinen Geſichte. Der weiße frunde Hut, den ſie trug, warf mit ſeinem breiten Rande einen ſo wunderbaren Schatten gegen die Abendſonne darauf. Das Mädchen war wunderbar ſchön. Sie war eilig; dennoch den Umweg zu den Eltern, um Abſchied von ihnen Nur für eine Stunde. Zum Sonnenuntergang wollte ſie zurück ſein. Die Sonne ſchien nur noch kaum über die Berge der Schlucht herüber; in einer Stunde mußte ſie auch ſchon jen— ſeits, da hinten über dem oberen Bodenſee, untergegangen ſein. „Bis nachher,“ ſagte ſie freundlich. „Bis nachher, Johanna,“ ſagten freundlich die beiden alten
Sie ging.
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Sie ging ſo glücklich.
u bleibſt doch nicht zu lange?“ rief ihr die Mutter noch
nach. Die beſorgliche Frau hatte es ihr ſchon vorhin geſagt. „Nein, nein, lieb Mütterli!“
Und das ſchöne Mädchen wandte ſich noch einmal um, während
Und ſie ſahen noch einmal das ſchöne,
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träumten, ſondern hell glänzten in Glück, in Ahnung, in Verlangen. „ g 3
„Wie ſchön und brav ſie iſt!“ ſagte die Mutter noch einmal. „Mein Gott, wenn wir das Kind verlieren müßten!“ rief auf einmal die Mutter. Sie war blaß geworden. „Mutter, wie kommſt Du auf den Gedanken?“ Die Pfarrerin antwortete nicht, aber ſie war blaß geblieben. Und ſo war ſie noch lange und ſuchte es dem Manne zu ver⸗ bergen. Sie wußte ja ſelbſt nicht, was es war; ſie hatte wohl eine Ahnung, aber auch für dieſe keinen Grund. Der Pfarrer ging in das Haus, um noch an ſeiner Predigt für morgen zu ſtudiren, denn es war Sonnabend. ſaß allein in dem Gärtchen. Der Gedanke: verlieren müßten, wollte ſie nicht wieder verlaſſen und machte ihr das Herz ſchwerer und ſchwerer. X
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ſie machte
war ſie. Sie fiel mir weinend an die Bruſt.
Die Pfarrerin Deine i Kinde, das wenn wir das Kind haben wird.“-
Pfarrer.
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Die Sonne war untergegangen. Unten in der Schlicht war
es ſchon dunkel. Der alte Pfarrer in ſeinem Studirſtübhen ar⸗
beitete ſchon bei der Studirlampe. Die Pfarrerin ſaß noc unter den rothen Kirſchen in dem Gärtchen vor dem Hauſe. Die Strick⸗ nadeln ruhten vor ihr auf dem Tiſche. Sie blickte zu dem Abend⸗ himmel hinauf, an dem noch einzelne goldene Wolken ruhten Sie ſah den Weg hinunter, den ihre Tochter zurückkommen mußte. Die Sonne war ſchon untergegangen und noch vor Sonnenuntergang hatte das Mädchen zurück ſein wollen. Es wurde dunkler; die Wolken hatten nur noch oben einen hellen Saum. Die Pfarrerin wurde unruhig. „Wo das Kind bleiben mag?“ 3 Die Woͤlken oben am Himmel waren grau geworden, unten in der Schlucht lag der volle dunkle Abend. Die Pfarrerin litt es nicht mehr auf ihrem ſtillen, einſamen Platze. Sie ging in das Haus, in das Studirſtübchen ihres Mannes. „Vater, die Johanna iſt noch nicht wieder da.“ Der Pfarrer war noch am Studiren. Seine Gedanken wa⸗ ren in ſeinen Büchern. „Sie wird ſchon kommen,“ ſagte er. Die Frau wagte nicht, ihn weiter, zu ſtören. Sie ging in die Küche zu den Mägden, in die Schen zu dem Knechte. „Habt Ihr die Johanna nicht geſehen?“ Niemand hatte ſie geſehen. Sie kehrte in das Gärtchen vor dem Hauſe zurück und ging bis an das Pförtchen. Sie ſah, ſie horchte in den Weg hinein, den das Mädchen vorhin gegangen war, den es zurückkommen mußte. Sie ſah, ſie hörte nichts. Es wurde ihr heiß..
„Mein Gott, wo bleibt das Kind? Es iſt ihr zugeſtoßen? Dort, in dem dunklen Wege!“
Sie ging wieder in das Haus, in die Küche, in die Scheune, zu den Mägden, zu dem Knechte.
„Das Kind iſt noch immer nicht wieder da. das Dorf, nach ihr zu fragen, Sie wollte zum Ahornberge und ſchlug den Weg dahin ein.“
Die Leute gingen in das Dorf. Sie ſelbſt ging in die näch⸗ ſten Nachbarhäuſer, aber ſie fand Niemanden, der ihr Kind geſehen
doch nichts
Geht doch in
hatte. Die Domeſtiken kehrten zurück. Im ganzen Dorfe hatte kein Menſch von dem Fräulein etwas geſehen oder gehört. Sie
ging wieder zu ihrem Manne hinauf.
„Vater, die Johanna iſt noch immer nicht wieder da.— ganzen Dorfe weiß kein Menſch von ihr.“
Die Gedanken des Pfarrers verließen ſeine Bücher.
„Unſer Kind? Johanna? Es iſt ja neun Uhr! Sie hätte ſeit zwei Stunden zurück ſein müſſen!“
„Ja, Vater, und ich habe eine ſo entſetzliche Angſt. Wenn das Kind nicht wiederkehrte!“
„Wie kommſt Du auf den Gedanken, Mutter?“
„Schon ſeit einigen Tagen war es mir ſo beſonders. Vor⸗ geſtern war ich mit ihr oben an der Kirche. Wir ſahen auf der Kirchhof herunter, auf die Gräber, die vor uns lagen, auch au die Ruheſtätte, die, wir beiden alten Leute für uns beſtimmt haben Da wurde es mir auf einmal ſo ſchwer auf dem Herzen. Jo⸗ hanna,“ ſagte ich, ‚Deine Liebe ſollte uns dahin geleiten. Wenn nur fremde Menſchen an unſerem Sarge ſtehen, zu dem Grabe da unten uns das Geleite geben müßten, unſer Kind dortz nicht ſün uns beten dürfte?“
„Dürfte, Mutter?“ rief ſie. ‚Wie wäre das möglich?⸗
Sie war mir ſeit einiger Zeit ſo ſonderbar vorgekommen Sie hatte etwas auf dem Herzen und wöllte es mir manchmal
ſagen. ate es nicht. Darüber hatte ich nachdenken müſ⸗ ſen, als en Gräbern hinunterblickte. Da hatte ich ihr das Wort goſ s erſchreckte ſie. 5.
„Muttek, wie wäre das möglich?“ rief ſie. 4
„Haſt Du etwas, das nicht ſagen kannſt? Sie konnte mich nicht anſehen. Sie ß geworden. ‚Johanna, was iſt es mit Dir?⸗ fragte ich
„Sieh mich an, Johanna, ſagte ich.
O meine liebe Mutter,“ ſagte ſie, ‚vertraue mir, vertraue
immer Gott und ſeine Eltern vor Augen
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Hätte ich es gethau!“
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Ich kannte nicht weiter in ſie dringen.
„Du haſt mir nichts davon erzählt, Mutter,“ ſagte der
ob kein Menſch ſie geſehen hat.
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das ſein die ſaß Gre
tröſt
Kin
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