Doctor Roſtmeyer!“ rief Friedrich aufſpringend aus.
Der Doctor gab ihm die Hand.
„Guten Tag, Friedrich,“ ſagte er und zog Stuhl für ſich hexbei.„Das iſt eine komiſche Geſchichte, lachend ſort,„an der ich wahrhaftig keine Schuld habe
„Haben Sie ſchon mit der gnädigen Frau geſprochen?“ Friedrich.
„Gewiß, ich komme von ihr!
„Nun, dann bitte ich, erklären Sie mir,
„Zum Exklären komme ich zu Ihnen, Fried Alles höxen. Setzen Sie ſich wieder dahin.“
„Ich ſitze, Doctor,“ ſagte Friedrich.„Und geſpannt bin ich wahrhaftig auch: ich hoffe, machen es mir völlig deutlich, weshalb Sie mich in dieſe ſehr verdrießliche Lage hier im Schloſſe gebracht haben und was ich überhaupt hier ſoll ſonſt, das ſage ich Ihnen voraus, haben wir ein Hühnchen zuſammen zu pflücken; wenn Sie glauben, ich nähme es als einen guten Spaß auf, acht Meilen weit reiſen zu müſſſen, um mich am Ziele von drei zeternden Frauenzimmern anſchreien zu laſſen: ‚weshalb ſind Sie kein Mädchen? wenn Sie kein Mädchen ſind, ſo machen Sie, daß wieder fortkommen“ wenn Sie das glauben, Doctor, ſo irren Sie!“
„Nur gemach, nur meinen Brief mißverſtanden hätte, ſo würde ſie nicht ſo eifrig ge weſen ſein, und ich hätte nicht den Befehl Vaomuun, Sie ſofort ihr zuzuſenden; und daß ich dieſen Befehl bekommen und daß Sie ſich darauf in Stromeck präſentirt haben, hat ſeinen großen Vor theil, wie Sie ſogleich hören werden. Aber Alles nach der Neihe! Zuerſt alſo: Sie wiſſen, Friedrich, daß ich ſeit je derjenige war, der im Stillen für Sie ſorgte?“
„Ich weiß das; ſeit mein guter ſtorben, haben Sie mir ja gar kein
„Richtig! Ich habe Ihnen geſagt, als Sie nach Jülich ge ſchickt wurden, Sie dürfen ſich direct an mich wenden; Sie haben ſich auch von Zeit zu Zeit an mich gewendet und ich habe für Sie bereitwillig gethan, was ich zu thun bevollmächtigt war.“
„Habe ich das nicht dankbar anerkannt, Doctor?“
„Gewiß! Davon iſt nicht die Rede; ich wollte Sie fragen: kommt daß Sie ſich nie mit einer Frage an wandten, die Ihnen doch, wie mir ſcheint, am nächſten mußte?“
Friedrich fah ihn überraſcht an.
„Ich verſtehe, auf welche Frage einer kurzen Pauſe.„Das that ich würden auch ohne eine ſolche Frage ſolle. Daß Sie mir nichts ſagten, ſagen wollten oder konnten. In beiden gleich zwecklos.“
„Das war allerdings ganz richtig von Ihnen gedacht, Sie mußten doch begierig ſein erwiderte der Doctor. „Begierig? Nein! Am Ende iſt doch an mir geſündigt wor Und nun iſt's mir lieber, zu denken: man hat an Dir ge als: der und der oder die und die hat an Dir ge
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Sie auſpielen,“ ſagte er nach nicht, weil ich dachte, mir ſagen, was ich bewies mir, daß Sie Fällen war das
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den. ſündigt, ſündigt!“ Der Doctor Roſtmeyer ſah den ſchien ſich in das Gefühl, welches Friedrich erſt hineinfinden zu müſſen; dann ſagte er: „Darin mögen Sie ebenfalls Recht haben. wird aber nicht abhalten, mir zuzuhören, wenn ich Ihnen heute Der und der hat an Ihnen geſündigt, und zwar ſehr ſchwer ſündigt!“ „Nein! Wenn redel zu müſſen, ſo ſprechen Sie! „Wohl. Sie ſind ein Sohn des der Baronin von Mechtelbeck.“ Friedrich wechſelte leicht die Farbe. „So?“ ſagte er dann langſam und gedehnt, ſehr vuhig, wie es ſchien, und doch klang ein leiſes Zittern durch die Stimme, wie dem Doctor, deſſen Augen groß und forſchend auf ihm ruhten, nicht entging. Da Friedrich weiter gefordert fortfahren. „Der Thatbeſtand beck war ein böſer Naxr.
