21
aus der Taſche und nahm eine Karte aus demſelben her⸗ aus.
„Hier iſt meine Adreſſe in der Stadt. Sprechen Sie morgen bei mir vor. So . um 12 Uhr. Wir wollen noch mit einander reden. Ich werde Ihnen einige meiner Gedanken über Erziehung entwickeln . .. Nun — da wollen wir auch den Tag unſerer Abreiſe beſtimmen.“
Sipjägin ergriff Neſhdanow's Hand.
„Wiſſen Sie was?“ fügte er mit gedämpfter Stimme,
den Kopf etwas auf die Seite neigend, hinzu. „Wenn
Sie eines Handgeldes bedürfen. . . ohne Cermonie! Sie können ein Monatsgehalt voraus bekommen!“
Neſhdanow wußte wahrhaftig nicht, was er erwidern ſollte und ſah unſchlüſſig in das helle, verbindliche, ihm ſo fremde Geſicht, das ihm ſo nahe gerückt war und ihm ſo herablaſſend zulächelte.
„Nun? brauchen ſie keines? eh?“ flüſterte Sipjägin.
„Ich werde Ihnen das morgen ſagen, wenn Sie er⸗ lauben,“ brachte endlich Neſhdanow hervor.
„Vortrefflich! Alſo auf Wiederſehen! Auf morgen!“
Sipjägin ließ Neſhdanow's Hand los und wollte ſich entfernn
„Erlauben Sie mir die Frage,“ ſagte auf einmal Neſhdanow. „Sie haben mir ſoeben geſagt, daß Sie ſchon im Theater meinen Namen erfahren haben? — Von wem erfuhren ſie ihn?“
„Von wem? Von einem Ihrer guten Bekannten und Verwandten glaube ich, dem Fürſten . . . . Fürſten G.“
„Dem Flügeladjutanten?“
„Ja; von demſelben.“
Neſhdanow erröthete noch mehr als ſonſt — eröffnete den Mund — ſagte aber Nichts.
Sipjägin drückte noch einmal die Hand Neſhdanow's — diesmal aber ſchweigend — grüßte zuerſt ihn und dann Paklin, ſetzte ſeinen Hut gerade vor der Thür auf und ging, mit einen ſelbſtzufriedenen Lächeln auf dem Geſichte, hinaus; es trug den Ausdruck des tiefen Eindrucks, den ſein Beſuch hatte hervorbringen müſſen.
Viertes Capitel.
Kaum war Sipjägin über die Thürſchwellen getreten, als Paklin von ſeinem Stuhle aufſprang, auf Reſhdanon losſtürzte und ihm Glück wünſchte:


