Vicht einmal wußte ſie, ob ſie ihn jemals wiederſehen würde.
Suſanna hatte ein ſtarkes Herz, aber alle Kraft verließ ſie, ſobald es ſich um Brian handelte. Ihre herriſche Na⸗ tur beugte ſich dann plötzlich, ſie wurde Weib und ein ſchwaches Weib.
Nach einigen Minuten rannen ſchwere Thränen ihr übe die Wangen.
— O mein Gott, ich habe ihn getödtet! flüſterte ſie verzweifelt.
Ein ſchwaches Geſtöhne wurde hinter ihr vernehmlich, wie ein Echo ihrer troſtloſen Klage; ſie achtete nicht darauf und verſuchte zu beten.
Während des Gebetes verſtärkte ſich das Geſtöhn. Suſanna hörte es und ſtand auf, denn in ihrer edlen und ganz großmüthigen Seele konnte ſelbſt die Verzweiflung das Mitleid nicht erſticken. Sie horchte aufmerkſam, das Ge⸗ wimmer wurde ſchwächer, dann wieder durchdringender.
Suſanna nahm eine Kerze und ſtieß raſch die Thür auf, welche hinter ihrem Seſſel befindlich war; — das Bett, auf welchem Clary kraftlos lag, war zehn Schritte davon.
Clary ſchwieg, ſobald ſie das Licht ſah. — Vielleicht fürchtete ſie, einen ihrer Folterer herbeigerufen zu haben. Als ſie aber darauf das bezaubernde Geſicht des ſchönen Mädchens von der Kerze beſtrahlt ſah, glaubte ſie wieder von einem Traume umgaukelt zu werden und ſchloß ermüdet und entmuthigt die Augen.


