Bembo's hatte übrigens keiner ſtarken Anzeichen nöthig ge⸗
habt, um auf die Spur zu kommen: er war einer von den poetiſchen und feinen Geiſtern, welche das Unbekannte errathen und auf einem ganz kleinen Stücke der Wirklichkeit aufzu⸗ bauen wiſſen; aber er hatte zu gleicher Zeit auch ein ſchüch⸗ ternes und redliches Herz. Er hatte nicht über das hinaus⸗ gehen wollen, was ſeine Einbildungskraft wider ſein Wiſſen und gleichſam wider ſeinen Willen ihn vermuthen laſ⸗ ſen; da er geſchickt war, der Spur eines Geheimniſſes zu folgen, ſo hatte er lieber ſeine Augen und ſeine Ohren ge⸗ ſchloſſen, um der Verſuchung zu entgehen, mehr zu erfahren, beſſer zu errathen und dem Geheimniſſe auf die Spur zu
kommen, deſſen Oberfläche er geſehen hatte.
Eine vertrauliche Mittheilung des Marquis hätte ihn mit Freude erfüllt, ihn ſtolz gemacht und vielleicht in ſeiner eignen Achtung ſo ſehr gehoben, daß er plötzlich ein kräfti⸗ ger Mann geworden wäre. Aber er glaubte kein Recht zu haben, ſeinen innerſten Gedanken nachzugeben und einen neu⸗ gierig forſchenden Blick auf Rio Santo's Geheimniß zu wer⸗ fen, bevor dieſer ſelbſt geſprochen habe.
Rio Santo liebte ihn und Rio Santo war für ihn zu⸗ gleich der gewählteſte Ausdruck des Schönen, des Edlen und des Großen. Eine ſolche Bewundrung kann nicht ohne ein wenig Furcht beſtehen und der Cavaliere Angelo Bembo ge⸗ ſtand ſich zu ſehr ſeine Untergeordnetheit ein, als daß er nicht hätte glauben ſollen, die Pflichten eines Lehnsmannes gegen den Marquis zu haben.


