1. Nürnberg im Norden. L.
Es war in der dunkeln Zeit kurz nach der Unterwerfung und Bekehrung der heidniſchen Sachſen durch Karl den Großen, als ſich in einem Walde nicht fern von dem Biſchofsſitz, den der Kaiſer im
heutigen Elze für Oſtphalen gegründet, ein Wunder begab. Karl's Sohn, Ludwig der Fromme, hielt während eines Be⸗
Alte Städte und altes Bürgerthum.
aus wurden Klöſter ſetzte Vorſtädte an und allmählich entwickelte ſich ein reger Verkehr V
von Handwerk und Handel.
ſchofs der Diöceſe, mit Bernward,
Von Moritz Buſch.
als Vorwerke der Burg gegründet, die Stadt
Erſt mit dem zwölften Nachfolger Gunthar's, des erſten Bi⸗ lichten ſich für uns die Zei—
Mannes leuchtete weit
ſuchs in Elze einige Stunden nordöſtlich von da eine Jagd ab. Da⸗ ten. Der Glanz des Genies dieſes großen V bei wurde eine Meſſe geleſen, bei welcher der Prieſter eine Kapſel hin über die dunkeln Lande und ſtrahlte, verſtärkt durch die Heiligen⸗ der Jungfrau Maria an einem Baume aufhing, der glorie, mit der die Kirche ſpäter ſein Haupt umgab, auch in un—
Bei der Heimkehr geſchah es, daß die Kapſel s man ſich ihrer erinnerte und zurückkehrte, um ſie zu holen, ſiehe da hatte ein unterdeß mit der Schnelligkeit von Jonas' Kürbis aufgeſproßter Roſenſtrauch das heilige Gefäß dermaßen mit ſeinen Ranken umſponnen, daß man durchaus nicht zu ihm gelangen konnte. Der Kaiſer, davon benachrichtigt, ver⸗
mit Reliquien ihm als Altar diente. veergeſſen wurde, und al
ſtand den Wink. Die Mutter Gottes wollte, daß ihre Reliquien hier blieben, und das geſchah alſo. Man baute an die Stelle eine Capelle und verlegte dann ſogar den Biſchofsſitz an die Wunder ſttäätte in der Wildniß. So ungefähr die Legende, weiſen ich dem würdigen Küſter überlaſſe, ggen Sommer mit der ſolchen Hütern von Heiligthümern eigenen Salbung erzählte. Es wird ihm nicht leicht fallen. Eins aber kann er für ſich anführen, den Roſenſtock, der in wunderbarer Jugendlichkeit noch heute grünt und blüht und der dieſes ſein ewig junges Leben, dieſe unerſchöpfliche und unzerſtörbare Trieb⸗ kraft ſeiner ganzen Umgebung mitgetheilt zu haben ſcheint. Wohl tauſendjährig iſt er das älteſte lebende organiſche Gebilde Nord— deutſchlands. Die kleine Waldcapelle neben ihm iſt zu einem ſtattlichen Dome emporgewachſen, und von dem Dome, gleichſam dem Stamme, haben ſich im Laufe der Jahrhunderte langgeſtreckte Straßen und Gaſſen, gleichſam die Aeſte und Zweige, nach einer Anzahl anderer Kirchen, gleichſam den Blättern und Blumen des Roſenſtrauchs der Urzeit, ausgebreitet. Dieſer Roſenſtock, welchen die Gottesmutter der Legende, vielleicht aus dem Paradieſe, in die Wildniß des neunten Jahrhunderts pflanzte, iſt im neun— zehnten noch grün und geſund, der Segen aber, der in ihn gelegt war, hat ihn zugleich zu einer unſerer merkwürdigſten Städte aus ſproſſen laſſen.
Die Stadt, von welcher ich rede, ddie ſehenswertheſte, und in gewiſſen Beziehungen die Mittelſtadt des deutſchen Nordeus, reich vor Allem an Blüthen menſchlichen Kunſttriebes, wie ſein Roſenſtock reich iſt an natür⸗ lichen Blüthen, neben dieſem Wunder für den Botaniker nicht weniger ein Gegenſtand der Bewunderung für den Freund archi⸗ „etoniſcher Schönheit, wegen der Fülle privater und öffentlicher
rke aus alter, zum Theil uralter Zeit, die es aufweiſt,
deren volle Glaubwürdigkeit zu be⸗ welcher ſie mir im vori—
iſt Hildesheim, die älteſte, lebensvollſte
ichem Rechte wie Lübeck das Nürnberg des Nordens lgenden ein paar von den Hauptmomenten aus der
tauſendjährigen Biſchofsſtadt, dann in einem zweiten Schilderung ihrer jetzigen Geſtalt und ihres heutigen
Und ſie ſtürmet Von Ahnung ſo der Mutter Maria oder, wie die weltliche Geſchichts Es folget ihr nit, von Kaiſer Ludwig's praktiſchem Blick für das
Der Geiſt— phalen gewählte Centralſtätte auf einem der Hügel,
Es klingt, wieen ſich die harzentſproſſene Innerſte in die große
Im Sauſen diefebene hinauswindet, war ein glücklicher Gedanke. neugegründete Ort vermuthlich wir
C 2 s der Ruf, deren wuchs der mutt Dämmerungszeiten zurück, in denen wir nicht viel mehr und das Uebrige
men der zwölf erſten Biſchöfe erkennen
m haben— ziemlich raſch. Erſt eine Capelle, die wir beſcheiden vorzuſtellen haben, dann eine größere, doch s noch ſehr anſpruchslöſe Kathedrale nebſt den ſtroh⸗ en Wohnungen für die zu ihr gehörige Geiſtlichkeit, das ge gleich einer Burg gegen die von Norden her ſtreifenden deen mit ſtarken Mauern umgeben, wurde dieſe Niederlaſſung In Prieſtern und Mönchen durch Anſiedelung von ſchutzſuchendem G laienvolk, Freien und Unfreien, die ſich ihrerſeits zuletzt gleichfalls mit Feſtungswerken umſchirmten, zur Stadt. Von der Kathedrale
Der
„Weh, weh,
ſere Tage hinein, obwohl faſt tauſend Jahre ihn von uns trennen. Indem er ein Helfer der Armuth war,— fleiß der Bürger durch Stadt in die vorhandenen Feſtungswerke einſchloß und indem er die bis Hildesheim vorgedrungenen Hand zurückſchlug, indem er für in Wahrheit, was ſein Biograph
des Roſenſtocks legen, die bewundernsw Bernward als Künſtler in einer rauhen und wenig ſchöpferiſchen Zeit geſchaffen und die Hildesheim noch ſ uns ſeine wahren dies des Domes, Chriſti auf dem Platze vor demſelben, vor Allem aber die Michaelis⸗ kirche, das großartigſte Werk der deutſchen Baukunſt jenes Jahr⸗ hunderts und noch jetzt, ſchwunden iſt, eine der ſchönſten vomaniſchen Kirchen Deutſchlands, ſind ſolche Wunder.
