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dauert hatte, war die Einleitung zu einem freundſchaftlichen Ver haltniß, das meinen erſten Aufenthalt in Paris höchſt angenehm machte. Ich ſpeiſte jeden Sonntag in Auteuil und ſah auch während der Wochentage Madame Strauß ſehr häufig. Ich hatte gehört, daß ſie es geweſen, die ihren Freund veranlaßt hatte, die Schrift
ſtellerfeder zu ergreifen, und ich fragte ſie, ob dem wirklich ſo ſei? „Das iſt wahr,“ erwiderte ſie.„Börne hatte die Gewohnheit, mir bei ſeinen Beſuchen von ſeiner Lectüre zu berichten; er war indeſſen mit derſelben ſelten zufrieden. Die damalige Tagesliteratur war auch in der That nicht geeignet, ſeinen Geiſt zu befriedigen oder ihm eine beſondere Achtung vor der Geſinnungstüchtigkeit der Schrift
ſteller einzuflößen. ‚Da habe ich wieder recht dummes Zeug geleſen,“ ſagte er gewöhnlich, und indem er die Schrift nannte, ſchüttelte er eine ſolch' beißende ſatiriſche Lauge über dieſelbe und ließ dabei ſo viel Witzfunken ſprühen, daß ich nicht müde ward, ihm zuzuhören. Eines Tages nun— es war im Jahre 1817 als er wieder ſeinen Unwillen über ein ſo eben erſchienenes Buch in humoriſtiſcher Weiſe ausdrückte, diesmal aber noch geiſtvoller, noch witziger ſprach, ſagte ich ihm: ‚Männer von Talent und Ueberzeugung ſollten der Talent⸗ und Charakterloſigkeit nicht allein das Wort goͤnnen. Das Publicum lieſt eben das, was man ihm bietet, und es würde ge
wiß eine beſſere Lectüre wählen, wenn begabte Männer ihm eine ſolche böten. Sie ſollten ſchreiben!“
„Das will ich auch thun,“ antwortete er, und bald darauf er⸗ ſchien ſeine Wage'’, die ſo viel Aufſehen erregte und ſeinen Namen ſo ſchnell berühmt machte. Mich überraſchte der glänzende Erfolg dieſer Zeitſchrift durchaus nicht, ich war vielmehr feſt überzeugt, daß ein Mann, der ſo geiſtvoll ſprach, auch geiſtvoll ſchreiben und ſich bald einen weiten Leſerkreis erwerben würde. Börne's Unterhaltung,“ fuhr ſie fort,„war eben ſo reich an witzigen, humoriſtiſchen Wen dungen, wie ſeine Schriften. Er ſprach ebenſo geiſtvoll, wie er ſchrieb, aber er entfaltete ſeinen Geiſt im Geſpräch nur vor denen, für die er ein beſonderes Intereſſe hatte.“
Eines Tages klagte mir Frau Strauß über Augenweh. Ihr Geſicht hatte durch das Leſen und Abſchreiben der Börne'ſchen Manu ſeripte ſehr gelitten. Börne ſchrieb eine faſt mikroſkopiſche Hand. Die Buchſtaben ſind ſo klein und dünn und die Zeilen ſo dicht, daß ſie auch dem ſchärfſten Auge eine große Anſtrengung bereiten. In ſeinen Pariſer Briefen, die bekanntlich an die Frau Strauß ge richtet waren, hat Börne mit dem Raum noch mehr gegeizt. Frau Strauß zeigte mir die Originalbriefe. Es war an denſelben faſt kein Rand zu bemerken, nur die für das Siegel beſtimmten Stellen waren leer gelaſſen. Frau Strauß copirte dieſe Briefe mit der ihr eigenthümlichen Gewiſſenhaftigkeit und mit der Verehrung, die ſie vor dem Talente ihres Freundes hegte. Sie behielt die Originale, und die Abſchrift wanderte zu Campe nach Hamburg. Als ich dieſe Briefe ſah, drückte ich meine Verwunderung aus, laum ein Wort in denſelben geſtrichen zu finden.
