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ut und ruhig wie in der erſten Stunde. Von drei bis kunf ſaß Neſhdanow in ſeinem Zimmer, ſchrieb Briefe nach Petersburg — und fühlte ſich ziemlich gut; die Langeweile wor verſchwunden, die Wehmuth auch und die aufgeregten Nerven beruhigten ſich allmählich. Sie waren während des Mittageſſens von Neuem angeſpannt, obgleich Kallomey⸗ zew abweſend war und die Zuvorkommenheit der Frau vom Hauſe dieſelbe blieb; aber dieſe Zuvorkommenheit ſelbſt ärgerte ihn. Dazu kam, daß ſeiné Nachbarin, das alte Fräulein Anna Sacharowna, offen bar feindlich gegen ihn geſinnt war und verdrießlich ausſah, Marianne immer gleich ernſt blieb und Kolja ihn ſchon allzu ungenirt mit den Füßen ſtieß.
Sipijägin ſchien auch verſtimmt zu ſein. Er war ſehr unzufrieden mit dem Verwalter ſeiner Papierfabrik, einem Deutſchen, den er für vieles Geld gewonnen hatte. Sipjägin begann die Deutſchen überhaupt zu ſchmähen, erklärte bei dieſer Gelegenheit, daß er ſelbſt in gewiſſer Beziehung Slavophile ſei, wenn auch kein Fanatiker und wies auf einen jungen Ruſſen, einen gewiſſen Solomin hin — der, wie man ſagte, die Fabrik eines benachbarten Kaufmanns auf einen vortrefflichen Fuß geſetzt hatte; er hätte gar zu gern die Bekanntſchaft dieſes Solomin gemacht.
Gegen Abend kam Kallomeyzew, deſſen Landgut nur zehn Werſt von „Arſhanoje“ — ſo hieß Sipjägins Dorf — entfernt war. Es kam auch der Friedensrichter, einer von jenen Gutsbeſitzern, die Lermontow in den zwei be⸗ kannten Verſen ſo vortrefflich charakteriſirt hat:
Im Halstuch verborgen, im Frack ellenlang, Mit Schnauzbart, Diskantſtimme und ſchläfrigem Blick. ..
Es erſchien noch ein anderer Nachbar mit trübſeligem, zahnloſem Geſicht, der aber ſehr ſauber gekleidet war, und der Kreisarzt, ein ſehr mittelmäßiger Arzt, der mit gelehr⸗ ten Ausdrücken um ſich zu werfen liebte: er verſicherte zum Beiſpiel, daß er Kukolnik dem Puſchkin vorziehe, weil Kukolnik viel „Protoplasma“ enthalte. Man ſetzte ſich an den Kartentiſch. — Neſhdanow zog ſich in ſein Zimmer zurück und ſchrieb und las bis na Mitternacht.
Am folgenden Tage, den 9. Mai, war Kolja's Namens⸗ tag. „Die Herrſchaft“ begab ſich in drei offenen Kaleſchen mit Dienern hinten auf dem Tritt, zur Meſſe in die Kirche, obgleich dieſe kaum eine Viertelſtunde von dem Hauſe ent⸗ fernt war.
Alles war ſehr prächtig und in höchſter Parade. Sip⸗
Turgenieff. Neuland. 4


