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Neuland : Roman / von Iwan Turgéniew
Entstehung
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„Nichts. Leben Sie wohl! Nichts.“

Sie drückte Neſhdanow noch einmal die Hand und entfernte ſich.

„Im ganzen Petersburg iſt Niemand, der mir ſo zu⸗

gethan wie — dieſer Sonderling!“ dachte Neſhdanow bei ſich. „Aber — mußte ſie mich ſtören! Uebrigens . .. das iſt Alles zum Beſten!“ Am Morgen des folgenden Tages begab ſich Neſhdanow in die Wohnung Sipjägin's, und dort, in dem prachtvollen Kabinet, das mit Möbeln angefüllt war, die vollkommen im Einklange mit der Würde des liberalen Staatsmannes und Gentleman's waren, vor einem großen Schreibtiſche ſitzend, auf welchem in ſymmetriſcher Ordnung Papiere, die Niemand nöthig hatte, neben rieſigen Falzbeinen aus Elfenbein lagen, die niemals Etwas aufgeſchnitten hatten — hörte er während einer ganzen Stunde ſeinem frei⸗ denkenden Wirthe zu, ſog das Weihöl ſeiner weiſen, wohlwollenden, herablaſſenden Reden ein, erhielt endlich 100 Rubel Handgeld und — zehn Tage ſpäter flog dieſer ſelbe Neſhdanow, halbliegend auf dem ſammetnen Sopha der beſonderen Abtheilung eines Waggon's 1ſter Claſſe, auf den rüttelnden rails der Nikolajew'ſchen Bahn in der Richtung von Moskau dahin.

Fünftes Capitel.

In einem ſteinernen Hauſe mit Colonnen und mit

einem griechiſchen Fronton, welches in den zwanziger Jahren unſeres Jahrhunderts von dem Vater der Sipiägin, einem bekannten Agronomen und erbaut worden war — erwartete Valentine Michailowna, ſeine hübſche Frau, von Stunde zu Stunde die Ankunft ihres Mannes, die ihr durch ein Telegramm angezeigt worden war. — Die Ausſtattung der Salons trug den Stempel des neuſten, feinſten Geſchmacks: Alles in ihm war hübſch und anſprechend. — Alles, von den geſchmackvoll⸗bunten Creton⸗Tapeten und Draperien, bis zu den mannigfaltigen Nippſachen aus Porcellan, Bronze und Kryſtall, welche über die Etageren und Tiſche verſtreut waren; Alles trat reich und deutlich hervor und floß in den heiteren Strahlen der Maiſonne, welche ungehindert durch die weitgeöffneten Fenſter hereindrang — zuſammen.