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ſcheinen muß. Börne liebte von Goethe's Werken nur den Werther, Götz von Berlichingen und Egmont. Dieſe Dichtungen las er mit Vergnügen und hielt ſie ſehr hoch, weil er in denſelben viel Jugendfeuer und die Sprache der Leidenſchaft fand. Die übrigen Schöpfungen des großen Dichters ließen ihn kalt. Wilhelm Meiſter erregte ſogar ſeinen Unwillen, und ſelbſt Fauſt konnte ihm keinen Beifall abgewinnen. Er äußerte zu wiederholten Malen, daß ſeine Anſichten über dieſes Werk von denen aller Anderer abwichen, und er würde ſie gern mittheilen, wenn ſeine gereizten Nerven es ihm geſtatteten. Seine Nervenleiden wuchſen indeſſen mit jedem Tage und erlaubten ihm ſelten, ſeine Gedanken zu Papier zu bringen. Das Schreiben wurde ihm am Ende unmöglich, da er, wie er ſagte, mit dem Blute ſeines Herzens und dem Safte ſeiner Nerven ſchrieb. Er gehörte zu den Naturen, in denen der Geiſt ätzend auf den Körper wirkt. Er wußte ſehr wohl, daß die politiſche Polemik ihn aufgerieben und ihn abgehalten, nach anderen Richtungen hin zu wirken. Das erfüllte ihn mit Kummer. Eines Tages, und zwar kurz vor ſeinem Tode, ging er, mit beiden Händen ſich den Kopf haltend, eine Weile im Zimmer auf und ab und rief dann mit dem Ausdruck tiefſten Schmerzes:„Gott! ich hätte noch ſo viel zu ſagen über Welt und Menſchen, aber die leidige Politik gönnt mir nicht Ruhe noch Raſt.“
Nach dem Tode Börne's zog Frau Strauß nach Auteuil und kam nur nach Paris, wenn ſie durch eine dringende Angelegenheit dazu genöthigt wurde. Faſt beſtändig war ſie in ihrem Zimmer eingeſchloſſen und ſtöberte in den Handſchriften Börne's herum. Sie gab damals die zwei letzten Bände ſeiner hinterlaſſenen Briefe heraus, und dieſe Beſchäftigung regte ſie noch mehr auf. Ich befand mich einſt im Leſecabinet in der Passage de l'opéra, als Strauß zu mir kam und mir mittheilte, daß ſeine Gattin mich draußen erwarte. Ich fand ſie in großer Angſt und am ganzen Leibe zitternd. Und was war die Urſache dieſer fürchterlichen Be⸗ ſtürzung? Sie hatte ſoeben die zwei Bände der hinterlaſſenen Briefe vom Verleger erhalten und in denſelben viele Druckfehler gefunden. Sie hielt die Auflage für verſtümmelt und fürchtete eine Niederlage für den Ruhm ihres Freundes. Ich hatte große Mühe, ſie zu tröſten und ihr begreiflich zu machen, daß ſeit der göttlichen Erfindung Gutenberg's kaum ein Buch gedruckt worden, in welchem nicht ſi Werke Goethe's und Schiller's gar viele Druckfehler enthielten und daß das Publicum ſich nicht daran ſtieße. Um ſie aufzuheitern, zählte ich ihr eine Reihe komiſcher Druckfehler auf und hatte end⸗ lich das Vergnügen, ſie etwas beruhigt zu ſehen.
Das Publicum kennt von dem Briefwechſel Börne's mit der Frau Strauß nur ſeine Briefe, nicht die ihrigen. Sie hat auch niemals ihren Freunden eine von ihr geſchriebene Zeile mitgetheilt. Ich glaube indeſſen, daß ſie auf Börne mehr durch die ſeltenen Vorzüge ihres
Herzens als durch ihre geiſtigen Eigenſchaften gewirkt habe. Wie
anregend ſie in frühern Jahren geweſen ſein muß, ſollte ich einſt ſelbſt erfahren. Ich war mit mehreren Freunden an einem Sonntag bei ihr zu Tiſche. Es wurden, da die Hitze ſehr groß war, einige Siphons eau de Seltz ſervirt, und ich, der ich an das wirkliche Selterswaſſer gewohnt war fand dieſes künſtliche Mineralwaſſer herb und beißend. Ich machte dabei die Bemerkung,
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innentſtellende Druckfehler zu finden, daß die ſeh 5.
