529
wegung der Gardinen, auf ein Zeichen, das ihr Edward's Anweſenheit verkünde.
Aber ſie ward Nichts gewahr. — Und wenn Stephen oder Mrs. Mac⸗Nab kamen, um ſie den traurigen Träume⸗ reien der Einſamkeit zu entreißen, dann folgte ſie gehorſam, ſchweigend, düſter .. .
Sie verließ ihr Fenſter, wie man einen Freund verläßt, den man gern neben ſich weiß, der, wenn auch nicht tröſten kann, doch die Qual einzuſchläfern weiß.
Eines Tages kam Mrs. Mac⸗Nab ſchneller als ge⸗ wöhnlich die Treppe herauf und ſagte zu ihr mit jener Lu⸗ ſtigkeit, welche die Mütter gegen ihre leidenden Kinder an⸗ zunehmen verſtehen:
— Komm, Clarh, komm, mein Kind, ich will Dir
das Portrait des berüchtigten Marquis von Rio Santo zeigen.
Mrs. Mac⸗Nab wußte nichts von dem Verdachte Ste⸗ phen's gegen Rio Santo in Beziehung auf die Entführung der beiden Mädchen. Sie hatte an ihrer Thür eine von jenen mehr oder minder ähnlichen Lithographieen gekauft, welche in London vor und nach jedem berühmten Prozeſſe zu hundert Tauſend Eremplaren abgehen. Sie hatte gedacht: das wird Clary zerſtreuen.
Clary folgte ihr ſogleich wie gewöhnlich und ſtieg ins Sprechzimmer hinab, wo Anna vor der auseinander gerollten Lithographie ſchon die edlen Züge bewunderte, deren köſtliche Harmonie durch vie ungeſchickte Kreide eines IV. 23


