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Neuland : Roman / von Iwan Turgéniew
Entstehung
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Ein reizendes Bild! Und die Frau des Hauſes, Valentine Michailowna Sipjägin ſelbſt vollendete es und gab demſelben Sinn und Leben. Sie war eine hochgewachſene Frau von ungefähr dreißig Jahren, mit dunkelbraunem Haare, einem dugklen, friſchen aber einfarbigen Geſichte, welches an das Antlitz der Sirtiniſchen Madonna erinnerte, und wunderbaren, tiefen, ſammetnen Augen. — Ihre Lippen waren etwas breit und bleich, ihre Schultern etwas hoch, die Hände etwas groß ...

Trotz alle dem aber würde jeder, der ſie geſehen hätte, wie ſie ſich frei und leicht im Salon bewegte, indem ſie ſich bald mit leicht gebeugtem Körper zu den Blumen herabneigte uud lächelnd an ihnen roch — bald eine kleine, chineſiſche Vaſe umſtellte — bald vor den Spiegel trat, um raſch ihre glänzenden Haare zu ordnen, wobei ſie ihre wunderbaren Augen etwas zuſammenkniff — es würde ge⸗ wiß ein Jeder — ſagen wir — für ſich oder laut ausge⸗ rufen haben — daß er niemals einem feſſelnderen Geſchöpfe begegnet ſei! —

Ein krausköpfiger, hübſcher Knabe von 9 Jahren, in einem ſchottiſchen Koſtüm mit bloßen Beinchen, ſtark poma⸗ diſirt und gelockt, kam ungeſtüm ins Zimmer hineingelaufen unb blieb beim Anblicke Valentine Michailowna's plötzlich tehen.

„Was willſt Du, Kolja?“ fragte ſie. — Ihre Stimme war eben ſo weich und ſammeten, wie ihre Augen.

„Weißt Du, Mama,“ fing der Knabe verlegen an, „mich hat die Tante hierhergeſchickt . ich ſoll ihr Mai⸗ glöckchen bringen für ihr Zimmer.. ſie hat keine

Volentine Michailowna faßte ihr Söhnchen beim Kinn und hob ſein pomadiſirtes Köpfchen in die Höhe.

„Sage der Tante, daß ſie zum Gärtner nach Maiblumen ſchicken möchte; — dieſe Maiblumen ſind mein — ich will nicht, daß ſie angerührt werden. Sage ihr, daß ich nicht liebe, wenn meine Ordnung geſtört wird. — Wirſt Du meine Worte zu wiederholen verſtehen?“

„Ja,“ flüſterte der Knabe.

„Nun? wiederhole ſie mir.“

„Ich werde ſagen ich werde ſagen . Du willſt nicht.“

Valentine Michailowna lachte auf. — Auch ihr Lachen war weich.

„Ich ſehe, man kann Dir noch keine Aufträge geben. Nun, gleichviel, ſage was Du willſt.“