Opferſtock für Oſtpreußen. Es gingen ferner ein: C. v. Inten in Ottomont 2 Thlr.; B. in Hiltorp 6 Thlr.; Keſſ 2 Thlr. 15 Sgr.; H. L. in Wehlen 20 Sgr.; aus Hard bei Bregenz(7 Fr. S
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daß die Fabrik nicht die Werkſtätte der Natur zu erſetzen ver⸗
möge, und mochte vielleicht für dieſen Gemeinplatz eine glüclliche Form gefunden haben. Nach einigen Secunden ſagte mir Frau Strauß:„Was Sie eben geſagt, iſt ſehr hübſch, und Sie ſollten es niederſchreiben.“ Ich nickte bejahend; ſie kam aber während der Tafel noch einige Male darauf zurück und ich mußte ihr endlich verſprechen, ſogleich bei meiner Rückkehr den Gedanken auf's Papier zu werfen.
Unbegrenztes Wohlwollen war der Hauptzug ihres Charakters und bekundete ſich in Allem, was ſie ſprach. Man weiß, wie ſehr Heine in ſeinem Buch über Börne ſie mißhandelte, wie grauſam er ein reines edles Verhältniß in den Schmutz zu treten und die Lacher auf ſeine Seite zu ziehen ſuchte. Nun, man hat oft von Heine bei Frau Strauß geſprochen, niemals aber habe ich von ihr ein hartes Wort gegen ihn äußern hören. Sie ſprach im Gegentheil immer voll Bewunderung von ſeinem Talente und erzaͤhlte gern von ſeinem erſten Beſuch bei ihr in Frankfurt, als er, mit Börne innig befreundet, ihr ein Exemplar ſeines Buchs der Lieder überreichte. Einmal, da man auf Heine’s Sch rift gegen Börne zu ſprechen kam, ſagte ſie lächelnd, ſie begreife nicht, warum Heine ihr ein blatternarbiges Geſicht angedichtet; ob denn ein Weib blos durch ein blatternarbiges Geſicht das Zwerchfell der Männer erſchüttern könne? Sie wenigſtens finde gar nichts Komiſches daran, ein armes Weſen durch die Spuren einer fürchterlichen Krankheit entſtellt zu ſehen.
Frau Strauß war nicht blatternarbig und hatte auch nicht die geringſte Aehnlichkeit mit dem Zerrbilde, das Heine als ihr Portrait gegeben. Sie war, als ich ſie kennen lernte, eine etwas unterſetzte Matrone mit ſanften, ſchwermüthigen Geſichtszügen, die ſich nur ſelten belebten. Ihre Stimme hatte etwas Sympathiſches. Man hörte gern zu, wenn ſie ſprach, und war überzeugt, daß ihr die Worte aus dem Herzen kamen.
Frau Strauß war nicht nur ſehr wohlwollend, ſie war auch ſehr wohlthätig. Die Reaction von 1849 hatte unzählige Deutſche in's Eril getrieben. Viele von ihnen kamen nach Paris und be⸗ fanden ſich in der traurigſten Lage. Die edle Frau half, wo ſie helfen konnte, ohne es an die große Glocke zu hängen, ohne jemals der Opfer, die ſie gebracht, auch nur mit einer Silbe zu erwähnen. Die Unglücklichen, denen ſie das ſchwere Loos zu er⸗ leichtern ſuchte, erfuhren nicht, woher ihnen die Wohlthat kam. Frau Strauß ließ ihre Spenden den Hülfsbedürftigen durch ver⸗ mittelnde Perſonen zufließen, auf deren Verſchwiegenheit und Zart⸗ gefühl ſie rechnen konnte, und erſt nach ihrem Tode hat man er⸗ fahren, wie freigebig ſie geweſen.
Im Juli 1850 ging ich nach England. Ich verabſchiedete
mich von ihr mit der Ahnung, ſie nicht wieder zu ſehen. Die
ſiegreiche Reaction verſenkte ſie in düſtere Schwermuth, die mit jedem Tage bedenklicher wurde. Sie fürchtete beſtändig von den Häſchern des Despotismus überwacht zu ſein, und als die Nach⸗ richt von dem Staatsſtreich zu ihr gelangte, hüllte ſich ihr Geiſt in ewige Nacht. Noch mehrere Jahre ſiechte ſie hin, bis endlich ein milder Tod ihr Auge ſchloß. Daß größere Publicum kennt
die Freundin Börne's kaum dem Namen nach, ſie verdient es
aber gewiß, zu Deutſchlands edelſten Frauen gezählt zu werden.
3 ow in Neubrandenburg 2 Thlr.; aus Liebenberg 54 C.) 4 Thlr. 27 Sgr.; zwei Schüler in Neumünſter und Zürich 5 Thlr.
