Druckschrift 
Neuland : Roman / von Iwan Turgéniew
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ficirte Ordnung und Regelmäßigkeit — in der Perſon Sipjägin's.

Er trug einen erbsfarbenen Rock in Form eines Schlafrocks und eine bunte Mütze; er ſtützte ſich auf ein Spazierſtöckchen aus Bambusrohr, und ſein friſchraſirtes Geſicht athmete Zufriedenheit; er war herausgegangen, um ſeine Wirthſchaft zu beſehen. Sipjägin begrüßte Neſh⸗ danow freundlich.

„Aha!“ rief er aus, ich ſehe, Sie gehören zu den Jungen und Frühzeitigen. (Er wollte wahrſcheinlich durch dieſe, nicht ganz hierherpaſſende Bemerkung ſein Gefallen daran ausdrücken, daß Neſhdanow, gleich wie er ſelbſt, nicht lange im Bette blieb.) „Um 8 Uhr wird im Speiſezimmer gemeinſam Thee getrunken, und um 12 Uhr frühſtücken wir. Sie werden Kolja um 10 Uhr ſeine erſte ruſſiſche Stunde und um 3 Uhr eine Geſchichtsſtunde geben. Morgen, am 9. Mai iſt ſein Namenstag; da hat er keine Stunde; heute aber bitte ich anzufangen!“ eſhdanow neigte den Kopf — und Sipjägin nahm

auf franzöſiſche Weiſe Abſchied von ihm, indem er die Hand

nochmals raſch zu ſeinem eigenen Munde und Naſe führte, und ging — lebhaft das Stöckchen ſchwingend und pfeifend — durchaus nicht wie ein hochgeſtellter Beamter und Würden⸗ träger, — ſondern wie ein guter, ruſſiſcher country- gentleman.

Neſhdanow blieb bis 8 Uhr im Garten, genoß den Schatten der alten Bäume, die Friſche der Luft, den Vogel⸗ geſang, bis der hallende Gong ihn ins Haus zurückrief; — er fand die ganze Geſellſchaft im Speiſezimmer.

Valentine Michailowna benahm ſich ſehr freundlich gegen ihnz in ihrer Morgentoilette erſchien ſie eine voll⸗ kommene Schönheit. Das Geſicht Mariannens war wie gewöhnlich in ſich gekehrt und ſtreng. Genau um 10 Uhr wurde Kolja die erſte Stunde im Beiſein Valentine Michailow⸗ nas gegeben; ſie hatte ſich zuvor bei ihm erkundigt, ob ſie ihn nicht ſtören würde und hielt während der ganzen Zeit ſehr ſtill. Kolja erwies ſich als ein aufgeweckter Junge; nach dem un⸗ vermeidlichen und unbehaglichen erſten Umhertaſten ging die Stunde ganz glücklich vorüber. Valentine Michailowna ſchien ſehr befriedigt von dem Lehrer zu ſein und redete Neſhdanow nochmals freundlich an. Er blieb etwas zurückhaltend.

Valentine Michailowna wohnte auch der eiten Lehr⸗ ſtunde, in der ruſſiſchen Geſchichte bei. Sie erklärte lächelnd,

daß ſie, was dieſen S anbetreffe, nicht weniger eines Lehrers bedürfe a

s ihr Kolja, und hielt ſich eben ſo

—