„Börne hatte die Gewohnheit,“ ſagte ſie,„ſeinen Gegenſtand reiflich zu durchdenken und vollſtändig im Kopfe auszuarbeiten, ſo daß er beim Schreiben wenig oder nichts mehr änderte.“
Auf meine Frage, ob Börne auch mit anderen Perſonen in Briefwechſel geſtanden, antwortete ſie, daß er wohl hie und da, wo es die Höflichkeit oder eine buchhändleriſche Angelegenheit noth⸗ wendig erheiſchte, einen Brief ſchrieb, ſonſt aber mit Niemandem eine Correſpondenz unterhalten.„Wie er im Geſpräch ſich nur dann gehen ließ,“ fuhr ſie fort,„wenn er ſich in vertrautem Freundes⸗ kreiſe befand, ſonſt aber äußerſt wortkarg war, ſo konnte er auch blos brieflich mit denen verkehren, denen er innig zugethan war. In ſeiner Jugend hatte er eine Leidenſchaft zu der Gattin des Hofraths Herz in Berlin gefaßt, in deſſen Haus er einige Zeit als Student gewohnt. An dieſe Frau hatte er eine Reihe glühen⸗ der Briefe gerichtet. Ich wandte mich an ſie, um ſie zur Ver öffentlichung dieſer Briefe veranlaſſen; ſie verſicherte aber, dieſelben verbrannt zu haben.“—
Frau Strauß hielt die hinterlaſſenen Manuſeripte Börne's, als die koſtbarſten Reliquien, hoch und theuer; wenn indeſſen ein warmer Verehrer deſſelben ſich von ihr verabſchiedete, ſchnitt ſie wohl ein Streiſchen von denſelben ab und ſchenkte es ihm zum Andenken. Dies geſchah nicht ohne gewiſſe Feierlichkeit. Sie
that dann, als ob ſie einen Coupon von einem bedeutenden Werth⸗
papiere gelöſt hätte. Ein ſolcher Papierſtreifen war gewöhnlich den Aphorismen Börne's entnommen und enthielt einen abge ſchloſſenen Gedanken.
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Als die Familie Strauß von Frankfurt a. M. nach Paris über⸗ ſiedelte, theilte Börne mit derſelben die Wohnung. Er war ſchon ſehr leidend und bedurfte der ſorgfältigſten Pflege, die ihm natürlich auch zu Theil wurde. Bei dieſem vertrauten Zuſammenleben hatte Frau⸗ Strauß die Gelegenheit, das edle Herz ihres Freundes genauer kennen zu lernen. Eines Tages kommt Börne tief ergriffen aus ſeinem Studirzimmer und geſteht über einen Vorfall geweint zu haben, den er ſo eben in den Denkwürdigkeiten der Frau Campan geleſen. Bei den Hochzeitfeſtlichkeiten Ludwig des Sechszehnten nämlich befand ſich auf der Place de la Côncorde, wo unter dem furchtbaren Gedränge ſo viel Menſchen umkamen, ein Braut⸗ paar. Der Bräutigam, in verzweiſelter Beſorgniß um das Leben ſeiner Braut, bittet dieſe im entſetzlichen Wirrwarr, ſich auf ſeine Schultern zu ſtützen. Zwei Arme ſchlingen ſich um ſeinen Hals. Mit der ungeheuerſten Anſtrengung trägt er die Bürde auf ſeinem Rücken, und als er, dem Gedränge entkommen, die Ge rettete auf eine Bank niederläßt, ſieht er, daß er eine Unbekannte gerettet. Seine Braut war ein Opfer des Todes geworden!
Börne war an demſelben Tage ſchwermüthig und nieder geſchlagen.
