Teil eines Werkes 
2. Theil (1844) Die Tochter des Gehenkten / von von Sir Francis Trolopp ; uebersetzt von Dr. Ludwig Eichler
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

In dieſem Augenblicke begann Anna, wieder erwacht, oder vielleicht zu träumen anfangend, mit ſchwacher, abgebro⸗ chener Stimme ihr ſchottiſches Lied wieder zu ſingen. Der erſte Ton dieſer geliebten Stimme machte Clarh zittern und gab ihrer Verzweiflung wieder ein wenig Kraft. Sie ſtand auf, zum großen Erſtaunen der Mrs. Gruff, die nur noch Zeit hatte, den Schlüſſel von außen im Schloſſe herumzu⸗ drehen, und ging auf die Thür zu.

— Verſchloſſen! murmelte ſie kalt, als ob ſie dieſen

Umſtand erwartet habe.

Ihre Füße verſagten ihr den Dienſt und ihr ſchöner Nacken konnte kaum das Gewicht ihres immer ſchwerer wer⸗ denden Kopfes tragen. Sie ſchritt aufs Neue wankend durchs Zimmer und näherte ſich dem Fenſter.

Dieſes Fenſter beſtand, wie faſt alle in London, aus zwei ühereinanderlaufenden Rahmen, welche von unten nach oben zum Aufſchieben find. Clary verſuchte den unteren Rahmen in die Höhe zu ſchieben, indem ſie ohne Zweifel um Hülfe zu rufen gedachte, aber das Holzwerk war ſehr ſchwer und kein Gegengewicht daran befindlich, wie es häufig angebracht iſt, um das Auſſchieben dieſer unbequemen und häßlich ausſehenden Fenſter zu erleichtern.

Nach zwei oder drei erfolgloſen Verſuchen ließ Clary ihre Arme den Körper hinabfinken und ſenkte den Kopf.

— Verſuche es nur, mein Täubchen, ermüde Dich, meine Turteltaube; flüſterte die gute Mrs. Gruff vor ſich