Bembo war ſehr traurig. Sein grofies ſchwarzes Auge, das in ſolchen Stunden ſchwermüthigen Träumens einen zarten, ſanften, faſt weiblichen Ausdruck annahm, irrte auf den Gegenſtänden umher, ohne dieſelben eigentlich zu ſehen. Aber plötzlich machte ſeine kummervolle Zerſtreutheit einem Gefühle der Verwunderung Platz.
Die Sonne, welche in eins von den Zimmern des Lordscorner hineinſchien, hatte ihm ein junges Mädchen ge⸗ zeigt, das auf einen Seſſel ausgeſtreckt lag und ſchlief.
Vielleicht ein Jahr lang kam Bembo alle Tage nach Iriſh⸗Souſe und häufig hatte er den Zuſtand von Einſamkeit und Verlaſſenheit in dem kleinen Hauſe von Belgrave⸗Lane bemerken können, deſſen ſchlechte Beſtimmung ihm nicht unbe⸗ kannt war. Niemals während dieſes ganzen Jahres hatte er die Fenſterläden ſich öffnen geſehen.
Sein erſtes Gefühl war ausſchließlich das der Neugier, dann aber machte eine Art von Theilnahme ſeinen Blick ſanfter; Angelo Bembo war ſehr jung.
Aber das war nur ein vorübergehender und ſehr bald erſtickter Eindruck. Was konnte die Schläferin anders ſein, als eines von den Weibern, deren Leben den nächtlichen Erholungen der Mylords vom hohen Parlamente geweiht iſt; eines von den Weibern, welche Ihre Herrlichkeiten von Hand zu Hand gehen laſſen, wie eine Münze, die Cours hat, reizende Verkörperungen des Laſters, ſtrahlende Blumen, welche vor der Zeit an den adlichen Launen verwelken und verwelkt eines Tages von den ſchwellenden Kiſſen