Sei es Ueberdruß, ſei es ſeine immer mehr überhand nehmende Krankheit, genug: Börne ſchrieb in Paris ſehr wenig und außer der Ueberſetzung der„Worte eines Gläubigen“ von Lamennais und„Menzel der Franzoſenfreſſer“ hat er dort keine deutſche Schrift verfaßt; hingegen ſchrieb er ziemlich viel franzöſiſch. „Sein erſter franzöſiſch geſchriebener Artikel,“ ſagte mir Frau Strauß,„war eine Kritik des deutſchen Bauernkrieges von Wachsmuth. Exr las ihn mir und meinem Manne vor, und als wir unſere Bewunderung darüber ausſprachen, rief er: ‚Ja wohl, Euch gefällt er, aber Raspail wird gewiß darüber ſpotten.“ Strauß brachte den Artikel zu Raspail, der damals den„Rô formateur“ redigirte, mit dem Auftrage Börne's, jede nöthige Stiländerung daran vorzunehmen, den Sinn aber unverändert zu laſſen. Raspail las den Artilel und ließ ihn ſogleich, ohne auch nur eine Silbe daran zu ändern, im Röformateur abdrucken. Für daſſelbe Blatt ſchrieb Börne auch einen Artikel über, oder vielmehr, gegen Heine und gab dann die„Balance“ heraus. Börne’s ſämmtliche in franzöſiſcher Sprache geſchriebene Artikel wurden nach ſeinem Tode geſammelt und mit einer von Cormenin⸗ geſchriebenen Vorrede herausgegeben.
Wer es verſucht hat, in einer fremden Sprache zu ſchreiben, namentlich in der ſchweren franzöſiſchen, die nur ſelten ein Aus⸗ länder mit Geſchmack und Eleganz handhaben lernt, kennt die außerordentlichen Schwierigkeiten, die ſich dieſem Verſuche entgegen ſtellen. Börne hat indeſſen mit ſeinen franzöſiſch geſchriebenen Artikeln
wahrhaftes Aufſehen erregt und ſeinen Namen, der ſchon vorher
in den demokratiſchen Kreiſen Frankreichs mit Hochachtung genannt worden war, auch außerhalb dieſer Kreiſe bekannt gemacht. Franzoſen verehrten in ihm den großherzigen Schriftſteller, der die Culturbeſtrebungen Frankreichs und Deutſchlands vermitteln, der beide Länder durch das Band der Eintracht verknüpft ſehen wollte, weil er durch dieſe Eintracht allein die Freiheit und den Frieden in Europa für geſichert hielt. Börne liebte Deutſchland ſo heiß wie irgend Einer, aber er glaubte nicht, daß, wenn man Deutſchland liebt, man Frankreich nothwendig haſſen müßte. Die Deutſchthümelei und die Franzoſenfreſſerei erregten ſeinen Zorn. Unter den Franzoſen war es beſonders der Bildhauer David von Angers, der ſich ihm in innigſter Freundſchaft anſchloß.. David liebte Deutſchland und theilte die politiſchen Anſichten Börne's. Er verfertigte Börne's Büſte in Marmor, eine der gelungenſten Arbeiten des Künſtlers, die er nach dem Tode Börne’s für deſſen Grab auf dem Pore Lachaiſe in Bronze ausführte.
„Gegen Goethe,“ ſagte mir eines Tages Frau Strauß, „hegte Börne einen Groll, der mit den Jahren wuchs.“ Die olympiſche Ruhe Goethe's erſchreckte ihn. Er verkannte deſſen Dichtergröße durchaus nicht, er war aber darüber empört, daß ein ſolches Genie ſich nicht an die Spitze der Freiheitspartei ſtellte. Er, deſſen ganzes Leben einem Parteikampfe gewidmet war, den er mit großer Leidenſchaft führte, wollte überall nur leidenſchaft liche Parteikämpfer ſehen. Die Ruhe Goethe's, die er irgendwo ſteinerne Ruhe nennt, ſchien ihm haſſenswerther als die heftigſte Reaction. Er ſah darin eine herzloſe Gleichgültigkeit. Dies war freilich ein großer Irrthum, der jetzt, wo ſo viele Börne'ſche Standpunkte glücklich überwunden, noch größer er⸗
35. Die
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