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Sie ſetzte ſich gleich bereitwillig neben ihn und er⸗ griff ſeine Hand.
„Ich danke Dir, Du Liebe — und nun höre; — ich werde Dich nicht lange aufhalten. Ich habe ſchon in der Nacht Alles, was ich Dir zu ſagen habe, in meinem Kopfe vorbereitet. Nun höre. — Denke nicht, daß die geſtrige Begebenheit mich all' zu ſehr verwirrt hat. Ich bin wahr⸗ ſcheinlich ſehr lächerlich, und auch etwas widerwärtig ge⸗ weſen, allein Du haſt gewiß nichts Schlechtes und Nie⸗ driges von mir gedacht . . Du kennſt mich. — Ich habe Dir geſagt, daß die geſtrige Begebenheit mich nicht ver⸗ wirrt hat; das iſt nicht wahr . . . das iſt ein Unſinn .. ſie hat mich in der That verwirrt; doch nicht deshalb, weil man mich berauſcht nach Hauſe brachte, — ſondern, weil ſie mir meine vollſtändige Unfähigkeit bewieſen hat! — Meine Unfähigkeit überhaupt, — nicht blos darin, daß ich nicht trinken kann, wie die Ruſſen trinken. Im Allge⸗ meinen! Marianne, ich muß Dir bekennen, daß ich nicht mehr an jene Sache glaube, die uns vereinigt hat, um derentwillen wir zuſammen jenes Haus verließen, und für welche ich, wenn ich die Wahrheit ſagen ſoll, ſchon erkaltete, als Dein Feuer mich erwärmte und entflammte: Ich glaube nicht mehr! Glaube nicht mehr!“
Er deckte ſeine Hand über ſeine Augen und ſchwieg eine Weile. — Auch Marianne ſprach kein Wort und ſenkte den Kopf.. Sie fühlte, daß er ihr nichts Neues
eſagt. 9,36 habe früher gedacht,“ fuhr Neſdanow fort, indem er die Hand von den Augen fortnahm, aber ohne Ma⸗ riannen anzuſehen, — „daß ich an die Sache ſelbſt glaube — und nur an mir ſelbſt, meiner eigenen Kraft und an mei⸗ nem Verſtändniß zweifle; ich dachte daß meine Fähigkeiten meinen Ueberzeugungen nicht entſprachen. aber es iſt wohl unmöglich dieſe beiden Sachen zu trennen — und warum ſollte man ſich auch täuſchen? Nein, ich habe keinen Glauben an die Sache ſelbſt! Glaubſt Du an dieſelbe, Marianne?“
Marianne erhob den Kopf und richtete ſich auf.
„Ja, Alexei! ich glaube. Ich glaube an ſie mit allen Kräften meiner Seele — und werde mein ganzes Leben dieſer Sache weihen, — bis zum letzten Athemzuge!“
Neſhdanow wandte ſich zu ihr und maß ſie mit einem gerührten, neidiſchen Blicke.
„Ja, ſo iſt es. Ich habe dieſe Antwort erwartet. — Da ſiehſt Du alſo, daß wir Beide Nichts mit einander zu