Unterofficier fragend an, er dieſe Worte eingab,
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Sie glauben, ohne daß ich Sie frage, zu mir 21
verſtorbenen Barons und
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nichts ſagte, mußte Roſtmeyer unauf⸗
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Baron Stromeck, der nächſte
Kſehener Freund, ſein
rückte Eiferſucht todt gequält. Der Gutsnachbax, war lange ſein beſter, täglich und ſeiner armen Frau Freund, bis er ſich endlich einbildete, Stromeck ſei der Geliebte, der Verführer ſeiner Frau. Dieſe gebar einen Sohn nach längerer kinderloſer Ehe. Mechtelbeck ließ das Kind dem Baron Stromeck auf die Schwelle legen und das Kind ſind Friedrich!“ „In der That?“ ſagte Friedrich, mit derſelben Ruhe den Blicken Roſtmeyer’s begegnend„ich glaube nicht, daß Sie es mir ſagen widrden, wenn Sie nicht Beweiſendafür hätten.“ „Ich würde es nicht, wenn ich nicht von der Nichtigkeit d was ich Ihnen ſage, moraliſch überzeugt wäre.“ „Heißt das, haben Beweiſe?“ „Nicht ganz! Die Beweiſe liegen nicht völlig unangreifbar aber meine Ueberzeugung ſteht feſt.“ „Ihre Ueberzeugung trotzdem, können, ſich zu ſagen, die Sache habe müſſen man nimmt doch einer ohne
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vor, daß Sie nicht umhin doch wunderlich zugehen Mutter nicht ihr
Baron Mechtelbeck war ein was er ſich in den Kopf ſetzte.
„Sie haben Recht! Aber der gewaltthätiger Mann, der ausführte, Die Entbindung der Frau wurde heimlich gehalten. Sie war ein ſchwaches Geſchöpf, das ihn fürchtete wie eine Selavin ihren Tyrannen. Er bedrohte ſie mit einem ſcandalöſen Scheidungs⸗ proceſſe. So mußte ſie ſich unterwerfen; die Kammerfrau und die Hebamme wurden beſtochen glauben Sie, die Sache ſei un⸗ möglich?“—
Friedrich zuckte mit den Achſeln und ſchwieg.
Noſtmeyer fuhr fort:
„Sie wurden in der früheſten Frühe der Nacht, in welcher Sie geboren wurden, hier vor der Thür dieſes Hauſes ausgeſetzt. Der Jäger des Baroöns Stromeck fand Er kam von drüben aus dem Wirthſchaftsgebäude, wo er ſchlief, um den Baron zu wecken, denn dieſer wollte ſehr früh an jenem Tage zur hinaus. Mochte der Baron Stromeck eine Ahnung, woher Sie ſtammten, haben oder nicht— ich glaube, er hatte keine—: er fand für gut, keinen Lärm zu machen. Er ließ den Jäger das Kind nehmen und zu deſſen Frau in den Wald bringen; dann wurde ich in's Vertrauen gezogen, und da die Jägersleute ſich nicht eigneten, ſo gaben wir Sie dem Schulmeiſter in die Zucht. Der Baron gab das Geld her für Ihre Erziehung ſo lange es nöthig war. In den letzten Jahren haben Sie faſt nichts mehr gebraucht. Sie müſſen ein ſehr ſparſamer Menſch ſein; Sie hätten mehr fordern dürfen. Und jetzt iſt der Baron vor einiger Zeit geſtorben 4
Friedrich ſprang plötzlich auf.
ſehen, ſeine innerliche Erregung zu verbergen. zeigten, wie erſchüttert er durch
1
Sle.
Er ſchien keinen Grund mehr Auch ſeine Züge dieſe Mittheilung war.
„Und weshalb ſagen Sie mir dies Alles jetzt erſt?“
„Ich hatte früher keine Gründe, es Ihnen zu ſagen. Wozu?
zufrieden. Der Baron durchzuſetzen; er wollte durch eine Auf⸗
Leute zu kommen; a!“*
Sie waren mit Ihrer Lage ganz Ihnen nicht beigeſtanden, Ihre Anſprüche nichts dadon hören; ihm war es zunächſt fatal, rührung der alten Geſchichte in den Mund der lieber— er Sie bis zum jüngſten Tag Unteroffieier ſein „Sehr chriſtlich und menſchenfreundlich!“ ſagte Friedrich. „Er war Ihr Wohlthäter!“ „Nun ja! Und jetzt?“ „Jetzt ſind plötzlich die nöthige Geld, um Ihre Anſprüche bedeutende Summe 3 „Und wie haben „Das will ich Ihnen ſagen. der Hebamme, welche damals von ſtochen war, beſchieden... Die Frau war ſchwer krank, ich ſollte ihr Teſtament machen. Wie ich bald bemerkte, war es ein Vor⸗ wand; die gute Alte hatte nichts zu vermachen. Aber ich ſah ſofort, daß ſie etwas auf dem Gewiſſen hatte; ſie begann von Ihnen zu ſprechen; ich entlockte ihr endlich ihr Geheimniß— ich hörte J und erfuhr, d daß die Frau mich nur rufen laſſen, um mir aufzu⸗ tragen, nach ihrem Ihnen Alles zu ſagen.“ „Iſt ſie todt?“ „Gottlob, nein, ſie iſt geneſen und bei vollen Kaäͤfun muß unſere Hauptzeugin machen— und ſie wird es
Wir haben azu gehört
Umſtände anders. durchzuſetzen.
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Sie dies Alles ermittelt, Doctor?“ dch wurde vor längerer Zeit zu
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dem Baron Mechtelbeck be⸗
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