10 Sgr.; Ungenannt aus Leipzig 5 Thlr.; auf einem Maskenball in Annaberg geſammelt 6 Thlr. 20 Sgr.; aus Neu⸗Arad 15 fl. öſter.; bei einer
Theatervorſtellung im Mädcheninſtitute zu Kirchheimbolanden geſ. 16 fl. rhein.; Halbertrag eines Concerts im Schützenſaale zu Apolda 22 Thlr.; H. R.
in Wittenberg 50 Thlr.; Kunigunde aus H. 1 Thlr.; F. E. M. in Frankfurt 1 fl. rhein.; K. in Arnſtadt 2 Thlr.; Sammlung in Hundshübel
6 Thlr. 3 ½ Sgr.; Heinr. Koy in Tarnow 5 fl. öſter.; aus Oberfrohna 1 Thlr.; von einer kleinen Geſellſchaft in Gladbach 4 Thlr. 15 Sgr.; aus
Stauchnitz 10 Thlr.; J. E. St. in Fulda 10 Thlr.; Rottmayer in Wien 2 Thlr.; N. N. in Trieſt 3 fl. öſter.; F. in Meerane 1 Thlr.; Marquardt
in Großenhain 1 Thlr.; Ida Preuß in A. 10 Sgr.; heitern Faſtnachtsfeier der Geſellſchaft Reunion in K
Gemeinde Göbſchelwitz bei Leipzig 20 Thlr.; H. L, in Sülz 4 Thlr.; L. O. in Ch. 1 Thlr.: bei einer chenbroda 21 Thlr.; A. K. in B. 20 Sgr.; B. P. in Weimar 1 Thlr.; A. E. in Koblenz 2 Thlr.; aus
der Sammlung der Plemperie in Leipzig beim carnevaliſtiſchen Concert 9 Thlr. 4 Sgr.; zwei Abonnenten der Gartenlaube in Paris 20 Thlr.; beim Turner⸗ Maskenball in Jeßnitz 3 Thlr.; Theatervorſtellung des Leſekränzchens in Rieſa 19 Thlr. 10 ½ Sgr.; Sammlung bei dem Faſtnachtsfeſte der„Euterpe“
in Buchholz 10 Thlr. 25 Sgr.; büchſe der Starke'ſchen Apotheke in Lindenau 12 Thlr. 17
Sammlung des wiſſenſchaftlichen kaufmänniſchen Vereins„Börſe“ in Zwickau 33 Thlr. 20 Sgr.; aus der Sammel
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„Sgr.; von weiblichen Dienſtboten des Herrn Falkenſteiner und von drei Arbeitern in Kitz⸗
büchel(Tirol) 3 fl. 24 kr.; von Einem, der ſich ſchämt, ſo ſpät etwas geſchickt zu haben 1 Thlr.; M. undA. 1 Thlr.; aus Deutſchlands Oſtmark die
ein deutſches
J. 2 Thlr.;
Wiener Burſchenſchaft„Sileſia““ 30 fl. öſter.; Nenzerheim 2 Thlr. 2 Sgr.; K. B. in J aus Diebach(21 fl.) 12 Thlr.
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Herz im fernen Ungarlande 3 fl. öſter.; ein Abonnent aus Belgien 10 Thlr.; A. K. in vom Stiftungsfeſt des Geſangvereins zu Langwelmsdorf bei Stolpen 7 Thlr. 27 Ngr. 1 Pfg.;
Von dieſen Eingängen ſind ſofort abgeſandt worden: Lehrer Gundrich in Gaudiſchkehmen 30 Thlr.; Provincial⸗Comité in Königsberg 150 Thlr.; 1 g
John Reitenbach in Plicken(Bürger⸗ und Bauernfreund) 150
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Inhalt: Ein Wort. Novelle.(Fortſetzung.)— Der Erbe Liszt’s. Mit Portrait.— Eines deutſchen Mannes Bild. 2. Grenchen.
Engliſche Sitten. Beobachtungen und Randgloſſen. Von Arnold Ruge.
1. Eſſen und Trinken.— Bilder aus den deutſchen Alpen. Nr. 2
Kirchfahrt auf oberbairiſchem Gebirgsſee. Von Carl Stieler. Mit Abbildung.— Die Freundin eines edlen Menſchen. Von Ludwig Kaliſch.
Opferſtock für Oſtpreußen.
Verautwortlicher Redacteur Ernſt Keil in Leipzig.— V
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