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Neuland : Roman / von Iwan Turgéniew
Entstehung
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„Siehe da was Du für einen Fiſch gefangen haſt!“ wiederholte er kichernd und mit den Füßen ſtrampelnd, weißt Du denn auch wer der iſt? — Der bekannte Sipjägin, Kammerherr, ſo zu ſagen eine der Säulen der Geſellſchaft, ein zukünftiger Miniſter!“

„Mir iſt er vollkommen unbekannt,“ erwiderte Neſhda⸗ now finſter.

Paklin machte eine verzweifelte Bewegung mit den Händen.

„Das iſt eben das Unglück, Alexei Dmitriewitſch, daß wir Niemand kennen! Wir wollen handeln, die ganze Welt vom Grund aus umkehren und leben außerhalb dieſer ſelben Welt, gehen nur mit zwei oder drei um, drängen uns auf einem Flecke in einem engen Kreiſe herum.“

„Um Vergebung,“ unterbrach ihn Neſhdanow: „das iſt nicht wahr. Wir wollen nur mit unſeren Feinden keinen Umgang heben — mit Leuten aber von unſerem Schrot und Korn, mit dem Volke ſtehen wir in ſteten Beziehungen.“

„Halt, halt halt, halt!“ unterbrach ihn ſeinerſeits Paklin. Erſtens, was die Feinde anbetrifft, ſo erlaube mir ein Wort Göthes Dir in's Gedächtniß zurückzurufen:

„Wer den Dichter will verſteh'n „Muß in Dichters Lande geh'n.“

„Ich aber ſage:

„Wer die Feinde will verſteh'n „Muß in Feindes Lande geh'n

„Seine Feinde ſcheuen — ihr Sein und Leben nicht kennen — iſt abgeſchmackt! — Ab— ge— ſchmackt! Ja! ja! — wenn ich im Walde einen Wolf ſchießen will, ſo muß ich alle ſeine Schliche kennen . . . Zweitens ſagteſt Du ſoeben: ſich dem Volke nähern. . . Liebe Seele! — Im Jahre 1862 gingen die Polen in den Wald; — auch wir dringen jetzt in denſelben Wald, nämlich das Volk ein, der 3 dunkler und undurchdringlicher iſt, als der dunkelſte

2 „Was ſoll denn Deiner Anſicht nach geſchehen?“

„Die Indier werfen ſich unter den Wagen Djagernouts“

— fuhr Paklin finſter fort: — „ſie werden zermalmt und

ſterben — ſelig. — Wir haben ebenfalls unſern Djager⸗

nout . Zermalmen thut er uns auch; aber Seligkeit giebt er nicht!“

„Aber, was ſollte denn Deiner Anſicht nach geſchehen?“ wiederholte Neſhdanow faſt ſchneidend. — „Erzählungen mit einer beſtimmten „Tendenz“ ſcheitern? Nicht?“