Jahrgang 
8 (1868)
Seite
127
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wo ein Plätzchen zu finden iſt, an dem man es hegt und pflegt und dieſer Pflege auch gern wohl ein Opfer bringt.

Vor Allem ſindet ſich jedoch das muntere Volk der Meiſen, klein und groß, auf unſerer Fenſterfütterung zahlreich ein: die ſchmucke, große Kohlmeiſe, die herrſchſüchtige, kräftige Spechtmeiſe, das niedliche, zaghafte Tannen⸗ oder Harzmeischen, die boshaft⸗ tückiſche Blaumeiſe, ſeltener Hauben⸗, Sumpf⸗ und Schwanzmeiſen, Alle laſſen ſich's wohl ſein, wenn es auch nicht immer ſriedlich und rechtlich beim Schmauſe hergeht; denn auch hier, wie ſo oft im Menſchenleben, muß der Friedlichere und Schwächere dem Un⸗ verſchämten und Mächtigen weichen. Legt man ihnen einen Knochen mit Knorpel oder Fett hin, ſo iſt dieſer ganz beſonders ein Ge⸗ genſtand fortwährenden Streites und Kampfes, eines beſtändigen Drängens und Treibens. Begierig ſucht ſich jedes den beſten Biſſen abzumeißeln, was natürlich der Spechtmeiſe mit ihrer kräf⸗ tigenKeilpicke am leichteſten gelingt. Die in den Zweigen auf⸗ gebundenen Nußſtückchen und Haferkränzchen werden entweder hängend und ſchaukelnd aufgepickt, oder zierlich zwiſchen die Krällchen ge⸗ faßt und auf dem Rande der Fütterung, meiſtens aber auf den nächſtſtehenden Bäumen, verzehrt. Kurz, es iſt ein gar luſtiges

und überaus anmuthiges Schauſpiel, das ſich lagtäglich an unſerer

Gaſttafel erneuert.

Sobald indeß der Schnee verſchwindet, werden unſere Fütte⸗ rungen ſeltener beſucht; die meiſten unſerer Schützlinge gehen dann, die Almoſen verſchmähend, in den Gärten und Feldern der von Natur ihnen angewieſenen Nahrung nach. Neue Freuden für uns und reiche Segnungen für die Fluren erblühen aber, wenn wir dafür ſorgen, daß es unſern Wintergäſten ſpäterhin nicht an Gelegenheit zum Niſten fehlt, ſie werden ſich dann um ſo lieber

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ſerer Nähe verweilen.

Dies erreicht man am ſicherſten dadurch, daß man einestheils für die kleinen Sänger an geſchützlen, ruhigen Orten dichte Laub⸗ hecken anlegt, anderntheils für die Höhlenbrüter, namentlich Meiſen, alte, hohle Bäume ſtehen läßt und zu Vogelwohnungen herrichtet. Wer dies aber nicht in ſeiner Umgebung hat oder nicht dulden mag, der kann auch dafür in zweckmäßigen Niſt⸗ und Brutkäſten einigen Erſatz bieten.

Gelingt es uns, recht viele Miethsleute für unſereArbeiter⸗ quartierchen herbeizuziehen welcher Genuß erwächſt uns daraus! Schon das Beobachten dieſer reizenden, immerfrohen, ewig reg⸗ ſamen Thierchen mit ihren heitern Sangesweiſen, das Belauſchen. beim Bauen, Brüten und Füttern gewährt ein ſtilles, inniges Vergnügen. Und welch' eine Freude erſt, wenn die kleinen Nim⸗ merſatte, eins nach dem andern, als wollte es gar kein Ende nehmen, fröhlich piepend aus ihren Löchern ſchlüpfen, ſich auf den nächſten Zweigen in Reih und Glied niederlaſſen oder mit leb⸗ haftem Gezirpe ſchaarenweis von Baum zu Baum ſchwärmen, während die Alten in der emſigſten Geſchäftigkeit ſorglich um ſie herflattern, fütternd, ſchützend und warnend!

So gewährt das Hegen und Pflegen unſerer Wintergäſte nicht nur hohe, reine Naturfreuden, ſondern trägt auch weſentlich dazu bei, daß im Frühjahr Gärten und Fluren, von zahlreichen Sängern belebt, von Inſectenfraß verſchont, im ſchönſten Grün und vollſter Blüthenpracht prangen.

Gewiß, es bedarf für den Naturfreund keiner beſonderen Auf⸗ forderung, unſern befiederten Lieblingen, vor allen aber den Wintergäſten, jeden möglichen Schutz angedeihen zu laſſen.

