Teil eines Werkes 
3. Theil (1844) Die große Familie / von von Sir Francis Trolopp ; uebersetzt von Dr. Ludwig Eichler
Entstehung
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S 471

Sie hatte ſeit drei Tagen ſo viel Engelgeſichter geſehen die mit tröſtendem Lächeln ſtrahlend und ſanft über ihr Schmerzenslager ſich herabneigten! So oft hatte ſie voll Hoff⸗ nung ihre Hände gefaltet und die Phantome um Rettung an⸗ gefleht, welche das Fieber ihr vorführte! . ..

Suſanna war indeß an ihr Bett herangetreten und hatte einen Blick des Mitleids auf die Kranke geworfen. Aber kaum erkannte ſie die Züge Clarg's, ſo drückte das Geſicht des ſchönen Mädchens eine außerordentliche Bewegung aus. Ihr Auge wurde feucht und zärtlich beſorgt, wie das Auge einer Mutter an der Wiege ihres Kindes; ihr Buſen hob ſich und ein unbeſtimmtes, trauriges und zugleich freudiges Lächeln umſpielte die ſchönen Linien ihres Mundes.

Darauf ſank ſie auf das Knie und ihr Blick wendete ſich gen Himmel.

Clary öffnete ihre ſchweren Augenlider, weil ſie einen Kuß auf ihrer Hand fühlte. — Ihr erſter Gedanke war, daß der Traum weiter daure; aber wie ſanft und himmliſch war er dieſes Mal! Die Engel ihrer Fieberphantaſieen waren ihr nie ſo ſchön erſchienen, als dieſes Weib mit dem befreundeten Lächeln, das ein guter Genius der Hoffnung und Erbarmens ſchien.

Clary betrachtete ſie entzückt und klagte nicht mehr.

— Sie ſind es, flüſterte endlich Suſanna mit gepreßter Stimme, welche an Clary's Ohr ſchlug wie ein ſanfter Akkord ferner Muſik; — Sie ſind es, die ich ſchon ſeit ſo langer Zeit ſuche?