Jahrgang 
1 (1865)
Seite
1
Einzelbild herunterladen

H

=

N

☛ᷣ

. Gn

S d

4. S

Keil.

Iſluſtrirtes familienblatt. Herausgeber Ernſt

vierteljährlich für 15 Ngr. zu beziehen.

1 442 le Buchhandlungen und Poſtämter

9

7

ÿ:::-

1 ½ bis 2 Bogen. Durch al

Wöchentlich

X 4 Der Richter. .. 1 2 Nach brieflichen Mittheilungen. Von J. D. H. Temme. V 1. Der Ruf der Nachteule. Aus dem Hauſe trat ein junges Mädchen zu ihnen, das In einem anmuthigen Bergkeſſel, nicht weit von dem freund⸗ ſiebenzehn bis achtzehn Jahre zählen mochte. Sie war das ſchönſte ſee, liegt das. kleine Dorf Schön⸗ und reizendſte Bild dieſes Alters; hoch und ſchlank gewachſen; die das ganze Geſicht weiß wie

regelmäßig und edel geformt; th wie die Frucht der Kirſche; die großen dunklen Gluth Alles an ihr freundlicher Lieb⸗

und das ſelige Glück eines Kindes. Sie

lichen Friedrichshafen am thal. Die Berge umher, dachen fich meiſt allmählich ab. Dörfchen hinein,

Züge die Blüthe und ro Augen voll träumeriſcher reiz, nbewußter Adel

Bodenſee, die es einſchließen, ſind nicht zu hoch und So ſcheint die Sonne ſchon früh und ihre letzten Strahlen

des Morgens in das D

verſchwinden erſt wieder, wenn auch jenſeits der Berge der Abend

bald anbrechen will. Das Dörfchen iſt wohlhabend; ſeine hellen V war die Tochter des alten Pfarrerpaares; das einzige Kind, das f neben dieſen ihnen der Himmel erſt in ſpäter Ehe geſchenkt hatte, war ſie

und

das Glück der Eltern. 4. u Spaziergang machen? fragte ſie. Wohin heute? fragte der Vater nur zurück. dem Ahornberge nach dem See hin.

freundlichen Gärten vor rauſcht an dem Gebüſch Berge ſind mit Wal⸗

zugleich der Augapfel,

Orte vorüber und Darf ich meinen

hübſchen Häuſer, die in die 1

Ein klarer Bach verliert ſich dann zwiſchen Weiden und Die

zeigen es. Wieſen,

9⁸‿

beiden Eltern das liebliche Kind nach. die Mutter.

Vater.

den freundlichen Gärtchen,

wie ſich ringsum ausbreiten. dung bedeckt und die Bäume ziehen ſich bis unten in die SchluchtZu hinein, wo ſich buntes Buſchwerk anſchließt. Erſteigt man Der Vater nickte. 8* die Berge, ſo hat man oben auf der Höhe die reizendſte AusſichtDu bleibſt doch nicht zu lange? fragte die Mutter. und weiß nicht, ſoll man den Blick lieber wenden in dieVor Sonnenuntergafig bin ich wieder da, Mütterli. V Sie kehrte in das Haus zurück, um Hut und Tuch zu dem S ſahen ihr mit dem

Spaziergange auͤzulegen.Die oder hinaus in die weite Ferne jenſeits der vollen Glücke ihrer Herzen über tbaren Ebenen und holzreichen GebirgeWie ſchön ſie iſt! ſagte vorwärts, auf den mächtigen grauenUnd wie brav! ſagte der in die hoch zu den Wolken hinauf⸗Und wie Keundlich un ki firnen der Schweiz, in das Glarner ſagten ſie alle Beide. Toggenburg bis weit hinten nach V Wenn ſie einmal von uns müßte, Vater!

ſtille Schlucht mit den hellen Häuſern, den grünen Wieſen, dem blauen Bache, der zwiſchen dem Allen ſich hindurchſchlängelt, Berge, zurück in die fruch des Württemberger Landes, Bodenſee, über ihn hinweg ragenden Alpen und Schnee und Appenzeller Land, in das

M ſie in die Fremde holte! Sie iſt noch jung. Aber ſie kann alle

Sie könnte auch hier Wer wäre in dieſem Mein Nachfolger zum Beiſpiel.

einen tüchtigen jungen Geiſtlichen adjungiren laſſen. Die Pfarrerin antwortete nicht; ſie ſah auf ihre nieder, aber mit einem eigenthümlichen Ausdrute Und dieſer Ausdruck ſchien zu ſagen: ſchön, iſt ſo brav und edel, hat die der Penſionsanſtalt zu Canſtatt erha in dem kleinen Dorfe, in der engen Sie ſelbſt hatte als Pfarrerin in dem kl der engen Schlucht ein langes Leben voll Glüs verlebt; aber das Mutterherz hat ſeine beſonderen nungen und Träume. Sie wunde in ihren Hoͤffnungen men unterbrochen. Aus einem Fer Berge, die das The ſchyille Schrei Kiner Eule; die lan

4ℳ

in der Schlucht liegt auf einem klei⸗ um dieſelbe herum der Friedhof, zu deſſen welches von dem freundlichſten Gärtchen An einem hellen und warmen Nachmit⸗ an, der Vorderſeite des Es waren ein paar alte des Pfarrers war ſilber⸗ Löckchen hervor.

Tageheirathen. bei uns bleiben, Mutter. Mann für ſie?

heus nen Hügel die Kirche, Füßen das Pfarrhaus, des Dorfes umgeben iſt. tage des Mai ſaßen in dieſem Gärtchen Hauſes der Pfarrer und ſeine Frau. Leute. Das lange, etwas lockige Haar weiß, unter der Mütze der Pfarrerin ſahen weiße Sie waren ſah ihnen

Dorfe ein

Beide noch rüſtig; man ſah die ſtille Zu⸗ friedenheit an, die das lange, ruhige und zufriedene Leben in dem ſtillen Thale ihrem Innern gegeben hatte. Der Pfarrer las ſeine Zeitungen und rauchte ſeine Pfeife. Die Pfarrerin ſtrickte und ließ über das Strickzeug hinweg die Augen durch das Gärtchen, über Dorf und Schlucht zu den Bergen hinaufſchweifen. Beide tranken ſie ihren Thee; Brod und Himbeeren und Johannistrau⸗ ben lagen in Schüſſeln daneben. So ſaßen ſie an dem kleinen Tiſche unter dem Schatten eines Kirſchbaums, deſſen rothe Frucht zu ihnen herunter hing. ben, ertönte der

Schlucht verſaulern leinen D

id kindlich und liebevoll gegen uns!

Wenn ein Mann

Ich bin alt, ich könnte mir

Stricknadeln ihres Geſichts. Das Kind iſt ſo beſonders vortreffliche Ausbildung in lten und ſollte als Pfarrerin