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Blätter und Blüthen.

Zum erſten Mal von einem überſeeiſchen Unternehmen deut ſcher Hand und deutſchen Capitals berichten zu können, gehört zu denjenigen Erſcheinungen in Deutſchland, welche wir dem Aufſchwung zu nationalem Bewußtſein in allen Volkskreiſen verdanken. Wir brauchen un ſere Leſer nicht an die Zeit zu erinnern, wo bei uns Volk und Induſtrie in der Dienſtbarkeit vor dem Ausland ſich gegenſeitig zu übertreffen ſuchten. Wem es ſeine Mittel erlaubten, ſchmückte ſich und ſein Haus mit Erzeug⸗ niſſen franzöſiſchen Geſchmacks oder engliſcher Kunſtfertigkeit. Ein Hut konnte nur von Paris gut ſein, ein Bleiſtift nur aus England Um ihre Werk⸗ ſtätten nicht ſchließen zu müſſen, arbeiteten viele der geſchickteſten deutſchen Handwerker und Künſtler entweder für franzöſiſche und engliſche Häuſer, oder erkauften ſich die Erlaubniß, ihre Erzeugniſſe mit deren Firmen aus zuſtatten. Ein Herzog von Coburg brachte einen Sattel von Paris mit heim und zeigte ihn ſeinem Hofſattler als eine Muſterarbeit, aber zugleich mit dem Bedauern, daß, wenn etwas daran reiße, hier Niemand es ihm ſo trefflich wiederherſtellen könne. Der Mann betrachtete das Werk mit eigenthümlichem Wohlgefallen und erſuchte Se. Durchlaucht, eine kleine un ſcheinliche Naht öffnen zu dürfen. Sie wurde gegeben, und der Herzog las mit Staunen die Firma ſeines Hofſattlers.Ja, Durchlaucht, wenn meine Sättel erſt in Paris waren, ſind ſie zehnmal mehr werth, als von hier, ſagte mit vollem Recht der deutſche Meiſter. Und ebenſo überzengt vom Werth des Fremden pries einmal Alexander von Humboldt in Berlin ein illuſtrirtes Werk mit angeblich engliſchem Kupferſtich und Buntdruck, mit derſelben Ueberzeugung behauptete er, daß ſo etwas nur in England, nimmermehr aber in Deutſchland hergeſtellt werden könne, bis man ihm nachwies, daß Stich und Druck aus einer Berliner Werkſtatt hervorge gangen ſeien. Hat doch bekanntlich H. Heine ſogar jedem deutſchen Mäd chen die Anmuth abgeſprochen, die er an einer Tänzerin auf einem Pariſer Balle bewunderte, bis dieſe ihm mit zierlichſter Verneigung ſagte:Ich Hante Iynen, ich vin aus Schwabach bei Nüruberg. zw Iſt auch die Zeit dieſer Erniedrigung unſeres Gewerbs⸗ und Kunſt⸗ zu ißes vor dem Ausland vorbei, Dank dem erwachten Nationalehrgefühl id vor Allem den großen Welt⸗Induſtrie⸗Ausſtellungen, auf welchen die ‚utſche Nation die ſegensreichſten Siege dieſes Jahrhunderts errungen, na eentlich dadurch, daß ſie ihren induſtriellen Werth nicht nur vom Ausland nerkaunt ſah, ſondern ſelbſt kennen lernte, ſo hält das alte Vorurtheil ſch bei großen Unternehmungen hartnäckig Stand, und dahin gehören eenbahnen, Gasanſtalten und Waſſerleitungen: ſie überlaſſen deutſche taaten und Gemeinden nur allzugern heute noch engliſchem und franzö lſchem Capital und Unternehmungsgeiſt. Sehen wir doch ſelbſt die ſchwe Millionen ſür Kriegsſchiffe nach England und Frankreich gehen, anſtatt dem jetzt ſo ſtark beſteuerten deutſchen Fleiße zu Gute kommen zu laſſen; un daß die Deutſchen, deren Eiſen⸗ und Stahl⸗Induſtrie ſelbſt England

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dahiffen unfähig ſein ſollten, glaubt heutzutage Niemand mehr.

