„Ich habe nicht geſchlafen, ſeit Sſolomin zu Dir in's Zimmer ging.“ .
„Wann?“ „
„Geſtern Abend.“
„Alexei, biſt Du eiferſüchtig? Das wäre doch! Und da haſt Du die rechte Zeit gewählt um eiferſüchtig zu ſein! Er blieb ja nur eine Viertelſtunde . . und wir ſprachen von ſeinem Vetter, dem Prieſter, und wie unſre Trauung zu veranſtalten ſei.“
„Ich weiß, daß er nur eine Viertelſtunde blieb: ich habe geſehen, wann er fortging. Ich bin nicht eiferſüchtig, oh nein! Aber ich konnte dennoch nicht mehr einſchlafen.“
„Warum denn nicht?“
Neſhdanow ſchwieg.
„Ich habe immer gedacht.. gedacht.. gedacht!“
„Worüber denn?“
„Ueber Dich .. über ihn .. und über mich ſelbſt nachgedacht.“
„Und was haſt Du Dir denn ausgedacht?“
„Soll ich es Dir ſagen, Marianne?“
„Sage es.“
„Ich bin zu der Ueberzeugung gekommen, daß ich — Dir und ihm. . und mir ſelbſt hinderlich bin.“
„Mir! ihm! Ich kann mir denken, was Du damit ſagen willſt, Du verſicherſt, daß Du nicht eifer⸗ ſüchtig biſt. — Aber: Dir ſelbſt?“
„Marianne, in mir ſind zwei Menſchen — und der Eine läßt den Anderen nicht leben. — Es iſt alſo, denke ich, beſſer, wenn Beide aufhören zu leben.“
„Ich bitte Dich, höre auf, Alexei! — Was haſt Du für Freude daran, Dich und mich zu quälen? Wir müſſen jetzt überlegen, was für Maßregeln zu treffen ſind .. denn man wird uns hier nicht in Ruhe laſſen.“
Neſhdanow ergriff zärtlich ihre Hand.
„Setze Dich zu mir, Marianne, und wollen wir ein wenig freundſchaftlich mit einander plaudern. — So lange es noch Zeit iſt. — Gieb mir Deine Hand. Ich glaube, wir thäten gut, uns gegen einander auszuſprechen, obgleich man ſagt, daß all' ſolche Erörterungen nur zu größerer Verwirrung führen. Aber Du biſt klug und gut, Du wirſt Alles verſtehen — auch was ich nicht ausſpreche — und wirſt es überdenken. Setze Dich.“
Neſhdanow ſprach ſehr leiſe und ſeine Augen drückten eine ganz beſondere freundſchaftliche Zärtlichkeit und Bitte aus; er ſah Mariannen unverwandt an.


