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Eduard Herbſt.
Regierung mußte eine parlamentariſche ſein. Nur wenige Tage waren zu deren Bildung gegönnt und es galt ein Heer von Schwierigkeiten zu beſiegen. Die Furcht der Capacitäten des öſter⸗ reichiſchen Reichsrathes, die Zügel der Regierung zu ergreifen, war noch immer keine ungerechtfertigte, aber die patriotiſche Rückſicht auf den Staat, die Zuſagen der ungariſchen Miniſter, mit allen ihnen zu Gebote ſtehenden Mitteln das cisleithaniſche Miniſterium zu ſtützen, endlich feierlich gebotene Garantien gaben den Ausſchlag. Das neue Miniſterium kam zu Stande, und Herbſt übernahm das Portefeuille der Juſtiz.
Von nun an nimmt er Theil an der Löſung jener ungeheuern Aufgaben, die den neuen Räthen der Krone in Oeſterreich geſtellt ſind. Es handelt ſich in der That um nichts Geringeres, als um einen Neubau des Reichs, aber auf dem unerſchütterlichen Grunde ſtaatsbürgerlicher Freiheit. Unzufriedene Parteien wird es in dem Völkermiſchmaſch, das Oeſterreich bis jetzt noch darſtellt, immer geben, aber wenn Deutſche, Ungarn und Polen befriedigt ſind, kann die Oppoſition der kleinen politiſch lebensunfähigen Nationa⸗ litäten nur damit enden, daß ſie entweder ihre Sonderſtellung auf⸗ geben und in die verfaſſungsmäßige Oppoſition eintreten, oder es über ſich ergehen laſſen müſſen, grollend, abſeits ſtehend, ignorirt zu werden.*
* Wie hart der deutſchfeindlichſten dieſer kleine
Scandal an der Prager Univerſität, wo, am elften Januar Berathung deutſcher Studenten unmöglich machten,
weil dieſelbe ein Ehrenfeſt für Herbſt, als deren ehemaligen Rechtslehrer, betreffen ſollte
Der Charakter des neuer Miniſteriums iſt ein deutſcher. Im Programm Herbſt's, Berger's und Giskra's ſteht der Punkt oben an, der Oeſterreich verpflichtet, für die Erhaltung des Friedens beſorgt zu ſein, und der Sinn dieſes Punktes iſt kein anderer, als Deutſchland und Italien in ihren Grenzen zur Entwickelung ge⸗ langen zu laſſen. Mag Italiens langgehegter Wunſch, Rom als Hauptſtadt zu ſehen, erfüllt werden, mag Nord- und Süddeutſch land ſich zuſammenſchließen, Oeſterreich wird, ſo lange das jetzige Miniſterium beſteht— und hoffentlich iſt es kein vorübergehendes⸗ nicht neidiſch dieſe unaufhaltſame Einigung ſtören wollen. Die Majorität ſeiner Völker iſt befriedigt, warum ſollte es nicht die Befriedigung der ihm benachbarten Völker gern ſehen?
Als Vierziger mit braunen Haaren trat Herbſt in den öſter reichiſchen Reichsrath; der Aufenthalt in demſelben hat ihn ſchon nach wenig Jahren grau gemacht, wie auch unſer Bild ihn zeigt. Aber unter dieſen frühgefallenen Schneeflocken arbeitet der Kopf raſtlos fort in unermüdeter jugendlicher Thätigkeit. Möge der Deutſche in Oeſterreich, ob nun die Zeit der Kriſen für den hart geprüften Kaiſerſtaat noch immer nicht vorüber, oder ob eine beſſere Zeit für ihn im Aufgehen begriffen ſein ſollte, noch recht lange auf dieſen Staatsmann von umfaſſender Sachkunde und erprobtem Charakter zählen können! Alfred Meißner.
Nationalitäten, der czechiſchen, dieſe Unterordnung ankommen wird, davon zeugt der jüngſte „czechiſche Studenten und andere mit ihnen verbundene Perſonen durch Schreien und Toben eine
D. Red.


