Druckschrift 
Neuland : Roman / von Iwan Turgéniew
Entstehung
Einzelbild herunterladen

241

„Aber auch ihm droht ja wohl Gefahr. Die Polizei wird auch ihn ergreifen. Ich glaube, er hat noch mehr gewußt und Theil an Allem genommen, als ich.“

ſej „Davon weiß ich Nichts. Er ſpricht niemals von ſich elbſt.“

„Anders als ich!“ dachte Neſhdanow, „das wollte ſie wohl ſagen. — Sſolomin. Sſolomink, fügte er hinzu, nach einem langen Schweigen. — „Sieh Marianne! ich würde Dich nicht beklagen, wenn der Menſch, mit dem Du Dich für's ganze Leben verbindeſt — ſo wie Sſolomin, oder Sſolomin ſelbſt wäre.“

Jetzt ſah Marianne Neſhdanow aufmerkſam an.

hatteſt nicht das Recht, das zu ſagen,“ ſprach ſie en

ich.

„Nicht das Recht? — Wie ſoll ich dieſe Worte ver⸗ ſtehen? ſoll ich daraus entnehmen, daß Du mich liebſt — oder wollteſt Du damit ſagen, daß ich dieſe Frage überhaupt nicht hätte berühren ſollen?“

„Du hatteſt kein Recht es zu thun,“ wiederholte Marianne.

Neſhdanow ſenkte den Kopf.

„Marianne!“ brachte er mit etwas veränderter Stimme hervor.

„Was wünſcheſt Du?“

„Wenn ich jetzt .. . wenn ich Dir jetzt jene Frage thun ſollte . Du weißt! Nein, ich werde Dich um Nichts bitten lebewohl.“

Er erhob ſich und ging hinaus. Marianne hielt ihn nicht zurück. Neſhdanow ſetzte ſich auf das Sopha und verbarg ſein Geſicht in ſeinen Händen. Er erſchrak vor ſeinen eigenen Gedanken, und bemühte ſich gar Nichts zu denken. Er fühlte nur Eines deutlich: eine dunkle, unter⸗ irdiſche Hand hatte an die Wurzel ſeines Lebens ge⸗ griffen — und würde daſſelbe nicht mehr aus der Hand laſſen. Er wußte, daß das gute theure Weſen, welches im andern Zimmer geblieben war, nicht zu ihm heraus⸗ kommen würde, und daß er es nicht wagen würde zu ihr zu gehen. Und wozu auch? Was ſollte er ihr ſagen?“

Raſche, feſte Tritte veranlaßten ihn die Augen zu öffnen. Sſolomin ging durch ſein Zimmer, klopfte an Mariannens Thür und ging zu ihr hinein.

„Ehre und Vortritt!“ flüſterte Neſhdanow bitter.

Turgenieff. Neuland. 16