ſoll. Da iſt es allerdings etwas Außerordentliches, daß endlich einmal ein

dunklesches Haus eine der größten Unternehmungen der Gegenwart. ſelbſt⸗ in die Hand nimmt: eine neue, directe telegraphiſche Verbindung

deiſtet ugland und Oſtindien durch Preußen, Rußland und Perſien. Von hervor

den Regierungen der genannten vier Staaten iſt bereits dem HauſeSie

ſiit Neid und Mojorhni für die Zukunft betrachtet, zum Bau von Panzer⸗

mens und Halske in Berlin(deſſen enge Verbindung mit der hier mitbetheiligten FirmaSiemens Brothers in London allerdings das für den engliſchen Nationalſtolz ſonſt darin liegende unerträgliche Opſer an Nationalehre anſehnlich gemildert hat) die Genehmigung zum Bau die ſer Linie unter ziemlich liberalen Bedingungen ertheilt. 3 Unmittelbare Beziehungen zu Deutſchlands Großverkehr hat dieſe Bahn allerdings nicht, eben weil ſie ausdrücklich nur in England und Oſtindien Ausmündungen ihres elektriſchen Stromes beabſichtigt; Preußen, Rußland und Perſien werden nur die gefälligen Träger und Hüter deſſelben im britiſchen Intereſſe ſein. Unſere Freude beſchränkt ſich vorläufig darauf, deutſchen Unternehmungsgeiſt an einem ſo großen auswärtigen Werke⸗ hauptbetheiligt zu ſehen, und wir erhöhen unſere Freude, wenn wir die ganze Großartigkeit des Verbindungszwecks uns vor Augen führen, begründet auf das Ergebniß des bisherigen telegraphiſchen Betriebs über Conſtantinopel und durch das rothe Meer. Der gegenſeitige Geſammtverkehr Englands und Oſtindiens beziffert ſich mit achthundert Millionen Thaler. Trotz der vielen Unzuträglichkeiten namentlich des türliſchen Theils der bis⸗ herigen ſogenonnten Ueberlandpoſt die Depeſchen waren von Conſtanti nopel bis Kuradja, hundert Meilen vor Bombay, durchſchnittlich acht Tage unterwegs, oft ſelbſt fünfzehn Tage! ja, es kamen ſogar ſehr bedeutende Depeſchen⸗Ausbeutungen, Fälſchungen und AUnterſchlagungen vor, was Alles die neue Linie zu einer Nothwendigkeit macht und trotz des hohen Preiſes von fünfunddreißig Thaler für eine einfache Depeſche ſind täglich durch Conſtantinopel nach und von Indien im Durchſchnitt zweihundert Depeſchen befördert worden. Wie aber muß dieſer Verkehr ſich ſteigern, wenn es Siemens) und Halske gelingt, die Verbindungszeit zwiſchen England und Oſtindien auf drei bis vier Stunden zu bringen, denn länger ſoll, nach deren Berechnung, eine Depeſche von Teheran, der Haupt ſtadt Perſiens, bis wohin das engliſch-indiſche Eiſenbahnnetz reicht, nach London nicht laufen dürfen. Dieſer Strang vermittelt ſonach den Verlehr zwiſchen Weſteuropa und einem aſiatiſchen Handelsgebiet von vierundvierzig tauſend Quadratmeilen und hundertſechsunddreißig Millionen Menſchen; da aber von England das Telegraphenkabel nach Amerika reicht und von Oſtindien der Draht auch nach China und Japan weiter gehen wird, ſo ſtellt dieſer Strang zugleich die erſte kürzeſte Verbindung von drei Erd⸗ theilen her, und eine deutſche Hand iſt es, welche die Stimmen der Völker von Amerika bis Europa und kis zum fernſten Aſien zuſammenführt! Möge nur auch von den deurſchen Geſandten und Conſuln dieſem küh⸗ nen deutſchen Unternehmen in der Fremde ein beſſerer Schutz zu Theil werden, als leider viele Deutſche hn bisher für ihre ſo vielfach gefährdeten Intereſſen im Ausland gefunden haben. Wir wollen das Sündenregiſter dieſes Theils unſerer diplomatiſchen Verwaltung hier nicht erſt aufdecken, hoffen aber, daß die Telegraphen allerwärts es ihre Sorge ſein laſſen, derartige Pflichtvernachläſſigungen unnachſichtlich in die Heimath zu tragen. In ſolcher Weiſe kann auch dieſe deutſche Ueberland⸗Linie Nutzen für Deutſch⸗

land bringen, bis dieſes ſelbſt in die Lage kommt, ſeine Finger auf über

ſeeiſche Drähte zu legen. 3

5 7 auch häuslich bei uns niederlaſſen und den Sommer über in un⸗