ſprochenen Godehard, gründete Biſchof Bernhard der Erſte im erſten Drittel des dreizehnten Jahrhun
herrliche St. Godehardskirche im ſpätromaniſchen Stil, das zweite elaſſiſche Denkmal der mittelalterlichen Baukunſt in Hildesheim. An-⸗ dere Biſchöfe fügten Anderes hin Kirchenfürſten der ſpäteren Zeit ſorgten mehr für weltliche und ſie hatten Urſache dazu, indem und die auf Beſitz bedrohten, andererſeits
dert Jahren viel mit Raubrittern nächſtgelegenen Fürſtenhöfen zu kämpfen, ſtürme führte zu einer Schlacht, Geſchichte Hildesheims zählt und über die ich,
indem er Handwerk und Kunſt⸗ Rath und That förderte, indem er die ganze
Normannen mit gewaffneter Bildungsanſtalten ſorgte, war er ſ von ihm ſagt, der Patron der V tadt. Die Wunder, die ſein Leichnam that, wollen wir zu dem erthen Werke, die der lebende heute ſchmücken, ſolle Wunder ſein. Die ehernen Thürme am Para⸗ die metallene Säule mit Scenen aus dem Leben
obwohl Vieles von der alten Anlage ver⸗
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Bernward's Nachfolger zu Ehren, dem ſpäter gleichfalls heiligge⸗
derts ein Kloſter und daneben die
zu, die meiſten der hier herrſchenden Dinge, einerſeits der raubſüchtige Adel Ländererwerb bedachten Fürſten der Nachbarſchaft ihren das Bürgerthum den geiſtlichen Herren
lernte und immer energiſcher darnach ſtrebte,
gegenüber ſich fühlen ſich von ihnen unabhängig
zu machen.
Biſchof Gerhard vor nunmehr fünfhun⸗
und deren Gönnern an den
und einer dieſer Kriegs⸗
welche zu den Glanzpunkten in der V V
So hatte namentlich
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da man im letzten Sommer ihr fünfhundertjähriges Gedenkfeſt feierte, ausführlicher berichte. Herzog Magnus von Braunſchweig und Erzbiſchof Dietrich von Magdeburg mit vielen Grafen und Edlen ſagten im Auguſt 1367 Biſchof Gerhard Fehde an, und bald darauf erſchienen ſie mit einem zahlreichen Heer raubend und brennend auf deſſen Gebiet. Nuchlos ſchonten ſie ſelbſt die Kirchen nicht. Ein Kundſchafter meldete, der Biſchof ſei in Angſt und ſuche vor dem Altar Hülfe. Gerhard aber war andern Schlags. Er verzagte nicht, ſondern waffnete ſeine Bürger, Bauern und Mönche und rückte dem Feinde mannhaft entgegen. Sein Gebet zur heiligen Jungfrau hatte ge⸗ lautet:„Verleih' uns den Sieg, dann ſollſt Du unter einem gol⸗ denen Dache wohnen; wo nicht, ſo wirſt Du fortan auch kein b
Strohdach mehr Dein nennen.“ Am 3. September, dem Tage den ſich die Heere auf einem Felde zwiſchen den Dörfern Farmſee und Dinklar, das ſeitdem der Streitacker heißt, gegenüber. Ger⸗ hard hatte faſt nur Fußvolk, und ſeine Leute verhielten ſich zu den Gegnern, die in der Neiterei ihre Hauptſtärke hatten, wie Eins zu Drei. Der ſtreitbare Biſchof aber ließ ſich dadurch nicht ſtören.„Leve Keerel,“ rief er, auf die Reliquien hinweiſend, die er bei ſich trug,„truret nich, hie hebbe ik duſent Mann in miner Mawen!“(Eiebe Kerle, trauert nicht, hier habe ich tauſend Mann in meinem Aermel.) Die übermüthige Ritterſchaar, voll Verach⸗ tung vor dem bürgerlichen Häuflein, ſtürmte in wildem Rennen ſiegesgewiß gegen dieſes heran. Aber die Biſchöflichen hielten den Anprall aus und drangen muthig vor. Lange wehrten ſich die
des heiligen Remaelus, ſtan⸗
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